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Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blutiges Zombiegemetzel, 1. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Ashes - Brennendes Herz (Gebundene Ausgabe)
"Ashes - Brennendes Herz" von Ilsa J. Bick ist der Auftakt einer Trilogie. Das Buch hat mir zwar insgesamt gut gefallen, aber es war doch nicht das, was ich erwartet hatte. Daran nicht unschuldig war auch der meiner Meinung nach völlig irreführende Klappentext - deswegen jetzt erst einmal zum Inhalt, so wie ich ihn beschreiben würde:

Die 17-jährige Alex, die ihre Eltern bei einem Unfall verloren hat, hat einen inoperablen Hirntumor. Ihren Geruchssinn hat sie bereits verloren und auch ihre motorischen Fähigkeiten lassen nach. Deswegen ergreift sie ihre letzte Chance, allein eine Wanderung zu unternehmen. Sie ist gerade unterwegs, als etwas merkwürdiges geschieht. Ein elektromagnetischer Impuls lässt Tiere durchdrehen und verändert auch in Alex' Kopf etwas, während der alte Mann, der ihr kurz zuvor mit seiner 8-jährigen Enkelin Ellie über den Weg gelaufen war, sofort tot ist. Die meisten Elektrogeräte funktionieren nicht mehr und Alex muss sich plötzlich mit einem kleinen Mädchen allein durch die Wildnis schlagen, auf der Suche nach Hilfe. Doch die ersten Begegnungen mit anderen Menschen stellen sich als gefährlich heraus, denn sie befinden sich in einem wilden, Zombieähnlichen Zustand.
Der junge Soldat Tom ist der erste normal gebliebene Mensch, dem sie begegnen, und gemeinsam schlagen sich die drei durch und versuchen herauszufinden, was geschehen ist...

Um also mit meiner Rezension zu beginnen, möchte ich zunächst eine Frage beantworten: Hat das Buch meinen Erwartungen entsprochen? Nein, hat es nicht. Ich zitiere mal aus dem Klappentext: "Das Einzige, worauf Alex noch zählen kann, ist ihre Liebe zu Tom. Gemeinsam versuchen die beiden, sich durchzuschlagen." - Das klingt nach einem Liebesroman, doch Alex lernt Tom gerade einmal kennen (nach mehr als 100 Tom-freien Seiten) und eine wirkliche Liebesgeschichte ergibt sich zumindest in diesem ersten Band noch gar nicht. Höchstens von zarten, verhaltenen Anfängen einer solchen könnte man - vorsichtig - sprechen. Nach den beiden zitierten Sätzen sollte man übrigens auch besser aufhören, den Klappentext zu lesen, denn alles was dann kommt, greift der Handlung für meinen Geschmack schon viel zu weit vor.

Wer eine Liebesgeschichte erwartet, wird zudem wahrscheinlich umso überraschter sein, wie eiskalt ekelhaft, brutal und blutig dieses Buch ist. Ich finde es zwar für die empfohlene Altersgruppe, also für Über-14-Jährige, geeignet, aber, wie man sich auch bei jedem Film überlegen sollte, ob man persönlich mit einem hohen Ekel- oder Gruselfaktor umgehen kann, sollte man sich auch bei einem Buch fragen, ob der gegebene Inhalt einen anspricht. Da ist jeder Erwachsene, aber auch jeder 14-jährige verschieden. Ich hatte damit keine Probleme, aber die Beschreibungen von herausgerissenen Gedärmen und Schusswechseln sind wirklich nicht ohne. Das Buch beschreibt ein Endzeit-Szenario, das an einen Zombiefilm erinnert, auch wenn die durchgedrehten Menschen nicht wirklich untot sind, sondern einfach nur animalisch und unkontrolliert wirken. Oft habe ich schon gelesen, es sei eine Dystopie, vielleicht, weil unter Jugendbücher gerade alles als Dystopie gesehen wird. Ich sehe höchstens in der zweiten Hälfte leichte Ansätze einer Dystopie, ansonsten ist das hier eine Endzeit-Vision.

Bei der zweiten Hälfte kommt dann auch mein größter Kritikpunkt an das Buch - also neben dem irreführenden Klappentext. Am Anfang fand ich das Buch sehr spannend und die Charaktere überzeugend. Gut, die Art wie Ellie und Alex ihre Ausrüstung verlieren wirkte teilweise etwas konstruiert, vor allem in Anbetracht dessen, dass Alex eine erfahrene Wanderin sein soll. Aber alles andere war fesselnd, unheimlich und in sich stimmig. Zwar beruhen die ersten Ideen, was die Katastrophe auslöste, noch auf Spekulationen von Alex und Tom, aber immerhin ging es noch um diese offenbar Gehirn-verändernde Druckwelle, die die Welt von einer auf die anderen Sekunde auf den Kopf stellte.
In der zweite Hälfte ist das plötzlich fast weg. Viele neue, allesamt blasse Charaktere kommen hinzu, während die vorher fein ausgearbeiteten Figuren - der geheimnisvolle Tom und die trotzige kleine Ellie - sehr in den Hintergrund rücken. In dieser Phase ist der Roman am ehesten eine Dystopie, aber sie wirkt lieblos - eine religiös motivierte Zweckgemeinschaft mit Rund-um-die-Uhr-Bewachung für Jugendliche, denn vor allem junge Menschen wurden zu Zombieähnlichen Monstern. Für mich las sich das fast wie ein anderer, zweiter und vor allem langweiligerer Roman. Die beiden Teile fügten sich nicht harmonisch ineinander und die zweite Hälfte wirkte in die Länge gezogen, als sollte sie nur dafür sorgen, die aufgeworfenen Rätsel in den zweiten Teil zu schleppen, um sie nicht mehr in diesem beantworten zu müssen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen. Die Geschichte wird, wenn auch nicht aus der Ich-Perspektive, aus Alex' Sicht erzählt, was dem Leser diesen Charakter besonders nahe bringt. Alex hat sowohl eine interessante Hintergrundgeschichte durch den Tod ihrer Eltern und ihre Krankheit, als auch eine spannende Entwicklung ihrer Person in der Gegenwart zu bieten. Die Handlung ist spannend, lässt aber noch viele - um nicht so sagen so gut wie alle - Fragen offen, sodass "Ashes" als Einzelband in keinem Fall lesenswert ist und auch nicht funktioniert. Wer sich also auf dieses Buch einlässt, sollte sich bewusst sein, dass er mehr als ein Buch lesen muss, um die neue Welt, die die Autorin erschaffen hat, zu verstehen. Für meinen Geschmack hätte das Endzeit-Szenario gerne auch schon in diesem Teil etwas vertieft werden können. Das kam mir gerade in der zweiten Hälfte einfach zu kurz.

Fazit: Spannendes Endzeit-Szenario, das aber nicht, wie der Klappentext vermuten lässt, in erster Linie eine Liebesgeschichte ist, sondern eher ein blutiges - wirklich sehr blutiges - Zombiegemetzel. Die Charaktere konnten mich überzeugen, die zweite Hälfte empfand ich allerdings als schwächer und für die Geschichte nicht besonders relevant. Die großen Rätsel und die Fragen nach der Ursache der radikalen Veränderung der Welt werden leider in die Fortsetzung verschoben, auf die ich mich jetzt freue. Für diesen Endzeit-Auftakt mit wenigen Antworten und kleinen Schwächen vergebe ich 4 Sterne.
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