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Kundenrezension

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare venezianische Novelle in Formvollendung, 12. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Tod in Venedig und andere Erzählungen (Taschenbuch)
Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" aus dem Jahre 1912 ist aus meiner Sicht ein lustvoll geschriebenes Kleinod, das sich glänzend zum Einstieg in eine Lektüre der Werke des großen deutschen Romanciers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eignet. Sowohl vom Umfang her als auch thematisch weniger sperrig und groß angelegt als die großen Romane wie "Der Zauberberg" oder "Doktor Faustus", aber doch bereits mit einigen intellektuellen Anleihen an große und wichtige Denkströmungen seiner Entstehungszeit, die Thomas Manns Werke so spannend und aufschlussreich zugleich machen, liest sich "Der Tod in Venedig", sofern man sich einmal auf den natürlich relativ komplexen, dafür aber auch sprachlich einfach wunderschönen Satzbau Manns eingelassen hat, doch recht flüssig und schnell runter, zumal es ein deutlich "handlungsgetriebeneres" (wenn es ein solches Wort gibt) Werk ist als etwa "Der Zauberberg".
Die stark autobiographisch angehauchte Geschichte des alternden und mental wie physisch ausgelaugten, fiktiven Schriftstellers Gustav von Aschenbach, einem preußisch-disziplinierten Künstler von Weltformat, der sich im Zuge seiner großen Lebens- und Schreibkrise von einem "unerklärlichen" ;-) Fernweh heimgesucht fühlt und dadurch schließlich gen Süden fährt, um über Umwege im vor Schönheit sterbenden Venedig zu landen (wie sollte es anders sein?), um dort einen verhängnisvollen Urlaub zu verbringen. Von Unlust und Enttäuschung ob der verfallenden Schönheit geplagt und immer wieder von beängstigend-fratzenhaft anmutenden Gestalten belästigt bis geängstigt, steht Aschenbach schnell kurz vor der Wieder-Abreise, ehe ihm in seinem Hotel ein polnischer Jüngling namens Tadzio auffällt, der ihn fasziniert und offenbar lange unterdrückte Gefühlsregungen in ihm weckt, die ihn schließlich am Ort halten und in ein inneres Dilemma aus versuchter Selbstzucht und homoerotischer Neugier stürzen.
Es ist dieser letztgenannte Aspekt, die Geschichte um Aschenbachs heimliche Liebe zu dem Knaben, bei dem Manns großartige literarische Meisterschaft besonders zu Tage tritt; denn es gelingt ihm wie sonst niemandem, einen solchen inneren Kampf auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen zu beschreiben, die sich bei ihm, und einzig bei ihm, zu einem harmonischen, ebenso kusntvollen wie authentischen Ganzen vereinigen. Einerseits wirkt das Ganze lebensnah, voller Em- und Sympathie für den um seine Würde ringenden Helden, während andererseits die beiden wohl entscheidenden denkerischen Quellen des Werkes sich in diesem Kampf Aschenbachs manifestieren und ihnen ausführliche intellektuelle Behandlung widerfährt: dies sind einmal Sigmund Freuds Psychoanalyse und seine These von der "Wiederkehr des Verdrängten" (hier: der homoerotischen Neigungen Aschenbachs), welche Thomas Mann durch Freuds Lektüre der Novelle "Gradiva" von Wilhelm Jensen kennengelernt und teilweise fast daraus abgeschrieben hat; und darüber hinaus Friedrich Nietzsches Unterscheidung zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, zwischen dem Würdevoll-Ordnenden und dem Rauschhaft-Lustgeleiteten, welche einen immer währenden Hauptkonflikt aller menschlicher Existenz darstellen. Diese damals wie heute bewegenden und auf ewig einflussreichen und wichtigen Denkstrukturen in eine so nahe gehende und empathisch geschilderte Geschichte eines an sich selbst zu zerbrechen drohenden Individuums einzuarbeiten, und das Ganze in die konzise und wunderbar spannend zu lesende Form dieser venezianischen Novelle einzuweben, das ist die wunderbare Leistung, die Thomas Mann mit dem "Tod in Venedig" gelungen ist. Der große Autor der großen Zeitromane zeigt sich hier auch als Meister der Mittelstrecke, und fängt hier mal nicht über einen längeren Zeitraum, sondern ganz punktuell die großen Denkmodelle seiner Zeit ein und macht große Kunst aus ihnen. Unbedingt lesen!
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