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Kundenrezension

165 von 209 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine simple Polemik, 1. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Dass Deutschland ein verkorkstes Verhaeltnis zum Elitebegriff hat ist ja weitgehend unstrittig. Ganze Universitaeten per Dekret aus Berlin zur Elite zu kueren wuerde anderen Nationen kaum einfallen, genauso wenig wie 18jaehrige auf Basis von Wochenendkursen (in der Eliteakademie) zur Elite der Zukunft zur erklaeren. Der gedankliche Ausgangspunkt dieses Buches, dass wir uns naemlich fragen muessen was Elite eigentlich bedeutet, und wen wir gerne zur Elite machen wollen, macht also schon Sinn.

Leider macht Frau Friedrichs es sich aber viel zu leicht. Sie sucht sich fuer ihre Recherche gezielt die einfachen Ziele des Sozialneids aus: Duemmliche Kinder des Geldadels die in Nachhilfeinternaten fuer viel Geld zum Abitur getrieben werden muessen. Die Babys Prominenter, die sich in einem Potsdamer Nobelkindergarten "am Buffet bedienen" koennen. Kinder reicher Eltern die ihre private Wirtschaftsschule ohne viel Nachdenken zur Elite-Universitaet erheben. Die Mitglieder eines geldgeilen Internetforums, die sich vorhersagbar inakzeptabel ueber Geringverdiener aeussern.
Die durch die Eliteuniversitaets-Gelder gefoerderten Juniorprofessoren, die Studienwerke der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, oder gar JuSos, JuLis, RCDS und Gruene Jugend zu besuchen kam Julia Friedrichs nicht in den Sinn. Ob die vielleicht nicht so recht in ihr simples Bild von oben und unten gepasst haetten?

Man mag es dem Alter der Autorin zugestehen, dass sich das Buch ausschliesslich mit jungen Menschen in der Ausbildung befasst. Schliesslich ist sie auch nicht allein mit diesem seltsamen Verstaendnis, dass Elite irgendwie immer aus Leuten besteht die im Leben noch nichts geleistet haben. Politiker wie Journalisten lassen sich regelmaessig dazu hinreissen, Schulabgaenger unverdienterweise als "die Elite von morgen" zu titulieren. Auch dass sie aus ihrer sozialdemokratischen Gesinnung keinen Hehl macht, und immer wieder geschockt feststellt, dass reiche Menschen vorrangig konservativ waehlen, mag man einer 28jaehrigen WG-Bewohnerin aus Kreuzberg verstaendnisvoll anrechnen.
Das groessere Problem dieses Buches sind die Widersprueche in Friedrichs' Argumentation. Einerseits bemerkt sie regelmaessig beinahe unglaeubig die 16-Stunden-Tage der "Elitestudenten", zeichnet aber gleichzeitig das Bild von den ueberprivilegierten reichen Pinkeln, denen alles in den Schoss gelegt wird. Sie bemaengelt ein ums andere mal das politische Desinteresse der BWL-Studenten, die ihr auf ihren Recherchen begegnen, kommt aber nicht auf die Idee, mal bei der Ebert-, Adenauer-, Naumann- oder Boell-Stiftung anzufragen, wo man politisch interessierte Jungelite vielleicht eher vermuten wuerde. Stattdessen trifft sie sich mit einem Organisator von attac, um zu bemaengeln dass dieser politisch engagierte junge Mensch fuer die Organisation von Sitzblockaden in Heiligendamm keinerlei staatliche Foerderung erhaelt.

Und dann, immer wieder: McKinsey. Vermutlich weil sich mit Hass auf diese Firma gut Buecher verkaufen lassen, taucht der Name fast so oft auf wie das Wort "Elite"; dabei beschraenken sich Friedrichs' Eindruecke bei McKinsey auf ein weinseliges Gespraech mit einem Berater waehrend einer Recruiting-Veranstaltung, und auf ein Jobinterview (mit ihrem Erfolg in letzterem immer mal wieder zu kokettieren kann sich die Autorin nicht verkneifen). McKinsey muss staendig als Platzhalter fuer die boese vernetzwerkte Oberschicht herhalten, in die man nur mit Vitamin B reinkommt. Dass Recruiting-Einladung und Jobangebot McKinseys an die ach so unelitaere Frau Friedrichs mit dieser These nicht so recht vereinbaren lassen entgeht der Autorin leider.

Wer nach dem wohligen "Die da oben"-Schauer auf dem Ruecken sucht, kann sich mit Julia Friedrichs' "Gestatten: Elite" zwei nette Abende machen. Wer sich ernsthaft mit der Frage auseinander setzen moechte, wem und wie wir in dieser Gesellschaft Verantwortung vergeben, wie viel Einfluss das Geld der Eltern auf zukuenftige Karrieren hat, vor allem aber wie man dieses System fairer gestalten koennte, der sollte sich nach etwas mehr durchdachten Texten umsehen.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.03.2010 13:25:30 GMT+01:00
N. Ries meint:
"der sollte sich nach etwas mehr durchdachten Texten umsehen" - die wären?

Veröffentlicht am 18.01.2011 12:34:09 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.01.2011 12:35:34 GMT+01:00
Achim Klotz meint:
Ich habe das Buch gelesen, war geschockt und ich fand es gut. Ich finde Frau Friedrich beschreibt exakt das Denken der sogenannten Machtelite. Sie hat sich sehr wohl mit Stipendiaten befasst. Herr Keiner redet von Stidendiatseliten bei politischen Stiftungen. Was dabei herauskommt sehen wir wohl an unseren Politikern. Elite bezeichnet man jemand der sich absetzt ducrh Geld, macht, was Stipendiaten ja nicht haben im allgemeinen und durch überdurschschnittliche Qualifikationen und das haben unsere derzeitigen Politiker ja in keinster Weise. Es get auch in diesem Buch nicht darum Wege zu zeigen, die eine gesellschaftliche Verbesserung bringen, sondern aufzuzeigen, wie die sogenannte Elite denkt und das ist erschreckend.

Ich empfehle das Buch.

Veröffentlicht am 15.01.2012 20:33:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.01.2012 20:36:54 GMT+01:00
subo meint:
Ihre Rezension kann als symptomatisch für eine Gesellschaft gesehen werden, die den Spiegel vorgehalten bekommt und die kognitive Dissonanz, die dadurch entsteht, nicht ertragen kann. Deshalb versuchen Sie nun die Vorlage der Autorin als eine "simple Polemik" abzutun. Dabei bemerken Sie gewiss jedoch nicht, dass Ihre vermeintliche "Argumentation", die uns dies veranschaulichen soll, nur billiges Polemisieren ist. Auch scheint "Heiner Keiner" gänzlich unbeeindruckt davon, dass selbst das "Manager Magazin" die Meinung vertritt, Frau Friedrich "kritisiere, ohne polemisch zu werden".

In einer Polemik werden per Definition häufig die Mittel der Übertreibung, der Ironie und des Sarkasmus verwendet. Einige Beispiele aus der Rezension: So wird die Autorin als "eine 28jaehrige WG-Bewohnerin aus Kreuzberg" tituliert. Kritik an McKinsey sei unbegründet, man hege schließlich nur einen "Hass auf diese Firma, vermutlich weil sich damit gut Bücher verkaufen ließen", weiters seien Frau Friedrichs Eindrücke auch nur auf ein "weinseliges Gespräch mit einem Berater" beschränkt. Deutschland wird ein "verkorkstes Verhältnis zum Elitebegriff" konstatiert und Frau Friedrichs mache es sich ohnehin "viel zu leicht", da sie sich ja nur "die einfachen Ziele des Sozialneids" vornehme, konkret "Geldadel" genannt.

Eine stringente Argumentation, die Frau Friedrichs Darlegung nun schwächen und in Frage stellen könnte, kann in der Rezension von "Heiner Keiner" nicht gefunden werden. Die Rezension ist der beispielhafte simple Reflex einer empfindlich berührten Gesellschaft, die den Spiegel vorgehalten bekommt und ist damit wiederum nur ein Beleg für die treffsichere, äußerst gelungene Gesellschaftsbeschreibung der Autorin.

Veröffentlicht am 29.12.2012 12:33:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.12.2012 12:34:33 GMT+01:00
Ich glaube, das Schwarz-Weiß-Bild, das Sie Julia Friedrichs - fälschlicherweise, denn sie beschreibt ja auch mit Empathie die fatalen Folgen des Elitedenkens für diejenigen Menschen, die in ein solches Elite-Dasein gepresst werden - unterstellen, existiert nur in Ihnen. In ihrem Buch finde ich weit aus mehr Selbstreflexion, als in Ihrer Reszension.

Die Frage, die sich jeder selbstkritisch stellen sollte, bevor er sich öffentlich über Bücher äußert:
"Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?" (Lichtenberg)

Veröffentlicht am 12.03.2013 17:53:25 GMT+01:00
Vicki meint:
Eine wirklich gute Beschreibung des Buches.

Die Voreingenommenheit der Verfasserin hat ihre Analyse sehr beschädigt. Alles Kritische, mit dem sie den Studenten an der Ebs begegnete war gewichen, als sie träumerisch Alternative beschrieb. Eine gute Autorin würde beiden mit derselben Skepsis begegnen. Die wirkliche Antwort auf die Frage wessen Engagement mehr für unseren Sozialstaat tut, schiene grell aus dem schwarz-weiß gemalten Bild des Textes. Unsere Welt ist komplex, sie ist überraschend und spannend, wenn man nicht in gewohnten Bahnen denkt- leider gelingt dies Fr. Friedrichs nicht.
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