Kundenrezension

Rezension aus Deutschland vom 14. März 2005
während sich die USA anhand des films AVIATOR von martin scorsese auseinandersetzt mit ihrem luftfahrt-pionier howard hughes, steckt deutschland immer noch den kopf in den sand, wenn es um wernher von braun geht. die howard-hughes-story zeigt, dass wenn man genauer hinguckt bei genialen eroberer-charakteren, dass dann leider eine menge an menschlichen abgründen zu finden ist. die erfolgs-gier, das siegen- und alles-beherrschen-wollen, der zwang der beste zu sein - und die rückseite dieser perfektions-manie: waschzwang, extreme menschenscheu bis zur monatelangen isolation - dies alles hat der film AVIATOR schonungslos vor augen geführt - und deshalb hat er wahrscheinlich auch beim oscar-wettrennen nicht ganz vorn gelegen. die naiven, heileren biographien werden eher angenommen. das macht die schwierigkeit ebenfalls, wenn man sich dem leben des wernher von braun nähert. so genial seine forscher-energie ist, die bewerkstelligte, dass er die V1 und die V2 konstruierte, nach dem krieg das APOLLO-programm der USA vorantrieb - so schockierend sind die leichen, über die wernher von braun scheinbar ohne jeden gewissensbiss gegangen ist. mal abgesehen von den 6.000 toten in london und antwerpen, die der deutsche langstrecken-raketen-beschuss forderte: noch unverzeihlicher wiegt von brauns menschenverachtender verbrauch von zwangsarbeitern in MITTELBAU-DORA (herangeschafft aus den konzentrationslagern DORA und buchenwald, 700 - hauptsächlich franzosen - starben unter unwürdigsten umständen). überlebende der "hölle von DORA" berichteten von brennenden leichenbergen, folter und zur abschreckung an kränen dutzendweise erhängten arbeitern. jeder dritte überlebte die V-2-raketenproduktion nicht - niederländische quellen berichten von 20.000 toten. 118 deutsche raketen-ingeneure holten sich die USA unter der leitung wernher von brauns anschließend über den teich. dort leitete er später u.a. das NASA marshall space flight center. der erfolg: nicht nur APOLLO 11, sondern zunächst einmal die atomar bestückte REDSTONE. von braun nutzte diabolisch seine rhetorischen fähigkeiten, um den US-senat in angst zu setzen vor der sowjet-union - was sich immer sehr positiv auf seine etat-mittel auswirkte. späterer von braun O-ton: "bei der eroberung des weltraums sind zwei probleme zu lösen: die schwerkraft und der papierkrieg. mit der schwerkraft wären wir fertig geworden." ja, aber sind wir fertig geworden mit der charakter-analyse, mit der analyse des menschen-verachtenden aggressions-potentials? darf man aus lauter gier, technik-visionen voranzutreiben, höhnisch die kriegs-lüsterneit von politikern eiskalt instrumentalisieren? das leben des wernher von braun hätte ebenfalls eine verfilmung verdient - so schmerzhaft die auch ausfallen könnte für NASA- oder PEENEMÜNDE-bewunderer ...
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