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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 1. April 2014
"Ein Abenteuer passiert dem, der es am wenigsten erwartet". Dieses Zitat von G.K. Chesterton, dass Christoph Marzi seinem Buch voranstellt, passt genau. Piper erwartet nichts aufregendes. Ihre Eltern haben die elfjährige für einige Tage bei Onkel George untergebracht, damit sie in Ruhe und allein ihren Hochzeitstag feiern können. Der Wildhüter lebt im Dartmoor und kümmert sich in seiner Freizeit lieber um Bienen als um Menschen. Bei dem schweigsamen Onkel gibt es auch keinen Computer, Internet oder Handyzugang. Piper ist schon am ersten Tag so sterbenslangweilig, dass sie sich in die örtliche Bücherei verirrt. Mit den dort geliehenen Büchern macht sie es sich in einem alten Schrankkoffer bequem, den sie in einem Zimmer im Haus ihres Onkels gefunden hat. Als sie darin einschläft, fällt der Deckel zu und als Piper ihn wieder öffnet, sitzt sie mitsamt Koffer auf einer Lichtung im Wald.

"Piper und das Rätsel der dreizehnten Uhr" ist ein Abenteuerroman mit subtilen Gruselelementen, die selbst mich als erwachsenen Leser leicht schauern ließen. Allerdings kommt das Gruseln erst spät. Der Beginn ist langweilig. Ich war schon fast versucht, das Buch aus der Hand zu legen, als ich begriff , dass es sich um einen sehr guten Trick des Autors handelt, wenn es denn so gedacht war. Pipers Reise im Schrankkoffer hat mit ihrer Langeweile zu tun. Im "Septemberland" macht ihr der unheimliche Mr. Rastlos klar, dass sie genau aus dem Grund überhaupt in seinem Reich gelandet ist. Um es wieder verlassen zu können, muss sie drei Abenteuer bestehen und ihre Langeweile vergessen. Als Leser hatte man vorher Gelegenheit diese Langeweile spürbar zu erlesen. So ermüdend der Beginn ist, so spannend wird es dann. Der Gegensatz hätte nicht besser herausgearbeitet werden können.

Gut ist auch, dass Marzi seine Geschichte in Großbritannien spielen lässt. Britische Romanfiguren bewahren Haltung, auch wenn sie eine geheimnisvolle Reise in einem Schrankkoffer zurückgelegt haben und in einem fremden Wald von einem Tier im Menschennkostüm begrüßt werden. Höflichkeit ist oberstes Gebot und daran halten sich auch Piper und der sprechende Otter. Ähnlichkeiten mit "Alice im Wunderland" sind augenfällig!

Neben "Alice im Wunderland" habe ich auch Anleihen aus der "unendlichen Geschichte" und "Momo" wiedergefunden. Der Wechsel zwischen Realität und Traum, die Macht durch Phantasie Welten zu erschaffen, der Kampf gegen den "grauen Herren" Mr. Rastlos. Inhaltlich und sprachlich ist der Roman weit von diesen großen literarischen Werken entfernt. Dennoch ist er durchaus empfehlenswert. Das liegt zum einen an der unerschrockenen Hauptfigur Piper, die sich tapfer allen Anforderungen stellt und auch bei "Gefahr in Verzug" die Nerven behält. Bewundernswert.

Zum andern liegt es an der Philosophie die der Autor einflicht. "Du siehst den Weg und siehst ihn nicht. Du kannst ihn gehen und kannst doch nicht". Piper lässt sich auf die Bedingungen ein und löst ihre Aufgaben ( in denen sie es mit Piraten, Spinnen und einem schauderhaften "Narder" zu tun bekommt) mit Bravour nur um festzustellen, dass sie den Weg zurück doch noch nicht gefunden hat. Sie wurde ausgetrickst und muss nun das Rätsel lösen, dass sie zurückbringt in ihr eigenes Leben. Hier lernt, wer lernen will, dass dieses "Lebensrätsel" jeder lösen muss, egal ob jung oder alt.

Und dass ein "langweiliger" oder besser "alltäglicher" Weg nicht unbedingt der schlechteste sein muss, ist eine Erkenntnis die, in der heute so geschäftigen Welt, zu erkennen es sich nicht nur für Kinder lohnt. Wenn Piper am Ende stillvergnügt die Zeit damit verbringt die Beine baumeln zu lassen und ihr eigenes Spiegelbild in der Oberfläche des Dorfteiches zu bewundern, "dann ist sie genau da, wo sie sein will". Und dass zu begreifen, ist nie zu früh und nie zu spät. Meine Empfehlung: Für Kinder ab der vierten Grundschulklasse zum Vor- oder Selberlesen.
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