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Kundenrezension

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Was unsterblich im Gesang soll leben, muss im Leben untergehen." (Schiller), 7. September 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Schriften über die Religion (Taschenbuch)
"Die aus dem Niltal mitgeschleppte Plage,
Der ägyptisch ungesunde Glauben."
(Heinrich Heine, Zeitgedichte)

"Unheilbar tiefes Leid" so fährt der Jude Heine fort. In seinem Todesjahr 1856 wird just derjenige geboren, der Moses als den Ägypter entlarvt, auch Jude und Psychoanalytiker: Sigmund Freud (1856-1939). Sein Alterswerk entspricht nicht seinem Habitus, eigentlich Atheist, fernab jeden Glaubens hat er sich nach dem bravourösen Essay über Michelangelos Mosesfigur nun der Herkunft des Glaubens im Sinne Moses gewidmet. Der Mann Moses und die monotheistische Religion; in drei Abhandlungen unterteilt zeigt er dem Leser, dass Moses Ägypter ist und was wäre, wenn es stimmt. Den dritten Teil bestimmt die Gesamtsichtweise in Hinblick auf eine Bereicherung der Psychoanalyse.

Freud entwickelt sein Essay geschickt, sind doch diese Fragen dazu angetan, sich einem assoziativen Zwang zu beugen, allein schon in der Verbindung zum Pentateuch, den fünf Büchern Moses und sicher auch zum Buch Josua. Sich der Ungeheuerlichkeit bewusst zu werden, die ein Jude sich leistet, den Namensgeber der mosaischen Religion in eine andere Herkunft zu stellen, ist die Aufgabe des Lesers. Entstellen ist damit auch das Thema, das in einen anderen Raum stellen und neu betrachten, so Freud und in dieser Entwicklung ist ein Blick auf Ägypten notwendig, auf die Kultur, die religiöse Entwicklung und deren Auswirkung allein auf den Auszug und die Einwanderung ins gelobte Land. Wenn Moses dem israelischen Volk, dem auserwählten, Befreier, Religionsstifter und letztendlich Gesetzgeber war, auch wenn er das Gesetz gebrochen (die Tafel am Berg Sinai zerbrochen) hat, und nun in Realiter abstammend der ägyptischen Kultur und deren Nationalität in eine Fremde entstellt wird, steht Tollkühnes bevor. Sicher ist, dass der mosaische Monotheismus nicht nur Orientierung gibt, sondern ebenso auch Ursprung von Konflikt, Intoleranz und Gewalt ist. Freuds Absicht könnte die der Deeskalation sein, allerdings mit der Versuchung, Religion und Neurose gleichzusetzen.

So entfaltet Freud, sich selbst immer wieder zweifelnd hinterfragend, eine These, dass Moses ein Anhänger der Aton-Religion (Echnaton) gewesen sei, der, ohne Aussicht auf Verwirklichung des Glaubens in Ägypten, sich den jüdischen Fronarbeitern anschloss, um sie aus Ägypten zu führen. Moses wollte das in Ägypten fehlgeschlagene Experiment des Monotheismus noch einmal in vivo prüfen. Dass Moses Ägypter war ist eine Theorie der Moses Herkunft, die etymologisch (mose = Kind) und märchenhaft anhand der Moses-Aussetzung und -Findung vermutet, im Ritual der Beschneidung letztendlich Bestätigung findet. Dass Ägypter an die Beschneidung gewohnt waren, lesen wir bei Herodot II, 104. Dort steht: "Nur drei Völker haben ursprünglich die Beschneidung: die Kolcher, die Ägypter und die Äthiopier. Die Phoiniker und die in Palästina wohnenden Syrer geben selber zu, dass sie diese Sitte von den Ägyptern übernommen hätten, ... " Und weiterhin in 1. Moses 17, 11 ist gerade die Beschneidung das Zeichen für den abrahamitischen Bund. Hier wird deutlich, dass Moses den ägyptischen Brauch ins Judentum brachte, gepaart mit der religiösen Deutlichkeit und der Strenge gegen sich selbst. "Man steigerte sein eigenes Schuldgefühl, um seine Zweifel an Gott zu ersticken", schreibt Freud und verweist hypothetisch auf "Gottes unerforschlichen Ratschluss". Gerade diese vollständige Unterordnung unter das Gesetz, diese Strenge gegen sich selbst ist die "Quelle der mentalen Wandlungen" die Freud als "Entwicklung zu höherer Geistigkeit" sieht und benennt.

Der Zeitraum zwischen Exodus und Niederschrift des Pentateuch ist ca. 800 Jahre. In dieser Zeit, einer Inkubationszeit gleich, hat die neue kollektive Wahrheit der tatsächlich historischen den Rang abgelaufen und die Berichterstattung wurde annähernd gleich dem bereits bekannten Ziel der Botschaft. Freud spricht auch von der Unkenntlich-Machung des Geschehenen, obwohl die Tradition, weil mehr als Schriftüberlieferung, eine Latenzzeit des Nicht-Vergessens im kollektiven Gedächtnis verspricht. Er vergleicht verleugnete Tatbestände mit Mord. Die Ausführung der Tat sei ein Leichtes, die Beseitigung der Spuren erfordere die volle Aufmerksamkeit. Diese gedankliche Verschiebung (Entstellung) und deren nachträgliche Veröffentlichung macht aus Ägypten eine Chiffre, die sich in Kanaan wiederfindet.

Jan Assmann (Monotheismus und die Sprache der Gewalt) spricht daher von Konvertierung, und meint, dass die Idee des Auszugs und die Kenntnis des Schlechten in Ägypten angesiedelt bleibt und dass das Neue, das Land von Milch und Honig für immer und alle Zeit mit der Rück-Erinnerung an die schlechten Tage das Beste und höchste Glück zu sein hat. Die Juden werden, wenn man so will, von der Vergangenheit chronisch heimgesucht und spüren in "obsessiven Spuren" die jüdisch-ägyptische Ambivalenz. Die unerbittliche Konsequenz Freudschen Denkens zwingt zur Annahme, dass die Chiffre Exodus nunmehr "die Verwirklichung des radikalen Ägyptizismus mit jüdischen Mittel" (Sloterdijk in: Derrida, ein Ägypter) meint.

Der spannende dritte Teil der Abhandlung verändert die Psychoanalyse und Massenpsychologie in einer interessanten Weise. Das Unbewusste im Sinne des bisherigen Freuds wird kaum noch genutzt. Vielmehr mag die Entstellung (etwas in einen anderen Raum stellen) zur Selbstkorrektur bei Freud geführt haben. Denn nicht das Unbewusste führt den Menschen von Innen, sondern die Verhüllung, die Herkunft versteckt. Im Grunde geht es um eine aktive Verheimlichung, die langfristig die ursprüngliche Wahrheit unauffindbar machen soll und die narrative Gewissheit an dessen Stelle setzt. Damit muss Moses Opfer seiner Selbst geworden sein (Gorgias: "... eine Rede, die einen Geist überzeugt hat, zwingt den Geist, der überzeugt hat, an die Worte zu glauben und den Taten zuzustimmen.") oder ihm war klar, wie es auch Gorgias im Loblied auf Helena klar war, dass ein Mythus keine Verbindlichkeit kennt. Denn die Tradition einer großen Vergangenheit war es sehr viel später, die "erneut Oberhand gewann und den Gott Jahve in den mosaischen Gott verwandelte und die verlassene Religion des Moses wieder zum Leben erweckte". Die offensichtliche Notwendigkeit des Todes von Moses zur Stabilisierung des Monotheismus hat sich im Christentum widergespiegelt. Jesus wurde als der Messias eingeführt, die Auferstehung war damit real als Wiedereinsetzung eines Führers, der ebenso sterben musste, um dem dann liberaleren quasi-monotheistischen Christentum Dauer zu versprechen. Schiller erkennt in seinem Gedicht: Die Götter Griechenlands diesen Punkt: "Was unsterblich im Gesang soll leben, muss im Leben untergehen."

Noch ein Blick auf Sloterdijk: Er geht in der Idee richtigerweise auf eine finale Betrachtung. Wenn nach 1. Moses 17, 11-14 die Beschneidung das Zeichen der Auserwählten ist, ist gleichzeitig die Übernahme des Zeichens derer, von denen man sich durch Exodus unterscheidbar machen wollte, der Verzicht auf das gewollt Eigentümlichste des Eigenen. Dieses Eigene offenbart sich nun als das fremde Eigene und ist nicht mehr als "Die Wiederkehr des Verdrängten".
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