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Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein laues Lüftchen..., 18. Mai 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Troubletwisters - Der Sturm beginnt: Band 1 (Gebundene Ausgabe)
Als eines Tages auf unerklärliche Weise ihr Elternhaus explodiert, werden die zwölfjährigen Zwillinge Jaide uns Jack zu der ihnen unbekannten Großmutter „X“ nach Portland, England, geschickt. Die Kids sind sich sicher, dass sie sich in dem verschlafenen Küstenstädtchen zu Tode langweilen werden und sehen ihrem Aufenthalt dort missmutig entgegen. Ihre Oma stellt sich dann auch schnell als noch exzentrischer und eigenartiger heraus als befürchtet und ihr Haus ist ein einziges Gruselkabinett. Bald ereignen sich mysteriöse Dinge: sprechende Katzen, verschwindende Türen, seltsame Wetterphänomene. Jack und Jaide gehen den Dingen auf den Grund und erfahren, dass sie sogenannte „Troubletwisters“ sind, die gegen „das Böse“ kämpfen. Und das ist just in Portland angekommen...

Oh là là! Das dachte ich mir, als ich das erste Mal von diesem vielversprechenden Roman erfahren habe. Ein Gruselhaus, ein regnerisches Küstenstädtchen in Großbritannien, ein Hauch Fantasy – das klingt nach einem Jugendbuch nach meinem Geschmack. Da sich der Erscheinungstermin um fast ein Jahr verzögerte, stiegen Erwartungen und Vorfreude. Was da wohl für ein stürmisches Abenteuer auf mich zukommen würde?

Leider stellte sich der angekündigte Orkan als laues Lüftchen heraus und vermochte keineswegs mein Innerstes zu erschüttern. Die Handlung lies einige Zeit auf sich warten, sodass sich erst nach gut einem Drittel eine leichte Brise bemerkbar machte. Viele Andeutungen und wenig Erklärungsansätze wirkten sich bis dahin in hohem Maße frustrierend auf das Lesevergnügen auf und erscheinen umso unverständlicher als dass die wenigen Erklärungen sich später als so oberflächlich wie unbefriedigend herausstellten. Die Atmosphäre des Schauplatzes ist ohne Frage dicht und durchaus ansprechend gestaltet. Auch sprachlich gibt es wenig auszusetzen und der Handlungsaufbau folgt – nicht originell aber bewährt – der typischen Klimax und hält einen klassischen Schowdown mit vielen offenen Fragen bereit. Doch der aufkommende Wind brachte Wenig Sauerstoff in die Handlung und fechelte stattdessen lediglich einige altbekannte Klischees herüber:

1. Zwei Geschwister werden von ihren Eltern zur unbekannten Großmutter geschickt und dort allein gelassen. Warum genau – abgesehen von der außerfiktionalen Begründung, dass der Autor einen Grund suchte, die Kinder allein durch das Abenteuer zu schicken? Da ist das sonstige Konstrukt ähnlicher Jugendbücher glaubhafter, die Kinder gleich zu Waisen zu machen.

2. Natürlich wissen die Eltern und die Großmutter von dem Schicksal der Zwillinge und natürlich halten sie es für sicherer die Teenager nicht aufzuklären – wodurch diese in große Gefahr geraten. Allein das Wort „Troubletwister“ wird oft – zu oft – erwähnt ohne dass die Kinder jemanden zur Rede stellen oder untereinander Klärungsbedarf besteht. Gähn!

3. Der Gegner gegen die Protagnisten ist „das Böse“. Worin das besteht? Na in dem Bösen, das schon immer da war und immer da sein wird – und das Gute zerstören will. Ist doch klar! Hier wäre ein wenig mehr Phantasie und etwas mehr Tiefgang von Vorteil gewesen. Jugendliche Leser lassen sich heutzutage nicht mehr von solch simpler Schwarz-Weiß-Malung vom Hocker reißen.

4. Die Zwillinge haben unterschiedliche Kräfte aber leider keine unterschiedlichen Persönlichkeiten. Jedenfalls sind diese nicht besonders detailliert präsentiert worden, weswegen auch keine Leserbindung aufkommt. Das Mädel wirkt etwas zickig und vorlauter als der Junge aber beide Figuren bleiben blass.

5. Sprechende Katzen. Really?

Insgesamt ist die Gestaltung der verschiedenen Zutaten dieses Fantasyabenteuers solide und hat sich in der Buchbranche bewährt, wird von den Autoren aber leider zu wenig mit Individualität und Kreativität angereichert und etwas fade präsentiert, weswegen nicht mehr als ein durchschnittliches Kinderbuch dabei herausgekommen ist, das an Daniel Blythes „Wispernde Schatten“ erinnert. Positiv hervorzuheben ist, dass sich diese Reihe auch sehr gut für Jungen eignet und ohne jegliche Liebesgeschichte auskommt. Insgesamt sollen fünf Bände erscheinen, von denen vier bereits in Originalsprache erhältlich sind. In der englischen Presse wurden außerdem bereits Stimmen laut, die eine rasante Entwicklung der Handlung im Laufe der Reihe versprechen und den ersten Band als etwas zähen Einstieg bezeichnen – ein Blick auf den Folgeband "Das Böse erwacht", der im Juli 2014 erscheint, könnte also durchaus lohnenswert sein.
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