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Kundenrezension

am 31. Oktober 2008
"Die bleierne Zeit" schildert die Beziehung der beiden Schwestern Juliane (Jutta Lampe) und Marianne Klein (Barbara Sukowa) zueinander. Ihre Kindheit ist vom Zweiten Weltkrieg geprägt, ihre Jugend durchleben und durchleiden sie in der bleiernen Zeit der 50er Jahre. Während die ältere Juliane offen gegen ihre Eltern und Lehrer rebelliert, scheint sich Marianne anzupassen. Devot bezirzt sie den autoritären Vater, einen evangelischen Pfarrer, um ihm Zugeständnisse zu entlocken. In den späten 60er Jahren scheinen sich die Rollen vertauscht zu haben: Juliane ist engagierte Mitarbeiterin bei einer feministischen Frauenzeitschrift, Mariannes gesellschaftspolitisches Engagement führt sie in den Untergrund, u.a. in ein palästinensisches Ausbildungslager, ihren Sohn überlässt sie ihrem Ex-Mann. Nach ihrer Gefangennahme kommt es zu einer intensiven Auseinandersetzung über den richtigen Weg, gesellschaftliche Veränderungen durchzusetzen. Juliane verteidigt ihre pragmatische Einstellung, die zu einer Veränderung in kleinen Schritten führe, Marianne will nicht warten bis sie eine alte Frau ist. Der Tod Mariannes (v.a. der Anblick ihrer entstellten Leiche) wirft Juliane aus der Bahn.
Unschwer sind Parallelen zum Leben von Christiane und Gudrun Ensslin zu erkennen. Tatsächlich lernte Margarethe von Trotta nach dem Tod Gudrun Ensslin deren Schwester Christiane kennen. Nach intensiven Gesprächen mit ihr entwickelte sie die Idee für diese Art Doppelportrait. Jutta Lampe arbeitete intensiv mit Christiane Ensslin zusammen, während bei der Person Mariannes sicherlich mehrere radikale Frauen (u.a. Ulrike Meinhof) Pate gestanden haben.
Wer sich für Mariannes Motivation, ihren Sohn für ihren Kampf aufzugeben oder ihre Einstellung zur Gewalt interessiert, wird enttäuscht werden, im Vordergrund steht die intensive, schwierige Schwesterbeziehung. Hier könnte der einzige Schwachpunkt (wenn es denn überhaupt einer ist) ausgemacht werden: Wer sich mit der Geschichte des Linksterrorismus überhaupt noch nicht auseinandergesetzt hat, wird nur schwer einen Zugang zum Film finden.
Besonders eindrucksvoll sind die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen. Wenn Sukowa über ihre Isolationshaft redet, läuft es dem Zuschauer eiskalt den Rücken hinunter. Es ist ein leiser Film, die Filmmusik (oft monoinstrumental, Nicolas Economous) hält sich oft zurück, lediglich bei Julianes Nervenzusammenbruch gibt es plötzlich "große Oper".
Die für mich eindrucksvollste Szene ist die letzte Begegnung der beiden im Gefängnis. Aus Sicherheitsgründen ist eine Glasscheibe zwischen den beiden. Juliane ist gehemmt, kann kaum etwas erzählen, Marianne wirkt unendlich erschöpft, fragt inständig, wann Juliane wieder zu Besuch kommen werde. Für einen Augenblick verweilt Julianes Spiegelbild auf Mariannes Gesicht. Die beiden scheinen für kurze Zeit miteinander zu verschmelzen, ein seltsam surrealer Moment.
Irritierend ist der Schluss des Films, in dem Juliane Beweise für einen Mord an ihrer Schwester sucht, darüber zerbricht auch ihre Liebe zu Wolf (Rüdiger Vogler). Jahre später interessiert sich niemand mehr dafür. Sie nimmt sich vor, Mariannes Sohn von dieser "außergewöhnlichen" (die Wortwahl fanden manche Zuschauer äußerst provokativ) Frau zu erzählen.
Beim Filmfestival in Venedig (1981) erhielt der Film den "Goldenen Löwen", sowie Einzelpreise für die Regie und die beiden Hauptdarstellerinnen.
Als Extras gibt es den Trailer, ein Interview mit Margarethe von Trotta (22 min., angenehm selbstironisch und informativ), ihre Biografie auf Bildtafeln, das Presseheft zum Film als PDF-Datei (allerdings habe ich meinen Computer noch nicht dazu überreden können, diese anzuzeigen, ich bin allerdings kein Profi), sowie mehrere Werbetrailer.
Für mich einer der wichtigsten deutschen Filme der Nachkriegszeit. Gewidmet ist er Christiane Ensslin. Sehr empfehlenswert!
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