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Kundenrezension

27. Mai 2002
Ludwig Watzal gehört zu denjenigen Autoren, die bereits früh die Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern kritisch betrachtet haben. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Watzals reservierte Haltung in vielen Punkten einer gewissen Grundlage nicht entbehrt. In seinem jüngsten Buch „Feinde des Friedens" spiegeln sich zahlreiche Aspekte seiner Positionen wieder, die er bereits seit Jahren vertritt. In für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich direkter und deutlicher Form behandelt und kommentiert er die zahlreichen, für die Aussöhnung beider Völker störenden Begleitfaktoren. Kernbestand seiner Ausführungen sind eine Schilderung und Kommentierung der Umstände der völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungspolitik, der Abriegelung der besetzten Gebiete, der Verstöße gegen die Menschenrechte auf beiden Seiten sowie die misslichen Zustände innerhalb der palästinensischen Autonomiebehörde oder auch die desolate Verfassung der israelischen Friedensbewegung. Viele Zusammenhänge, die bisher oftmals nur bruchstückhaft bekannt waren, versucht Watzal in einem neuen Zusammenhang zu präsentieren. Die teilweise ausführlichen Schilderungen (leider nicht immer mit Quellenbezeichnung), versehen mit interessantem Kartenmaterial, zeigen, dass Watzal über ein profundes Wissen zur Thematik verfügt. Bei seiner Argumentation begibt sich der Autor aber auch in einige politische Minenfelder. Für Watzal ist offenkundig, dass Israel bereits im Vorfeld der Abkommen bestimmte Konzessionsgrenzen gezogen hatte - etwa in der Frage der Gestaltung des Palästinenser-Staates. Er sollte von Beginn nicht mehr als ein palästinensisches „Gefängnis mit Mittelmeerblick" werden. Licht wird auch in das Dunkele der gescheiterten Verhandlungen von Camp David II zu bringen versucht, indem der Vorwurf entkräftet wird, Arafat habe seinerzeit durch die Ablehnung der Vorschläge Baraks sein eigenes Volk verraten. Der Leser ist hier und an zahlreichen anderen Stellen angehalten, seine Positionen in einigen Grundfragen zu revidieren. Watzals überwiegend pessimistische Bewertung des Friedensprozesses lässt allerdings einige Fragen nach den Alternativen offen. Das letzte Kapitel zum „Ausblick" fällt im Verhältnis zu anderen Passagen etwas knapp aus. Gerade die Europäer, darunter insbesondere die Deutschen - so äußert sich der Autor abschließend - sollten sich stärker im Nahen Osten engagieren. Da Watzal sich in seiner Kritik gegenüber Israel unter deutschen Autoren als Teil einer Avant Garde versteht, darf man auf seine weiteren Bücher gespannt sein. Eine kritische Studie zur Auseinandersetzung gerade der Deutschen mit dem Nahost-Konflikt scheint lange überfällig. Watzal wäre dafür ein interessanter Autor. Im Preis/Leistungs-Verhältnis jedenfalls verdient sein hier vorgelegtes Buch ein „sehr empfehlenswert". Auf kleinem Raum werden zum günstigen Preis viele Informationen vermittelt, die - gerade wegen der so stark Emotionen beladenen Thematik - vom gewissenhaften Leser natürlich immer auch hinterfragt werden sollten.
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3,9 von 5 Sternen
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