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Kundenrezension

am 7. März 2010
Das Gehirn wird gerne und nicht ohne gewisse Ehrfurcht als äußerst präzises und perfektes Wunderwerk beschrieben. Diese Ansicht möchte David Linden, Professor für Neurowissenschaft an der Hopkins Universität, Baltimore, und Mitarbeiter des Journal of Neurophysiology mit seinem Buch widerlegen. Linden beschreibt das Gehirn vielmehr als ineffizienten, redundanten und fehleranfälligen Zellhaufen, der aus lauter adHoc Lösungen chaotisch im Laufe der Jahrmillionen von der Evolution zusammengepfuscht wurde.

Vorallem drei Fakten bilden dabei die Grundlage seiner Ansicht:
- Das Gehirn wurde im Lauf seiner Entwicklung nie neu entworfen, sondern nur durch neue Komponenten erweitert.
- Das Gehirn ist unfähig, bestimmte (kontrollierende) Komponenten abzuschalten, auch wenn diese in gewissen Situationen hinderlich oder sogar kontraproduktiv sind.
- Nervenzellen verarbeiten Informationen (z.B. im Vergleich mit Computertechnik) extrem langsam, unzuverlässig und haben eine geringe Signalbandbreite.

In neun Kapiteln geht der Autor einen interessanten Weg von innen nach außen. Er beginnt mit dem anatomischen Aufbau, der ontogenetischen Entwicklung und den Funktionen der Nervenzelle und führt über die Themen Sensorik und Empfinden, Gedächtnis, Schlaf und Traum, Sex und Liebe schliesslich zum religösen Impuls. Zahlreiche der typisch menschlichen Eigenschaften wie z.B. die lange Nestzeit, verschiedene Formen von Lernen und Erinnern, Besonderheiten unseres Liebes- und Sexualverhaltens oder unser Hang zu religiösen Erklärungen der Welt sind gerade auf die planlose Entwicklung und das sich daraus ergebende eigenwillige Konstrukt des Gehirns zurückzuführen.

Vorallem in den ersten Abschnitten und im Kapitel über das Gedächtnis geht Linden ins Eingemachte und wirft in gemütlichem Plauderton heftig mit biowissenschaftlichem Vokabular, Aktionspotentialen, Kalziumkanälen und NMDA-Rezeptoren um sich. Für einen Leser, der sich zum erstenmal mit der Biologie der Nervenzelle befasst, dürfte das nicht wirklich hilfreich sein. Das Gesamtverständnis leidet jedoch nicht, wenn der eine oder andere komplizierte Absatz überflogen wird. Für Leser mit Vorkenntnissen könnten gerade diese Abschnitte eine Vertiefung des Wissen bringen. Der größte Teil des Buches ist aber leicht verständlich, anregend und teilweise mit einem angenehmen Schuss Humor geschrieben. Der Autor wartet mit zahlreichen spannenden Informationen und Erkenntnissen auf, beschreibt interessante Experimente und diskutiert auch unerwartet Fragen, über die die Wissenschaft noch spekuliert - warum träumen wir eigentlich?

Im letzten Kapitel bringt Linden zusammenfassend sein Hauptmotiv des "keinesfalls intelligenten Designs" auf den Punkt und geht dabei konkret auf Anfechtungen ein, denen die Wissenschaft aus der Ecke des Kreationismus und seitens der Anhängerschaft eines Intelligent Designs ausgesetzt ist. Spätestens jetzt wird klar, dass wir hier einen Autor vor uns haben, der dieses Buch im Zwielicht des fundamental-religiös gefärbten Hintergrunds der amerikanischen Gesellschaft geschrieben hat. Auch wenn der eine oder andere heimische Leser das amüsante und durchaus treffende Bild des Gehirns als zufällig aufeinander geklatschte Eiskugeln in einer Waffeltüte pietätlos finden mag, ist es hierzulande kaum vorstellbar, ernsthaft über ein Unterrichtsverbot der Evolutionstheorie diskutieren zu müssen. Deshalb sollte das Buch auch unbedingt in diesem Lichte gesehen werden.
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