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Kundenrezension

12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Etwas lückenhaft, 7. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Nachtzug nach Lissabon (DVD)
Lieber Leser, vorneweg 2 Punkte:
1. Die Rezension enthält Spoiler.
2. Die Rezension bezieht sich NUR auf den Film, zieht demnach auch keine Vergleiche zur Romanvorlage.

Was den insgesamt sehr schönen und dramaturgisch soliden Film sehr abgeschwächt hat, war sein Anfang. Wir sehen zunächst Raimund, Lateinlehrer und Hauptperson der Geschichte, in seiner Wohnung beim Schachspiel gegen sich selbst. Ein paar Anekdoten wie der gebrauchte Teebeutel aus dem Mülleimer werden gezeigt, zeichnen so also in Ansätzen das Bild eines etwas zerstreuten, leicht einsamen Paukers. Und fertig ist das Expose. Mehr Einführung wird uns nicht gegönnt, diese 1:30 Minuten dienen als gesamte Grundlage bzw. Hintergrund für die nächsten Handlungen. Zu wenig, finde ich, denn schon die Rettungstat auf der Brücke gerät irgendwie lieblos. Kaum ein Wort wird gewechselt, die Frage nach dem Warum? oder Wer sind Sie überhaupt? wird nicht gestellt, möglich, dass die Unwissenheit des Zuschauers bewusst gewollt ist - besonders plausibel wirkt es nicht.
Auch in der Schulklasse, in die Raimund die Unbekannte Fast-Selbstmörderin mitnimmt, geht alles schnell-schnell. Arbeiten zurück, Text übersetzen, noch im ersten Satz der Abgang der Unbekannten, Raimund hinterher mit ihrem Mantel. Seine Sprachgewandheit lässt sich nur erahnen (er kann Marc Aurel auswendig zitieren - wie fast jeder alte Lateinlehrer), sein Interesse für das Buch von Amadeo, welches er in der Jacke der Unbekannten findet, dagegen nicht wirklich nachvollziehen.
Warum er in den Zug nach Lissabon steigt? Ehrlich gesagt keine Ahnung. Warum er sich selbst in den Schriften von Amadeo wiederfindet? Keine Ahnung. Zwar füllen sich die Anfangs noch etwas platt und pauschal wirkenden philosophischen Phrasen Amadeos nach einiger Zeit mit Leben, doch zunächst ist man geradezu empört, wie Raimund diese Texte so magisch finden kann.

Wie gesagt, das Expose hat mich ein wenig ratlos nach Lissabon geschickt, unfähig, die Handlungen Raimonds logisch nachzuvollziehen bzw. Interesse für die Lebensgeschichte Amadeos zu entwickeln.

Was sich dann in Lissabon entspinnt, angefangen mit dem Kennenlernen Mariannas, über die Treffen mit ihrem Onkel, bis hin zu den zahlreichen Gesprächen mit der Schwester Amadeos, ist großes Kino und absolut packend erzählt.
Für jemanden, der die Salazar-Diktatur aus Altersgründen nicht "erlebt" hat und dank des voll auf Weltkriege und deutsche Revolutionen gedrillten Geschichtsunterrichts auch nie vermittelt bekommen hat, wirken die zahlreichen grausamen und beklemmenden Details ebenso erschütternd wie "Interesse weckend" (auch über die im Film gezeigten Fragmente hinaus).
Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Amadeo, Estefania und Jorge entwickelt, ist berührend und trotz ihrer Schlichtheit dramatisch.
Dramaturgisch gefällt mir, dass sich die Rückblenden erst im Laufe der unterschiedlichen Gespräche zu einer Chronologie entwickeln und dass darauf verzichtet wurde, dem Zuschauer noch einmal einen roten Faden in den Film zu basteln. Am Ende weiß sowieso jeder, in welchen zeitlichen Kontext die Rückblende einzuordnen ist, da braucht es keine erklärenden Kommentare der handelnden Personen.
Schauspielerisch überragend fand ich August Diehl, der den jungen Jorge so intensiv und authetisch spielt, dass er der eigentlichen Hauptperson Amadeo hier und da die Show stiehlt.
Am Ende der Geschichte weiß man dann auch, wieso Raimund dieses Buch so super fand und welche Parallelen er für sich erkennen konnte oder viel mehr wollte.
Der letzte Kritikpunkt: die Schauspieler passen nicht immer zusammen. So ist zum Beispiel die ältere Version von Estefania eine glatte Fehlbesetzung, weil 1. zu jung und 2. optisch ganz anders (Muttermale an Hals und Brust...weggelasert?). Bruno Ganz, den ich als Schauspieler spätestens seit Brot und Tulpen sehr schätze, schlägt sich unter Wert, hat aber auch nicht die dankbarste Rolle erwischt, muss er doch die ältere "Version" des überragenden August Diehls spielen, gegen den er etwas abfällt.

Ein ingesamt guter Film, der sowohl Anspruch, Geschichte, Romanze und stellenweise Humor bietet. Ich würde so gefühlte 3,5 Sterne vergeben, die aber aufgrund der vielen gelungenen Szenen eher einer Auf- statt Abrundung bedürfen...
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.10.2013 10:00:35 GMT+02:00
cosima wagner meint:
HAllo Köln,
sorry, but you got it all wrong....................Zuerst einmal steht in diesem Film nicht der Lateinlehrer, sondern das Leben selbst im Mittelpunkt - und zwar im Sinne der
Schriften von u.a. Marcus Aurelius, der, so sagt der Lateinlehrer gleich zu Anfang, Philosoph und Kaiser war, was einander nicht ausschloss, sondern als Voraussetzung betrachtet wurde für einen handlungsfähigen Herrscher:
Also infrage stellen und dann eigenverantwortlich handeln - etwas, was der Lateinlehrer eben nicht zu leisten in der Lage ist!!
Aber Amadeu hat es getan, seine Freunde taten es - und der Lateinlehrer fragt sich zurecht, ob er sein Leben nicht gelebt, sonders verschwendet hat, weil er es nicht fertigbringt, tatsächlich zu leben (er spielt sogar mit sich allein Schach - theoretisch immer gewinnend, im Leben aber nie - die durch ihn gelangweilte Ehefrau hat ihn durch einen Freund ersetzt).
Der Lateinlehrer ist gewissermaßen tod für das aktive Leben; als er der Selbstmörderin auf der Brücke begegnet, ist die immer noch lebendiger ist als er (sie trägt einen roten(!) Mantel, trifft er das Leben selbst!
Nachdem er sie gerettet hat, stellt sich heraus, dass eigentlich sie es ist, die ihn rettet, denn durch den Kontakt kommt der innerlich tote Schweizer in Berührung mit dem echten Leben:
Er findet das Buch eines in fein geschliffenen Worten philosphierenden portugiesischen Arztes, der ähnliche Überlegungen zum Leben angestellt hat wie er selbst.
Indem er in dessen Buch eintaucht und dann den Spuren, die der Arzt im Leben hinterlassen hat, aktiv folgt, beginnt sich der Begriff Leben für ihn mit Bedeutung zu füllen.
Er erkennt die Kostbarkeit des Seins und lernt im Zusammensein mit einer Optikerin, dass auch er Wert besitzt, für sich selbst ebenso wie für andere:
Das ist eine völlig neue Erkennnis für ihn und sie ist ihm ein wenig unheimlich. Zum Leben muss er sich ganz dem Handeln öffnen, nicht isolieren, wenn er es ganz verstehen will:
Der Lateinlehrer lernt am Beispiel der Leben von Anderen, wie facettenreich das Dasein ist - voller Enttäuschung, Abschied, Gewalt und Leid, aber auch voll Freude, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Liebe und Lebendigkeit!
Und nun kann er wählen:
Entweder kehrt er wieder zurück in seine alte Einsamkeit, die ihn vor gesichtslosen Fremden, z.B. seinen Schülern oder seinem Schulleiter schützt, oder er öffnet sich den Menschen, bekannten und unbekannten, mit allen Konsequenzen, die das für ihn haben kann.
Sicherlich muss er sich selbst überwinden und erst langsam daran gewöhnen wie an seine neue, leichtere Brille, die die o.g. Optikerin mit Gläsern von perfekter Sehschärfe für ihn versehen hat, die ihm die Welt mit einen Mal in kristallklaren Fokus bringt - mit anderen Worten:
Der Lateinlehrer sieht die Dinge neu und ohne unnütze, belastende Ablenkung.
Vielleicht schauen Sie sich den Film doch noch einmal genau an und bringen die Inhalte in Fokus.
Mit den besten Empfehlungen...........Cosima*

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.12.2013 21:44:34 GMT+01:00
thomthom meint:
Hallo Siershahn,

naja, so ganz wrong war ich glaube ich nicht mit meiner Interpretation. Zumindest habe ich weite Teile ihrer Ausführungen auch so wahrgenommen.
Worauf sie allerdings ausschließlich eingehen, ist die Storyline, die fertige Interpretation der Geschichte im Film (oder eher im Buch?).
Bei der filmischen Umsetzung, die das Buch mal bewusst außen vor lässt, bleibt bei mir der Lritikpunkt, dass gerade am Anfang sehr schnell und vielleicht etwas rüde eine Geschichte entsponnen wird, die nicht immer plausibel erscheint. Das muss ja auch gar nicht immer so sein, mir ging es gerade im Teil vor der Fahrt nach Lissabon etwas arg hurtig.
Somit setze ich meinen Kritikpunkt eher bei der filmischen Umsetzung bzw. der Erzählweise an und weniger am "Inhalt" der Geschichte. Möglicherweise kommt das aber auch nicht klar genug rüber in meiner Rezension.
Was ich noch ganz nebenbei loswerden wollte: Interpretationen sind immer sehr relativ. Soll heißen: Auch wenn Sie mir den Film hier druckreif interpretiert haben, muss nicht jede Deutung auch gleich "allgemeingültig" sein ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.05.2014 08:37:06 GMT+02:00
friederike s. meint:
Danke Cosima, wunderschön geschildert und begründet!!
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