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Kundenrezension

am 17. September 2012
Bettina Wulff, eine schon vor Studienbeginn bekennende „Bild“-Leserin, sieht sich in ihrer kürzlich erschienenen Autobiografie just von dieser Zeitung zu Fall gebracht. Welche Ironie des Schicksals!

Auf sich inhaltlich wiederholenden 195 Seiten stilisiert sich die Autorin zu einem unschuldigen Opfer, das ein penetrant bei der Leserschaft angemahntes Verständnis für ihr Schicksal einfordert. Hat sie mit diesem Buch auf Mitleid und Verständnis gehofft, so erzielt sie damit genau das Gegenteil. Eine Steilvorlage für alle Journalisten! Frau Wulff, die ein Studium der Medienwissenschaften zwar nicht abgeschlossen, aber doch immerhin begonnen hat, hätte um die mögliche Wirkung ihres Buches wissen sollen. Die Leser, die mit dem in Österreich 2010 preisgekrönten Wort des Jahres „fremdschämen“ bisher nichts anfangen konnten, werden spätestens mit der Lektüre dieses banales Geschreibsels erleben können, was mit diesem Begriff gemeint ist.

Die ganze Geschichte erinnert an B-Pictures à la „Lieschen Müller wird First Lady“. Zu „ My Fair Lady“ allerdings reicht weder das Niveau der Handelnden noch das der Story. Aber als Fallbeispiel einer narzisstisch gekränkten Persönlichkeit ist dieses Buch durchaus tauglich. Auch bedient es den allgemeinen Voyeurismus. Einer vormaligen so genannten „First Lady“ aber ist es in keiner Weise würdig. Gut, dass Bettina Wulff unser Land nicht mehr repräsentiert! Schmerzhaft, dass wir nun aufgezeigt bekommen, durch wen und wie wir repräsentiert wurden.

Was dieses Buch deutlich zeigt ist, dass ein Studium und die Erlangung von Bildung eben doch nicht immer „Hand in Hand“ gehen. Wenn man aber als Bundespräsident schon keine Intellektuelle an seiner Seite hat, sollte man wenigstens dafür sorgen, dass sie beizeiten den Mund hält. So wie sie über die Begegnungen mit den gekrönten und ungekrönten Häuptern der Welt berichtet, ist es noch im Nachhinein peinlich, durch eine solche Dame vertreten worden zu sein. Man kann nur hoffen, dass das Präsidentenehepaar Obama und andere im Buch erwähnten Staatsoberhäupter der deutschen Sprache nicht mächtig sind und dieses Buch auch nicht übersetzt werden wird! Auch wenn Frau Wulff, wie andere Rezensenten behaupten, es nicht selbst geschrieben haben soll, der durchgehend restringierte Sprachcode erinnert an den Tagebuchstil eines Backfisches. Man fragt sich, ob es bei diesem Projekt überhaupt ein Lektorat gab.

Die Peinlichkeiten dieser verbalen Inkontinenz reichen von der Aussage, der Papst sei viel menschlicher als sie es sich vorgestellt habe, über Indiskretionen bezüglich seiner Gesundheit oder private Vertrautheiten einer Angela Merkel. Diese hätte ihr sicher nicht das „Du“ angeboten, wenn sie geahnt hätte, zu welchem Autorentum Frau Wulff sich einmal aufschwingen würde. Charakterschwach und dennoch peinlich gerät Frau Wulff die Distanzierung zu ihrem Mann, frei nach dem Motto „schaut her, ich bin das arme Opfer und er hat mich dazu gemacht“. Frau Wulff fordert unaufhörlich Toleranz gegenüber neuen Lebensformen wie der ihren (Patchwork), Verständnis gegenüber ihrer Vergangenheit und für ihr Tattoo, auf der anderen Seite mokiert sie sich ziemlich dreist (und dann auch feige als Zitat ihres Sohnes) über die Eheringe eines prominenten homosexuellen Paares. Derlei Widersprüche finden sich unentwegt. Warum fordert Frau Wulff auf 195 Seiten Privatsphäre, um gleichzeitig eigene und anvertraute intime Details der vergangenen Jahre einer Öffentlichkeit preiszugeben, die im Grunde niemand hören will? Wie billig ist das denn! So entstehen Bücher, die die Welt nicht braucht.

Der alte Spruch „Ein Mann ist nur so stark wie die Frau an seiner Seite“ bekommt hier wieder eine gute Verdeutlichung. Nein, sie ist wohl keine starke Frau. Sie zeigt sich in ihrem Buch illoyal gegenüber ihrem Mann, diskriminiert ihn, distanziert sich von etlichen seiner Entscheidungen, möchte nur sich selbst rehabilitiert sehen und fordert im gekränkten ICH nur noch den Familienvater und Ehemann ein. Diese Ehe wird keinen Bestand haben, das ist abzusehen.

Wer das Buch psychologisch betrachtet, wird den unvermeidlichen Wiederholungszwang erkennen. Die selbsttherapeutische Wirkung, die mit diesem Buch für Bettina Wulff wohl verbunden ist, kann ich nachvollziehen. Als Bürgerin dieses Landes aber finde ich es einfach nur peinlich und unwürdig und eigentlich können wir alle nur froh sein, nicht mehr von diesem Paar repräsentiert zu werden. Sie wäre besser beraten gewesen, diese letzten Jahre mit einem Fachmann in aller Stille aufzuarbeiten, statt öffentlich "Harakiri" zu begehen.

Christian Wulff wird sich eines Tages fragen, ob diese Mesalliance ihren Preis wert war. Bettina Wulff hätte sicher als „Spielerfrau“ oder an der Seite eines Sitcom-Schauspielers eine gute Partnerin gegeben, aber das Leben im Schloss Bellevue war wohl (um mit ihrer Sprache zu sprechen) für beide ein „paar Nummern zu hoch“. Ein unnötig unwürdiger Abgang.

Aber vielleicht war es auch gar keine Mesalliance.

Frau Wulff hätte sich doch lieber Ihren Lebenstraum verwirklichen sollen, richtig und mit Abschluss studieren und Pastorin werden sollen, dann hätten Begriffe wie “Würde” oder “Demut” vielleicht mehr Bedeutung und Widerspiegelung in ihrem Leben erhalten. Da wäre ihr vielleicht auch folgendes begegnet:

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Ein berühmtes und bedenkenswertes Zitat aus dem in der frühen Nachkriegzeit im Exil geschriebenen Text „Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben“ von Theodor W. Adorno.

So bleibt die Frage, ob Frau Wulff überhaupt die geringste Vorstellung hatte von dem, was Ihre Aufgabe als Gattin des Bundespräsidenten eigentlich war und was sie hätte daraus machen können. Hatte sie überhaupt eine annähernde Ahnung davon, was, welches Land, welche Kultur sie mit ihrem Mann zu repräsentieren angetreten ist? Das Buch gibt hierzu eine beschämende und erschreckend banale Antwort.

Offenbar fehlt es hier an allem. Außer an der aus Bildungsferne vertrauten Tugend Dreistigkeit, die im Verbund mit anderen zeitgeistigen Boulevard-Tugenden dieses Buchprojekt realisierte. Und die Auflage wird zeigen: mit wirtschaftlichem Erfolg. Aber war es das wert? Lesenswert ist das Buch nicht - es ist ein trauriges Dokument der Zeitgeschichte.
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