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Customer Review

on April 6, 2007
Zwei der vier bisher entstandenen Buddenbrooks-Verfilmungen sind in dieser Box versammelt: Der zweiteilige Kinofilm von 1959 und die elfteilige ARD-Serie von 1979. Leider fehlt der Stummfilm von 1923; und die siebenteilige BBC-Serie aus dem Jahr 1965 gilt als verschollen: Selbst im Archiv der BBC existieren hiervon leider keine Kopien mehr.

Mit ihrer 79er TV-Verfilmung hatten sich Produzenten und Regisseur die Programmatik Dieter Meichsners, von 1968 bis 1991 Programmverantwortlicher der Abteilung Fernsehspiel beim NDR, zu eigen gemacht. Keinesfalls gewollt waren "Literaturverfilmungen und Fernsehspielverfilmungen, die unter dem Titel ''nach Motiven aus dem Roman'' die eigenen (...) artistisch-ästhetischen Tonkunststücke aufführten auf dem Trapez eines großen Meisters. Das fanden wir buchstäblich eine Sünde gegen die Literatur". Gemäß dieser Prämisse arbeitet sich die Serie Kapitel für Kapitel durch das Buch und entwickelt nur in kleinen Ansätzen eine genuin filmische Sprache. Statt dessen werden immer wieder ganze Romanabsätze aus dem Off vorgelesen; dies verstärkt sich vor allem im letzten Drittel, da die Textpassagen, die die Handlung (gemeint ist in diesem Fall "Aktion" im eigentlichen Sinne) beinhalten, immer häufiger durch reflektierende Einschübe unterbrochen werden. Insbesondere die Beschreibungen von Gerdas und Hannos Musizieren bleiben Darbietung an sich - die Emotionen und Gedanken der Personen werden kaum visualisiert (Bei der Darstellung von Hannos Klavierspiel kommt hinzu, dass der Darsteller offensichtlich nicht selbst spielt). Im letzten Drittel der Serie (ca. den Folgen 9-11) kommt es daher erstmals zu etwas stärkeren Kürzungen und Umstellungen in der Szenenfolge. Änderungen oder gar drehbucheigene Ergänzungen finden sich in der Serie jedoch zu keinem Zeitpunkt. Die Verfilmung wirkt daher in manchem Passagen weniger wie ein Film, sondern wie ein bebildertes Hörbuch. Die Übertragung der Mann-typischen Ironie in eine genuine Bildsprache ist von Drehbuchautor und Regisseur erst gar nicht versucht worden. Auf komödiantische Umformungen wie im Spielfilm von 1959 wurde gänzlich verzichtet (was den Vorteil hat, dass dem Zuschauer krasse Fehlbesetzungen wie die - von mir als Schauspielerin ansonsten sehr geschätzte - Lilo Pulver als Tony Buddenbrook erspart bleiben). An Schauspielern wurde selbst für die kleineren Nebenrollen nahezu alles engagiert, was Ende der siebziger Jahre Rang und Namen im deutschen TV hatte. Besonders gut gelungen ist die Darstellung der schon in der Vorlage mit grotesken Zügen versehenen Personen; als Beispiele seien hier Bendix Grünlich (Michael Degen) und Bankier Kesselmeyer (Klaus Schwarzkopf) genannt. Dem Bemühen um "Werktreue" bei der Umsetzung der Romanhandlung entspricht das Bemühen um Detailtreue bei Kulissen und Kostümen. Bleiben diese Punkte - rein filmisch-künstlerisch gesehen - an der Oberfläche, so liegt hier dennoch eine weitere Stärke dieser Adaption. Vom Backenbart der Herren über die Sonnenschirme der Damen bis hin zum Teeservice: Der Versuch, dem Zuschauer einen realistischen Querschnitt der bürgerlichen Mode vom Biedermeier bis zur Gründerzeit zu bieten, kann in jedem Fall als gelungen bezeichnet werden.

Fazit: 1979 war Buddenbrooks mit 12,5 Millionen DM die bis dato teuerste deutsche TV-Produktion und ein Paradebeispiel für das damals übliche Verständnis von Literaturverfilmung. Sowohl vom Standpunkt der Medien- als auch der Literaturwissenschaft ist dies heute gänzlich überholt; das kann man - je nach eigenem Gusto - begrüßen oder bedauern. Sie hat daher ihren festen und auch verdienten Platz in der Fernsehgeschichte, und der Vergleich mir der sich derzeit in Produktion befindlichen Neuverfilmung von Heinrich Breloer (Die Manns - Ein Jahrhundertroman) dürfte sich allemal interessant gestalten.
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4.4 out of 5 stars
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