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Kundenrezension

am 20. März 2005
„Wenn du dich für das Thema Nationalsozialismus interessierst, dann lies mal die „Geschichte eines Deutschen" von Sebastian Haffner", hatte mir ein Freund gesagt.
Gerade mal 31 Jahre war Haffner, als er 1939 im britischen Exil dieses Buch schrieb.
1939 - also mitten in der NS-Zeit, die zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht ihren blutigen Höhepunkt erreicht hatte.
Haffner rechnet mit einem System ab, dass zu diesem Zeitpunkt noch besteht. Im selben Jahr, in dem Deutschland in Polen einmarschiert und der Zweite Weltkrieg losbricht.
Doch diese Anklage (im Grunde ist es weniger eine Anklage, als vielmehr ein Tatsachenbericht) richtet sich nicht nur gegen einen Großteil seines Volkes, Haffner richtet diese Anklage auch immer wieder gegen sich selbst. Immer wieder hinterfragt er auch sein eigenes Handeln, oder vielmehr: sein eigenes Nicht-Handeln.
Meist finden sich literarische Berichte zur NS-Zeit in Form von Anklagen gegen ein ganzes Volk oder in autobiographischen Schilderungen. Haffner versteht es, beides geschickt zu verknüpfen. So beschreibt er sich als Teil einer Generation, die viele Nazianhänger hervorbrachte. Er selbst bezeichnet es als „die Privatgeschichte eines zufälligen, gewiß nicht besonders interessanten und nicht besonders bedeutenden jungen Menschen aus dem Deutschland von 1933" - aber gerade das ist es, was diesem Bericht seine Einzigartigkeit verleiht.
Haffner, 1907 geboren, gehörte zu einer Generation, die den Ersten Weltkrieg nicht an der Front miterlebte. Für ihn und Gleichaltrige war es vielmehr eine Art Abenteuerspiel, die aktuellen Kriegsberichte in den Straßen von Berlin nachzuspielen.
Als der Krieg dann 1918 zu Ende war, war Haffner, damals elfjährig, verwirrt und enttäuscht. Wo doch die Kriegsberichte immer so positiv klangen - und nun bat ausgerechnet Deutschland um ein Ende des Krieges? Unvorstellbar. Und wohl einer der Gründe, warum später so viele grade aus dieser Generation den Frieden von Versailles als „Schandfrieden" ansahen.
An die Stelle der Kriegsspiele trat zur Zeit der Weimarer Republik der Sport. Was bei den Spielen anfing, mit dem Sport weiterging, wurde schließlich später in großem Maße von den Nationalsozialisten fortgeführt: das Ideal der Kameradschaft, der Zugehörigkeit zu Gruppen.
Im Laufe des Buches rückt der Antisemitismus immer mehr in den Vordergrund. Spielte er zur Zeit der Weimarer Republik kaum eine Rolle, so gewinnt er mit der Machtübernahme
Der Nationalsozialisten im Januar 1933 immer mehr an Bedeutung, rückt in sein persönliches Umfeld. Sein bester Freund Frank, ein Jude, verläßt das Land rechtzeitig. Auch Haffners damalige Freundin verdeutlicht ihm die Gefahr, die das neue System für seine Freunde bereithält.
Doch warum wehrt sich ein intelligenter junger Mann wie Sebastian Haffner nicht gegen die dort aufkommende Gefahr? Zum Teil wohl aus anfänglicher Unterschätzung. Später jedoch auch aus Angst - „jeder die Gestapo des anderen" - wer Nazi ist und wer nicht ist durchaus nicht mehr ohne weiteres zu bestimmen.
Was der Leser nach diesem Buch ein wenig besser begreift, ist die Frage, wie die Nationalsozialisten überhaupt möglich werden konnten. Dass sich dabei immer noch (oder vielleicht auch wieder) erschreckende Parallelen zu unserer heutigen Zeit finden lassen, dürfte wohl kaum überraschen. Haffner hatte gehofft, eine nie offen genannte Moral weitergeben zu können. Er hat davor gewarnt, dass ein System wie die Diktatur der Nationalsozialisten erneut entsteht. Denen, die dieses Buch gelesen haben, wird diese Moral wohl auch im Gedächtnis bleiben.
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