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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 3. September 2013
...aber noch ein paar andere, sodass ich die Farbpsychologie einmal beiseitelasse; Dario Argento will wieder einmal des Guten zuviel und zuviel durcheinander. "Das Triviale mischt sich mit dem Erhabenen" (Gaschler/Vollmar, "Dark Stars", im Kapitel über Dario Argento). Stärker noch als in "Suspiria" hat sich der Mann dem Rausch hingegeben, lässt zwar noch einen Rest von konventioneller Handlung erkennen, aber diese ist ihm nur Hülle. Hülle, um rauschhafte Schönheit, abgründige Symbolik und abartige Todesarten zu kombinieren. Dabei macht er - das werden viele Argento-Fans anders sehen - das eine oder andere besser als in "Suspiria", mit dem er immer auch (so sieht der Film jedenfalls aus) ein Stück weit gefallen wollte, sich anbiedern wollte. Seht her, ich haue euch die Schocks um die Ohren; "Suspiria" war unerträglich laut und an detailverliebten Gewalttaten kaum zu überbieten, ohne wirklich gruselig zu sein. "Inferno" ist vielleicht der erste Argento, der nicht widerwärtiger und lärmender ist als sein Vorgänger, und das tut ihm ganz gut. Andererseits ist Argento gerade damit radikaler. Er hat gewisse Mätzchen nicht mehr nötig, er zeigt nur noch, was er will.

Doch zunächst das Handlungsgerüst. Nach "Suspiria" widmet sich Argento in "Inferno" dem zweiten Teil seiner "Mütter-Trilogie", die von drei Hexen handelt. In New York findet die junge Rose heraus, in einem der Hexenhäuser zu wohnen. Sie berichtet ihrem Bruder in Italien; alle, die mit der Geschichte in Berührung kommen, sterben auf ziemlich originelle, blutige Art, und am Ende steht die Konfrontation mit ... einer Hexe, die gleichzeitig ... aber da ist der Film, wie schon "Suspiria", überraschend schnell zu Ende.

Argento hat alle seine Obsessionen unterbringen können (Farbenrausch / Geckos und Insekten, diverse andere Tiere wie Katzen und Ratten / den behandschuhten Killer / das Töten vorzugsweise mit Messern, über deren Phallussymbolik schon alles gesagt ist / das am Anfang eingebrachte und am Ende gelöste Rätsel). Er ist in seiner abstrakten Symbolik diesmal aber konsequent und blendet die Realität weitgehend aus. Ein Logikfehler ist beispielsweise, dass eine Schallplatte bei Stromausfall immer sofort stoppt und anschließend von genau der gleichen Stelle sofort weiterspielt - natürlich würde der Plattenteller in echt ein bisschen weiterlaufen und dann nicht von 0 auf 33 in 0 Sekunden wieder anspringen. Aber so etwas interessiert Argento nicht (er ist ja nicht blöd und außerdem Technikfreak, er wird es schon gewusst haben). Alles ist Argentoland. Von New York und Rom, wo der Film kurzzeitig spielt, sehen wir eher selten etwas. Die ganze Konstruktion ist eher, auch optisch, labyrinthisch. Für Geheimnisse hinter Türen und Mauern oder unter Böden hatte der Mann sowieso immer schon etwas übrig. Stärker noch als sonst hat der Zuschauer diesmal das Gefühl, mit dem Film in dunkle Gänge zu gehen, hinter deren Mauern nur wieder weitere abgründige Räume warten. Argento hat das einmal mit Galilei verglichen, der keine Scheu hatte, durch die Mauer der angeblichen Endlichkeit des Universums zu blicken; auch gibt es eine bekannte Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert, in der ein Mann aus dem Weltraum hinaus in Gottes Reich blickt. Argento blickt dann aber eher dem Teufel als Gott ins Auge, oder eben wieder einem Raum hinter dem Raum, und wieder, und wieder. Er hat keine Angst, tief hinabzusteigen, und wie seine Hölle aussieht, lässt er eher erahnen, als dass er es erzählt (weil die Hölle am Ende Gestalt ergreifen muss, ist das Finale vielleicht so abrupt-schwach). Die Hexe, die in "Suspiria" noch Gestalt angenommen hatte (wobei Argento bittere Seitenhiebe auf seinen eigenen Internatsdrill eingebaut hatte) - sie wird am Ende aus dem Hut gezaubert und wir sahen zuvor nur, was sie anrichten konnte, obwohl sie völlig im Hintergrund blieb.

Was sie anrichtet, ist aneinandergereiht etwas prätentiös, ermüdend und unzusammenhängend; Argento hat sich hier wohl ganz seiner Fantasie hingegeben (und man kann spekulieren, ob auch einem Drogenrausch, denn mit Drogen hat der Mann so seine Erfahrungen). Aber die Einzelszenen isoliert betrachtet, ergeben sich doch Kabinettstückchen von eben rauschhafter, morbider und sehr beunruhigender, teils surrealer Schönheit. Argento nutzt noch stärker als zuvor die Jung'sche Traumsymbolik (Gaschler/Vollmar), beispielsweise Wasser als das Abgründige-Unbewusste. Rose macht sich am Anfang (warum bewegen sich eigentlich immer alle auf die Gefahr zu, statt schleunigst von ihr weg?) auf die Suche nach einem Geheimnis, dabei findet sie einen mit Wasser gefüllten ehemaligen Ballsaal und muss (narrativ unfreiwillig) in dieses Wasser, dieses Geheimnis, auch noch komplett eintauchen. Hier haben wir morbide Schönheit, ein absurd langes, aber surreal funktionierendes "Dringen unter die Oberfläche", wegen der Langsamkeit auch Spannung, am Ende einen Schock, der stärker unter die Haut geht als alles technicolorrote Blut aus "Suspiria". Hier entfaltet der Film einen Sog. Hier herrscht auch einmal, was man in "Suspiria" so schmerzlich vermissen musste: Stille, die Spannung erzeugt, statt lärmende Goblin-Musik, die sie totschlägt. Solches wird es noch das eine oder andere Mal geben. Dem differenzierten Soundtrack kommt aber nicht nur ein Wechsel zwischen Ruhe und musikalischer Aktion zugute, sondern auch, dass Argento sein musikalisches Spektrum beträchtlich erweitert hat. Nun kombiniert er Rock mit Oper (was im Finale entfernt an die bombastischeren Nummern von "Queen" erinnert). Das ist zwar subjektiv, aber das Rauschhafte, Dionysische in Argentos Bildern kommt durch den opulenten Gefangenenchor aus "Nabucco" viel eher zum Ausdruck als durch das blecherne Goblin-Dauerfeuer in "Suspiria". In manchen Szenen erreicht er damit die "Wagnerianischen" Qualitäten eines Brian De Palma.

Letztlich ist das alles über die volle Spielfilmlänge immer noch ein bisschen anstrengend, in der übertriebenen Technicolorfarbgebung und in der Aneinanderreihung von isoliert gesehen ziemlich guten "traumhaften" Szenen. Nach meiner Meinung wäre Foto- oder Videokunst hier ein besseres Medium für Argento gewesen als ein erzählender Film, der "Inferno" ja irgendwo noch sein will. Phantastische Einzelsegmente ergeben noch keinen phantastischen Film und können über die Länge von 106 Minuten ein wenig nerven; da bräuchte es schon ... naja, vielleicht nicht ein klassisches dramatisches Konstrukt mit Bögen von Spannung und Entspannung. Aber zumindest bei mir selbst stelle ich fest, dass meine Reizwahrnehmungen genauso funktionieren, wie ich bewusst eine Erzählung aufnehme: Allzu viel ist ungesund, Spannung ohne Entspannung verliert ihre Bedeutung, und Reizüberflutung ohne Entspannung eben auch. Zumindest auf Spielfilmlänge hätte ich gerne eine sensorische "Kurve", die der erzählerischen im klassischen Drama entspricht. Daher: Das Ganze muss mehr sein als die hier recht ansehnliche Summe seiner Teile.
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