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Kundenrezension

am 17. Mai 2012
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts – der deutsche Kaiser schenkte seinen Untertanen mit Kolonien in Übersee einen “Platz an der Sonne” – tauchte auf einer imperialen Südseeinsel ein junger Vegetarier auf, der dort sein eigenes Imperium erschaffen wollte. August Engelhardt, so der Name des historisch verbürgten Protagonisten, ist ein zotteliger Sonderling, der im Jahre 1902 eine extreme Art einer Lebensreform anstrebt.

Also die Idee einer neuen Gesellschaft, eines eigenen Reiches, ausgehend von einer Kokosnussplantage auf einer kleinen Insel, die er sich vom Erbe seiner Eltern sowie mittels eines Kredites kauft. Fest davon überzeugt, durch ausschließliche Ernährung von Kokosnüssen ein “göttliches” Bewusstsein zu erlangen, versucht dieser Fanatiker sogar, Gleichgesinnte auf seine Insel zu locken. Engelhardt schreibt unentwegt Postkarten nach Deutschland, um für seine Kokovaren-Kommune zu werben, anfangs sogar mit einem mäßigen Erfolg. Doch das Projekt scheitert schließlich. Nur wenige Mitstreiter reisen ihm nach, wenden sich aber schnell desillusioniert ab, einige sterben unter fragwürdigen Umständen. Der Idealist wandelt sich zu einem extremen Zwangsneurotiker, zu einem in sich verlorenen Einsiedler, der selbst vor (auto-)kannibalistischen Neigungen nicht zurückschreckt.

Die merkwürdige Kritik, die dem “Spiegel” kurz nach Veröffentlichung von Christian Krachts neuen Roman Imperium zu entnehmen war, scheint keinesfalls logisch und nachvollziehbar. Denn weder Christian Kracht, noch sein Protagonist August Engelhardt fungiert hier als “Türsteher rechten Gedankenguts”. Diese faschistisch-völkischen Andeutungen, von denen dabei die Rede ist, werden zweifellos angedeutet und haben durchaus ihre berechtigte Schlüsselfunktion.

Engelhardts Imperium basiert auf einer einseitigen Glaubenslehre, die schließlich, wie alle totalitären Gesellschaftsmodelle, in Vereinsamung und Entfremdung münden muss. Jenes Imperium des August Engelhardt kommt zum Glück kaum über seinen Schöpfer hinaus, und außer ein paar gestrandete Anhänger und wenigen merkwürdigen Todesfällen hält sich der Schaden noch in Grenzen. Der Wahnsinn nimmt jedoch die katastrophalen Abgründe des 20. Jahrhunderts vorweg. Der holprige Weg des Nudisten und Sonnenanbeters führt zum verbrecherischen Imperium eines berüchtigteren Zeitgenossen Engelhardts, einige Jahre später, der von Kracht lediglich als Karikatur angedeutet wird.

Kracht erzählt seine Geschichte freundlich, in spannenden, kurzweiligen Satzkaskaden. Allerdings nicht als kommode Version im Stil historischer Erzähler, vielmehr als eine Art Südseeballade in zeitgemäßer Form – und natürlich nicht ohne den leicht snobistischen Anspruch, den viele Leser schätzen, andere hassen.
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