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Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 3. Juli 2013
Als 2006 elf führende Neurowissenschaftler in der Zeitschrift "Gehirn und Geist" ihre Leitthesen zum menschlichen Bewußtsein, mithin zu philosophischen Kernbegriffen wie Ich, Persönlichkeit und freiem Willen verfaßten, nannten sie diesen Beitrag in revolutionärem Gestus bewußt "Das Manifest", da dank neuer Methoden der bildgebenden Verfahren zur Hirnphysiologie fortan klar sein müsse, daß der für das Menschenbild das Abendlandes von Platon bis Descartes kennzeichnende Leib-Seele-Dualismus ausgespielt hätte: Stattdessen wäre alles reduktionistisch-naturalistisch anzuschauen; und was der Mensch sich an freiem Willens einbilde, seien Akte reiner Kausalität – mit all den harten Konsequenzen im ethischen und rechtsphilosophischen Bereich. Es sollte so aussehen, als hätten die Hirnmediziner nach der kopernikanischen, darwinistischen und freudianischen Kränkung jetzt die vierte, alles entscheidende zu bieten – passend zur Profanisierung von Gesellschaft und Politik. Julien de La Mettrie und der Laplacesche Dämon als Gewinner in einem wichtigen Streit. Zu dieser Position hatte die Philosophie allerdings längst viele Fußnoten hinterlassen und neue anzufügen: John R. Searle, Franz von Kutschera, Thomas Nagel, Günter Schulte seien genannt, Thomas Metzinger mit seiner Vorstellung des Ichs als Selbstmodell des Gehirns unterstrichen, auf den Epiphänomenalismus wenigstens verwiesen.
Jetzt Wolfgang Prinz: Die bislang mit den reduktionistischen oder dualistischen Modellen des Selbst eng zusammenhängende Frage nach der Willensfreiheit sieht er nicht als reine Naturtatsache an, sondern stellt das Erleben dessen in den Zusammenhang mit dem sozialen Sein des Menschen. Indem der nicht nur als rein biologisches Wesen anzusehen wäre, schafft er sich als geistiges Agens, als Persönlichkeit, selbst. Sich seiner selbst und somit der Konsequenzen im Denken, Fühlen und Handeln bewußt zu sein, ist keine Vor-Leistung des Gehirns, sondern eine sich in der Beziehung zu anderen herausbildende sekundäre, dabei aber einzigartige Qualität. Es bedarf dazu der permanenten Interaktion im Kollektiven. Was dort in bezug auf die Vorstellungen von Selbst, Welt und anderen geschieht, beschreibe am treffendsten die Erkenntnistheorie des Konstruktivismus, der – mit Ernst von Glaserfelds Rückgriff auf Giambattista Vico – Wahrheit durch den Begriff des Viablen, des Passenden, ersetzt. Denken läßt sich, so Prinz, nicht vom Handeln scheiden. Zur Steuerung des Eigenen ist es erforderlich, die Handlungen der andern zu antizipieren. Wir spiegeln sie permanent, ebenso wie sie uns. Die generiere Vorstellungen vom jeweils umrissenen Selbst. Das Gehirn an sich ist Organ und als solches weder eine Person noch ein Ich. Letzteres konstruieren wir in Vorstellungs- und Handlungsakten. Darin liegt die notwendige Voraussetzung des spezifisch Menschlichen, also auch Gesellschaftlichen.
Die Lektüre von Wolfgang Prinz erspart eine Menge an philosophiegeschichtlicher Herleitung. Der Autor ist auf dem neuesten Stand und faßt insofern viele Diskurse zusammen – mit einem insgesamt optimistischen Schluß. Doch, der freie Wille hat eine Chance, indem er nun mal, gerade in Konflikten, er-lebt wird. Wer an dieser Stelle philosophisch weiter vordringen will, dem sein ergänzend Peter Bieris Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens empfohlenen.
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