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Kundenrezension

Ein Mann im platschenden Regen, der eine offensichtlich ohnmächtige Frau durch eine dämmerige Düsterlandschaft schleppt? Neben der naheliegenden kurzen Frage: "Warum?" kommt dem Bronte-Kenner noch der Zweifel auf, auf welche Stelle im Buch sich das bitte beziehen soll? Heathcliff hat Isabella k.o. geschlagen und trägt sie nun hurtig weg? (Das wäre doch immerhin mal eine Erklärung, warum die Flucht der beiden so leise verlief...)

Aber "don't judge a book by its cover" sollte auch für Filme gelten. Inhaltlich wurde hier schon viel zu dieser Verfilmung gesagt, auch mehrfach auf die Unterschiede zum Buch hingewiesen. Darum möchte ich nur ein paar ganz persönliche Eindrücke dazustellen:

- insgesamt ist die Besetzung meiner Meinung nach diesmal gut gewählt. Zwar sähe Tom Hardy nicht mal mit Selbstbräuner wie ein "Zigeuner" aus und diese Wischmop-Perücke wirkt leider oft unfreiwillig komisch (fiel das bei den Dreharbeiten echt niemandem auf???), aber er scheint seine Rolle zu lieben und lässt sich ganz auf den Charakter ein, gibt Heathcliff aber auch ein paar interessante neue Nuancen, teils in Richtung "schmieriges A...loch", teils ein wenig Dr. House und schafft es - Gott sei Dank! - sich größtenteils die übliche Melodramatik zu verkneifen. Manchmal aber zwingt ihn das Drehbuch dazu, so z.B. in der Anfangsszene, als er sich im Bett herumwälzt und nach Cathy jammert (bis dann dieser Arm durchs Fenster kommt, dazu später mehr).
- die Idee, die Erzählfolge des Romans nicht zu verfolgen, sondern die einzelnen Versatzstücke nochmal neu zu ordnen, fand ich originell und ambitioniert. So entdeckt der Zuschauer gemeinsam mit Catherine Linton das 18 Jahre zurückliegende Familiendrama.
- die Verfilmung ist sehr heutig und temporeich, es wird wenig deklamiert und mehr interagiert. Für mich ein guter Ansatz, sich dem schwierigen Stoff zu nähern.
- störend fand ich allerdings die Abweichungen vom Roman, die nicht nur keinen Sinn ergaben, also nicht für die Filmstory in irgendeiner Form relevant waren, sondern auch noch verquer zur eigentlichen Story stehen, die Urhandlung verfälschen (und damit leider nicht verbessern - was kann man auch an einer an sich perfekten Story noch verbessern? Deswegen wundert es mich auch immer wieder, warum die Drehbuchautoren zu "Wuthering Heights" immer wieder meinen, Emily Bronte "verbessern" zu müssen.)
Um darauf näher einzugehen, komme ich aber zwangsläufig zu einer Romanbetrachtung, darum dieser Abschnitt lieber weiter unten.
- Drehorte und Kostüme gefielen mir auch, es wurde diesmal nicht (wie in älteren BBC-Verfilmungen) im Raum Haworth gedreht, aber die Landschaft an sich passt gut zum Umfeld der Brontes.

Alles in allem finde ich diese bislang neueste Verfilmung eine der sehenswertesten.

Persönlicher Vergleich Roman/Film:
- im Film haben Heathcliff und Cathy Sex miteinander bevor Cathy das erste Mal mit Edgar schläft. Danach will Heathcliff keinen Sex mehr mit ihr. (Man entschuldige die platte "Sex and the City"-Sprache, aber so lässt es sich am schnellsten sagen.) Einerseits eine interessante, moderne Neuinterpretation - die "Dreierkiste" funktioniert nicht, wie Cathy es sich gewünscht hätte, da Heathcliff nicht "teilen" will - andererseits fand ich, dass Heathcliffs manisches Klammern an Cathy und sein übellauniges Wesen auch durch seine lebenslange sexuelle Frustration bedingt sind, weil er sich eben nie körperlich mit seiner Geliebten vereinen konnte.
- als Cathy schwanger und krank ist, läuft sie davon und bricht auf halben Weg nach Wuthering Heights erschöpft bei einer Felsformation zusammen. Heathcliff findet sie und übergibt sie dem ebenfalls nach Cathy suchenden Edgar. Der einzige Sinn dieser Episode scheint zu sein, Cathy eine Lungenentzündung zu verpassen. Vielleicht dachte man, dass heute keiner mehr glaubt, dass eine Frau nach monatelanger Mangelernährung durch Nahrungsverweigerung aus Kummer schließlich tatsächlich bei der Geburt versterben kann, ohne noch zusätzlich eine Lungenentzündung zu haben.
- als Heathcliff zu Anfang in seinem Bett nach Cathy klagt, bricht plötzlich ein weißlicher Arm durch die Scheibe. Da dachte ich: Oh, der Film fängt mit Heathcliffs Tod an. Aber offensichtlich nicht, das ganze sollte wohl eher eine Wahnvorstellung von ihm sein, die er öfter hat. Für mich persönlich ein Stück zu "Gothic-Novel" und melodramatisch. Außerdem basiert Heathcliffs zunehmender Wahn im Buch nicht zuletzt darauf, dass er Cathy meint zu hören und zu spüren, ihren Geist aber nie - nie - zu sehen bekommt. Das macht ihn wahnsinnig.
- dies ist ja auch der Grund, warum er ihr Grab ausheben lässt, als Edgar beerdigt werden soll: er will sie endlich wieder sehen. Im Buch lässt Emily Bronte Lockwood bemerken, dass die Erde in der Gegend um Gimmerton eine Besonderheit hat: sie verwandelt die dort begrabenen Toten in Mumien. Dies ist der Grund, warum Heathcliff tatsächlich zu Nelly sagen kann: es war immer noch ihr (Cathys) Gesicht. Keine weitere Wahnvorstellung, wie im Film, wo er schluchzend ein Skelett umarmt, das nur er als Cathy sieht (die Szene ist übrigens aus der 1997-Verfilmung "geklaut").

Also, etwas Toleranz der Buch-Fans ist schon gefordert, dann aber ist der Film wie gesagt durchaus empfehlenswert.
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