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Kundenrezension

37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Turm - eine vertane Chance, 29. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Um es vorweg zu sagen: das ist er nicht, DER Wenderoman. Und einem Vergleich mit den Buddenbrooks, obwohl naheliegend und von manchen Rezensenten so gesehen, kann er auch nicht standhalten. Aber zunächst kurz zum Inhalt. Der fast tausendseitige Roman beginnt Anfang der 1980er Jahre in Dresden und endet mit dem 9. November 1989. Die handelnden Personen sind in erster Linie Bewohner eines Dresdner Villenviertels welches, von Christian, der Hauptperson, der "Turm" genannt wird. Zu Beginn des Romans steht Christian kurz vor dem Abitur, am Ende steht er nach 5 Jahren Militärdienst- und Haftzeit just am Beginn einer neuen Zeitrechnung. Dazwischen erleben wir wie Christian bereits als pubertierender Abiturient in seiner Schulzeit Schwierigkeiten mit dem herrschenden System bekommt. Das Wunschstudium der Medizin ist gefährdet. Später als Panzerkommandant bei der NVA erlebt er den tragischen Tod eines Kameraden bei einer Militärübung in der Elbe. Das läßt ihn aufbegehren gegen seine Vorgesetzten und bringt ihm eine Haftstrafe in einschlägigen DDR-Gefängnissen und Arbeitsanstalten ein. Aber Christian ist kein aktiver Widerständler gegen das politische System sondern sein Protest ist eher der spontane Ausbruch eines lang angestauten Unmuts und Mißtrauens gegenüber staatlicher Deckelung und Unterdrückung. Das macht die Handlung vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse im Herbst 1989 glaubwürdig und Christian sympathisch. Am Ende dieser fünf für Christian verlorenen Jahre ist auch das Ende der DDR gekommen und man fragt sich, wozu das Ganze? Das verleiht dem Roman eine tragische Komponente.
Neben Christian sind weitere Personen, an denen der Leser Anteil hat, vor allem sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Richard, ein Arzt, der sich im familiären Kreis durchaus gegen das System äußert, hat ein Verhältnis mit einer Angestellten seines Krankenhauses und wird daraufhin von der Stasi erpresst. Das ist gut nachvollziehbar und verleiht dieser Figur Fleisch und Blut. Die Gestalt des Onkel Meno dagegen, ein Lektor in einem Verlag mit Kontakten zu einflußreichen Repräsentanten des Systems, wirkt eher hölzern. Seltsam unwirklich und blutarm wirken auch die Vertreter des sogenannten "Ostrom", einem politischen Sperrbezirk zu dem Meno mit besonderen Passagierscheinen Zugang hat. Mit Meno und diesen Vertretern aus der politischen und künstlerischen Mittelschicht der DDR verbinden sich für mich die langweiligsten Passagen des Romans, die leider nicht gerade kurz geraten sind. Glücklicherweise lassen sich gerade die schöngeistigen Auslassungen Menos anhand des Kursivdrucks schnell ausfindig machen und sind leicht zu überfliegen.

Warum es sich bei "Der Turm" nun nicht um ein rund um gelungenes Werk handelt, liegt meines Erachtens in den doch ernormen Längen, die der Roman aufweist. Gerade die Tagebucheintragungen des Onkel Meno gehören für mich zum Langweiligsten, was Literatur zu bieten hat. Auch die große Detailverliebtheit des Autors sowie Abschweifungen in diverse Nebenhandlungen ohne Zusammenhang zur Haupthandlung sind sehr störend. Und leider sind nicht alle wichtigen Personen so genau gezeichnet wie Christian oder sein Vater. Kein Vergleich auch mit den Buddenbrooks an deren Ende der Leser doch mitfühlt. Im "Turm" ist das nur ansatzweise in Gestalt Christians gelungen. Schade, ein interessanter Stoff wurde hier etwas verschenkt. Auf DEN Wenderoman, geschweige denn DEN DDR-Roman müssen wir noch warten.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.04.2011, 14:15:02 GMT+2
S.H. meint:
Ich frage mich immer, was diese Erfindung des Feuielltons sein soll: "Der" Wenderoman oder "Der" DDR-Roman. Hat man sich darunter einen Statistikroman vorzustellen, damit auch wirklich Representativität erreicht wird??
Ich habe die Figuren gerade anders empfunden. Ich fand Meno überhaupt nicht hölzern. Im Gegenteil, ich fand ihn die sympathistische Figur des Romans. Eine sehr schöne Szene, die ihn als sehr einfühlsamen Menschen mit Tiefe zeigt, ist beispielsweise als er sich mit seiner Schwester Anne zum Einkaufen bzw. in die Reinigung gehen trifft. Ich habe bei ihm fast schon von Anfang an, eine zunehmende innere Verzweiflung und Zerrissenheit wahrgenommen, die ihn sich immer mehr in die innere Immigration zurückziehen ließ. Er ließ immer weniger Menschen an sich heran. Selbst die Beziehung zu der Schriftstellerin hat er letztlich abgeblockt. Richard fand ich dagegen die am wenigsten sympathische Figur. Der hätte sich im Westen kein bißchen anders verhalten. Sein einziges Problem neben der Versorgungslage war doch nur, dass er sich durch seine Frauengeschichten in der DDR erpreßbar gemacht hat, was karriereschädlich war.
Warum Tellkamp mit Thomas Mann verglichen wird, verstehe ich auch nicht. Der Stil von beiden ist vollkommen unterschiedlich, es sei denn man stellt nur auf lange Schachtelsätze ab. Obwohl ich am Turm auch sehr lange gelesen habe und mich manches mal, besonders abends, gefragt habe, ob die Sätze immer so lang sein müssen, so habe ich den Turm fertig gelesen und kann mich jetzt mehr als zwei Jahre danach noch an viele Szenen erinnern. Bei den Buddenbrucks ist mir das in zwei Versuchen nicht gelungen. Thomas Mann liegt eben auch nicht jedem.
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