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Kundenrezension

am 28. Januar 2013
Als Deep Purple 1996 mit ihrem fünfzehnten Studio-Album "Purpendicular" aufschlagen, sorgen sie für einigen Wirbel in der Hard Rock Szene. Es ist der erste Studio-Einsatz für Steve Morse, den Nachfolger des drei Jahre zuvor gefeuerten Ausnahme-Gitarristen Ritchie Blackmore. Der neue Mann, ein Amerikaner, ist weitaus weniger extrovertiert, dafür aber mindestens genauso technisch versiert wie sein Vorgänger. Er hat Gitarre studiert, früher bei Dixie Dregs und Kansas gespielt und passt somit fachlich perfekt in die Band. Dennoch hat er bei den Fans zunächst einen schweren Stand. Bereits seit 1994 ist er festes Mitglied, doch erst mit "Purpendicular" gelingt es ihm, den Großteil der Anhänger zu überzeugen. Das liegt vor allem an seiner beeindruckenden, funkensprühenden Spielfreude. Die bewirkt bei den alten Recken Ian Gillan (Gesang), Jon Lord (Keyboard), Roger Glover (Bass) und Ian Paice (Schlagzeug) nach deren letztem, gutklassigen aber vorhersehbaren Album "The battle rages on" (1993) eine wohltuende Frischzellenkur. "Purpendicular" groovt an allen Ecken und Enden und wartet mit vielen hörenswerten Ideen auf.

Der "neue" Sound bewegt sich deutlich in Richtung Blues Rock, bietet aber auch herrlich melodische Elemente. Zum Einstieg schwingt Morse in "Ted the Mechanic" gleich mal die Axt. Ultraschnelle Poser-Passagen sind seine Sache nicht. Er spielt vom ersten Ton an songdienlich. Und wie! Was für ein trockenes Stakkato-Riff! Über die Jahre hat sich der breitbeinige Heavy Blues um den Mechaniker Ted zu einem unverzichtbaren Live-Klassiker entwickelt. Es ist kaum zu glauben, aber nach fast 30 Jahren im Geschäft gelingt es einer Legende noch einmal zu überraschen. Besitzstandsverwaltung klingt anders. Das hier ist deutlich hörbare, ungezügelte Experimentier- und Spielfreude. Verleitet sofort zum energischen mitgrooven. Ganz nebenbei schüttelt sich der neue Gitarrist ein wirklich geschmeidiges Solo aus dem Ärmel. Besser kann man kaum in ein Album einsteigen.

"Loosen my Strings" hält im Anschluss das vorgelegte Top-Niveau. Es strotzt nur so vor eleganten Melodiebögen und beinhaltet ein unvergesslich gefühlvolles Solo. Das ist Rockmusik in absoluter Perfektion, wie sie nur ganz, ganz wenige Bands auf diesem Planeten erreichen. Ian Gillan präsentiert sich in den Strofen druckvoll und kräftig, ehe er im Refrain in höhere Stimmlagen wechselt. Die sechs Minuten werden nie langweilig und fesseln stets aufs Neue. Meisterhaft inszenierter Gefühls-Rock, der sofort in seinen Bann zieht. Die stärkste Nummer der gesamten Platte.

Mit dem satten "Soon Forgotten" leben Deep Purple dann ihre etwas progressivere Seite aus. Der Refrain ist spannend aufgebaut, das Keyboard knarzt heftig, aber so richtig will mich das ganze nicht packen. Ein guter Song - mehr aber nicht.

Außergewöhnlich wird es dann mit der Halb-Ballade "Sometimes I feel like screaming". Ian Gillan brilliert einmal mehr mit seiner unvergleichlich charismatischen Stimme und Steve Morse umgarnt diese mit einem erneut herrlich melodischen Gitarrenthema. Im Chorus schraubt sich dann die gesamte Truppe empor zu einem eingängigen Höhepunkt des Albums. Richtig stark.

Im Vergleich dazu wirkt "Cascades: I'm not your lover" vom Aufbau her recht klassisch. Nach verträumtem Intro schiebt sich ein sattes Riff in den Vordergrund. Eindeutige Reminiszenz an alte Tage inklusive eines entfesselten Jon Lord. Das krawalligste der zwölf Stücke auf "Purpendicular" macht ebenso viel Spaß wie alle anderen.

Mit dem eskapistischen Hilfeschrei "The Aviator" überraschen Deep Purple im Anschluss erneut. Ein derartiges Soundgewand würde man eher vom mittlerweile im BaRock angekommenden Richtie Blackmore erwarten. Das hier klingt wie ein keltischer Folklore-Song, bloß ohne Dudelsäcke. Glasige Akustik-Gitarren und ein eingängiger Chorus, der nie kommerziell überladen wirkt. Ein weiteres Highlight und ein angenehmer, andersartiger Farbtupfer.

"Rosa's Cantina" bietet im Anschluss fünf Minuten puren Groove. Sagenhaft. Zu keinem anderen Purple-Stück lassen sich vortrefflicher die Glieder schütteln. Nicht einmal 70er Hits der Marke "Hush" und "Black Night" können diesbezüglich mithalten. Für den Südstaaten-Einschlag ist Steve Morse verantwortlich. Seine britischen Mitstreiter zeigen, dass sie sich auch in diesem Metier gekonnt zu bewegen wissen. Einfach nur geil.

Der stampfe Heavy-Blues "A castle full of Rascals" bietet Schlagzeuger Ian Paice einmal mehr die perfekte Bühne. Seine Leistung auf dem Album ist eindrucksvoll. Obwohl seine Parts nicht besonders anspruchsvoll sind und er sicherlich deutlich mehr kann, legt er große Spielfreude an den Tag. An einigen Stellen hätte die etwas klatschige Snare allerdings voluminöser sein dürfen. Das mindert die Leistung aber nur marginal.

In "A touch away" tritt dann wieder das Kollektiv in den Vordergrund. Die Halb-Ballade tänzelt grazil vor sich hin und die Band gibt sich entspannt und selbstsicher. "Light as a feather" eben. Perfektes Timing in Verbindung mit leichtfüßiger Ruhe, die beim Zuhörer ein Gefühl tiefer Zufriedenheit erzeugt. Besonders geeignet für sommerliche Cabrio-Fahrten. Stark.

Mit "Hey Cisco" geht es deutlich rabiater weiter. Krachende Double Bass und ein gefährlicher Basslauf von Roger Glover.

Leidiglich "Somebody stole my guitar" lässt die ganz großen Ideen etwas vermissen. Solider Hard Rock, mehr nicht.

Gleiches gilt auch für den abschließenden "Purpendicular Waltz".

Trotz des etwas durchschnittlichen Endes ist "Purpendicular" alles in allem ein richtig starkes Album. Vielleicht der bislang letzte echte Klassiker der Rock-Dinos. Die nachfolgenden "Abandon" (1998), "Bananas" (2003) und "Rapture of the deep" (2005) erreichen nur in Ansätzen eine ähnliche Dichte an Klassesongs. Mitte der 90er beweisen Deep Purple, dass sie inmitten eines veränderten Rock-Umfeldes bestens bestehen können. Das verdanken sie vor allem dem Einstieg von Steve Morse. Mittlerweile ist er nicht mehr wegzudenken und beeinflusst den Band-Sound maßgeblich.

Nach dem Tod von Jon Lord gehen die verbliebenen Mitglieder (mit Ausnahme von Morse) stramm auf die 70 zu. Wenn die Gerüchte stimmen, werden Fans noch 2013 ein letztes Studio-Lebenszeichen der Hard Rock Legenden zu hören bekommen. Man darf gespannt sein, was sie im 21. Jahrhundert nach dann über 45 Jahren im Geschäft musikalisch zu sagen haben. Vielleicht springt ja noch einmal eine ähnliche Heldentat wie anno 1996 dabei heraus.
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