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Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 2. November 2009
...und viele Männer leider nicht. Dabei könnte ihnen dieser Film helfen, diese rätselhaften Wesen, die oft jahrzehntelang im besten Fall mit ihnen, leider nur allzu oft neben ihnen und im schlimmsten Fall unter ihnen leben, besser zu verstehen. Man(n) müsste nur in etwa die Zeitspanne eines Fußballspiels investieren.

Viel mehr Engagement hat eine noch recht junge Schweizer Regisseurin gezeigt. Bettina Oberli hat, so berichtet sie im Zusammenhang mit den "Herbstzeitlosen", auch ihrer Großmutter ein filmisches Denkmal gesetzt; einer Frau, die offenbar so vielseitig war, dass die Filmemacherin gleich vier Hauptpersonen benötigte, um ihr gerecht zu werden. Ihre Großmutter betrieb zusammen mit ihren Mann unter anderem wohl viele Jahre lang einen kleinen Laden, irgendwo auf dem Land, in der schönen Schweiz, wo die Wiesen hinreißend grün und saftig, die Ortschaften sauber und die Berge schwindelerregend hoch sind. Vor der Enge in den Köpfen mancher Menschen und der Meinung des "Dorfes" schützt jedoch bekanntlich auch das schönste Szenario nicht. Finden kann man es in vielerlei Facetten, fast überall auf der Welt. Und damit sind wir schon mittendrin in diesem hinreißenden Film, der, als Fernsehfilm konzipiert und mit entsprechend bescheidenen Etat ausgestattet, den Sprung ins Kino schaffte und als zweitbester Film in der ewigen Bestenliste der Schweiz geführt wird. Nicht schlecht für einen ruhigen, hintergründigen Heimatfilm im modernen Spitzengewand.

Um was geht es? Die alte Martha lebt in der kleinen Gemeinde Trub im Kanton Bern. Ihr Mann Hans, mit dem sie jahrzehntelang einen Krämerladen betrieben hat, ist vor einigen Monaten gestorben. Für Martha ist danach die Welt dunkel und trüb geworden, sie erwartet nichts mehr vom Diesseits. Ihre quirlige, unkonventionelle Freundin Lisi träumt seit langem ihren sehr persönlichen Traum von Amerika und schafft es, auch in der im Weltverdruss schwelgenden Martha einen alten Traum wiederauferstehen zu lassen: "Petit Paris" soll aus dem Dorfladen entstehen, eine exklusive Lingerie-Boutique. Nach anfänglichem Zögern sind auch die beiden anderen Freundinnen Frieda und Hanni Feuer und Flamme. Frieda ist ebenfalls verwitwet, leicht dünkelhaft, jedoch mit Geschmack und einem untrüglichen Sinn für Qualität gesegnet. Frieda, die Bäuerin, die sich ein Leben lang ihrem Mann und Sohn untergeordnet hat, ist nicht nur fest entschlossen, endlich den Führerschein zu erwerben, sondern emanzipiert sich auch in ihrem Denken. So weit, so gut, wären da nicht die Herren des Dorfes, die von diesem Dessouskram nicht allzu viel halten. Da sie ihre eigenen Gedankengänge nur zu gut kennen, ist der Kampf gegen Sodom und Gomorrha in Trub angesagt. Dabei greift man auch gerne zu Mist und Hühnern, die im Ort ausreichend zur Verfügung stehen. Unterm Strich verhalten sich die meisten Männer nicht viel anders als die Schulbuben, die sich an der verruchten Boutique die Nase plattdrücken und anschließend grölend davoneilen. Doppelmoral und Vorurteile feiern wieder einmal fröhliche Urstände und auch der Herr Pfarrer, Marthas Sohn, ist nicht frei davon, obwohl sich auf seiner Bibel schon seit langer Zeit der Staub ansammelt und sein Privatleben für einen Geistlichen gefährlich am Abgrund herumschlingert. Wie die Freundinnen nicht unerheblichen Schwierigkeiten entgegentreten und sich zu wehren wissen, erzählt dieser überaus charmante, herbstfarbensatte Film mit liebevoller Ironie und so manchen Augenzwinkern. Der weibliche Blickwinkel ist allgegenwärtig, unzähligen Details des Films weisen auf ihn hin, man muss nur sehr genau hinschauen. Oder hinhören. Das ist übrigens nicht schwer. Der Film ist auch für hochdeutsche Ohren gut geeignet. Vergnüglicher ist er allerdings in der Originalsprache, die viele Süddeutsche weitgehend auch ohne Untertitel verstehen werden. Nicht entgehen lassen sollte man sich anschließend den Audiokommentar von Bettina Oberli. Daran beteiligt sich auch die Hauptdarstellerin Stephanie Glaser, die, mit 86 Jahren, hinreißend die 80-jährige Martha verkörpert. Für ihre erste Hauptrolle in einem Kinofilm erhielt sie 2006 in Locarno den Spezial-Leopard. Chapeau vor zwei außergewöhnlichen Frauen, die einen über vierzigjährigen Altersunterschied spielend überbrücken und zusammen das Herz und die Seele dieses Films bilden, der nicht zuletzt auch von der kraftspendenden Wirkung guter Frauenfreundschaften erzählt. Alle anderen, die an den "Herbstzeitlosen" mitgewirkt haben, darunter viele Laiendarsteller, verdienen ebenfalls unsere Anerkennung.

Helga Kurz

2.11.2009
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Produktdetails

4,6 von 5 Sternen
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