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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 7. Dezember 2013
Wenn man die letzten Aufzeichnungen eines inzwischen nicht mehr lebenden Menschen in den Händen hält, neigt man wahrscheinlich zwangsläufig dazu, in einer gewissen Form von Ehrfurcht zu erstarren, sie als Vermächtnis zu begreifen. Aber vielleicht hätte Wolfgang Herrndorf das selbst gar nicht gewollt, diese übertriebene Ehrerbietung, diesen Pathos.

Für diese Annahme scheint schon der Buchtitel zu sprechen, der nüchterner kaum sein könnte: "Arbeit und Struktur". Was damit gemeint ist, dafür gibt Herrndorf in seinem im Buch enthaltenen Tagebuchblog einige Hinweise. In seinem Eintrag vom 21.08.2010 schreibt er z.B.: "Mir ist nicht klar, wie man aus dieser Nachruhm-Sache irgendeinen Trost ziehen kann. Ich arbeite nur, um zu arbeiten." Arbeiten um zu arbeiten - welch bemerkenswerte Formulierung. Man muss sie wohl im Zusammenhang mit seiner unheilbaren Tumorerkrankung sehen. Für ihn ist das Schreiben eine Art von Selbstvergewisserung, ein Strohhalm, eine Verbindung zum Leben. Andere würden bei einer tödlichen Diagnose zusammenbrechen, Herrndorf bleibt aufrecht, er weiß, was er braucht: Arbeit und Struktur.

Hat er also sein Tagebuch mehr für sich geschrieben als für andere? Ist es eine Art Therapie, mit begrenztem Informationswert für andere? Aus meiner Sicht keinesfalls. Denn Wolfgang Herrndorfs Buch hat durchaus Botschaften an uns "Weiterlebende", wie ich finde. Eine könnte z.B. sein, wie unwichtig Erfolg werden kann im Angesicht einer tödlichen Krankheit. Als die Filmrechte von Tschick verhandelt werden, schreibt Herrndorf in seinem Blog: "Jetzt könnte ich sechsstellige Summen verdienen, und es gibt nichts, was mir egaler wäre." Eine noch wichtigere Botschaft ist vielleicht die Bedeutung der Zeit. Wolfgang Herrndorf weiß, dass seine abläuft, so schreibt er gegen sie an, und erst durch dieses Getriebensein vollendet er solche wunderbaren Bücher wie Tschick oder Sand, die bis zu seiner Krankheit jahrelang als unfertige Projekte auf der Festplatte seines Computers schlummerten.

Man erfährt im Blog zum Beispiel auch, welche Bücher Wolfgang Herrndorf in seiner ihm verblieben Zeit unbedingt noch lesen wollte: die "Jane Eyre" von Bronte ist darunter oder auch Dostojewskis "Idiot". Und man fragt sich natürlich als Leser dann selbst: Welche Bücher würde ich noch lesen, wenn ich wüsste, mir bleibt nur noch die Zeit für ein paar wenige? Dieses Gefühl der Endlichkeit, das Auskosten von Restlebenszeit, das Bewusstsein für das, was im Leben wirklich wichtig ist - das ist es, was aus meiner Sicht die Lektüre des Buches lohnenswert macht.
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