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Kundenrezension

am 24. Juni 2007
"S.F.Sorrow" von den Pretty Things dürfte zu den Klassikern der ewig unterschätzten Alben gehören: Obwohl völlig dem Zeitgeist entsprechend, originell und innovativ umgesetzt und voller frischer Ideen, hat dieses kleine Meisterwerk nie wirklich die Aufmerksamkeit, geschweige denn das Lob erfahren, das es eigentlich verdient hätte. Bereits die Entstehung zeigt, wie unkalkulierbar künstlerischer und kommerzieller Erfolg in der Musikbranche doch sind: "S.F.Sorrow" wurde 1968 aufgenommen, also in der kreativen Blütezeit der sechziger Jahre, und zwar in den legendären Abbeyroad-Studios, in dem kurz zuvor auch "Sgt. Peppers Lonley Hearts Club Band" von den Beatles und "The Piper At The Gates Of Dawn" von Pink Floyd aufgenommen wurden. Wer die beiden Alben kennt, weiß nicht nur, dass es sich dabei um zwei Meisterwerke des sechziger Psychedelic handelt, sondern wird auch beim Hören von "S.F.Sorrow" auf etliche musikalische Parallelen stoßen. Nur statistisch gesehen haben sich die Prettys mit ihrer Geschichte von Sebastian F. Sorrow (nur die Götter wissen wofür das F steht...) ihren Platz in der Rockhistorie gesichert, da das Album gemeinhin als erste ernstzunehmende "Rockoper" gilt, die auch The Who erst den Anstoß zu "Tommy" gab. Bei der Story handelt es sich um eine von Phil May verfasste Kurzgeschichte, die vom Lebensweg eines Außenseiters erzählt.

Soviel zur Historie, viel wichtiger ist jedoch die Musik: Akustikgitarren und Sitars leiten den Opener "S.F.Sorrow Is Born" ein, orchestrale Klänge malen das Stück in leicht bombastischen Farben aus, dazu der einfach göttliche Satzgesang der Prettys, der auch das nächste Stück "Bracelets Of Fingers" bestimmt. Hört sich auf den ersten Blick beinahe an wie die Parodie auf ein süssliches Liebeslied, aber schnell kommt der Bruch in Form von elegischen Sitars und Wah-Wah-Gitarren. "She Says Good Morning" ist bei weitem härter (vor allem das Solo) und lässt bereits die Vorliebe für die leicht schrägen, repetiven Melodien erkennen, die noch folgen werden. "Private Sorrow" ist einer der besten Songs des Albums; Akustikgitarren schaffen zunächst eine schöne, idyllische Atmosphäre, die jedoch schnell von militärisch klingenden Drums und Flöten abgelöst werden. Während ein Offizier die Namen der Toten und Vermissten verliest, werden die Drums immer schwerer und langsamer und mit einem Schlag schallt das knackige "Balloon Burning" aus den Boxen; ultraschnelle, treibende Gitarren erzeugen zusammen mit dem betäubten Zeitlupengesang eine spannungsgeladene Melodie. Der nächste Song "Death" lässt es etwas ruhiger angehen, obwohl er beinahe klingt, als stamme er direkt aus einem Italowestern von Sergio Leone; die instrumentalen Passagen mit wuchtig hallenden Chören und anderen unidentifizierbaren Tönen, wechseln sich kontrastreich mit den verhaltenen Strophen ab, welche nur von tröpfelnden Drums begleitet werden. "Baron Saturday" ist, wie schon der Titel erahnen lässt, einer der schrägsten Songs des Albums, besonders der schleppende, repetive Refrain und das verzweigte Schlagzeugsolo geben ihr Bestes, damit dem Hörer nicht langweilig wird. Deutlich harmonischer wird es mit dem optimistischen "The Journey"; Akustikgitarren und mehrstimmiger Gesang bis zum Abwinken. Gegen Ende zerreist das Klangefüge jedoch abrupt und steigert sich in ein wüstes Soundgebilde, das von einem fast an Pete Townshend erinnerndem Solo getragen wird. "I See You" lebt vom Wechsel zwischen den melancholisch, getragenen und optimistisch, choralen Sequenzen. Mit "Well Of Destiny" folgt das kürzeste aber auch verstörendste Stück; jammernde, verzerrte Klangfetzen hallen leise durch den Raum, werden langsam lauter und steigern sich zusammen mit der bedrohlichen Gitarre zum fetzigen Höhepunkt. Versöhnlich geht es weiter: "Trust" ist mit seinen komplexen Harmoniegesängen und kanonartigen Melodien der wahrscheinlich schönste Song des Albums. Aber die Pretty Things haben einen schlechten Ruf zu verlieren, und so folgt mit "Old Man Going" einer der härtesten und fetzigsten Songs die ich je gehört habe: Treibende Highspeed-Perkussion, rasende Akkorde, schneidender, apokalyptischer Gesang - Wahnsinn! Nachdenklich und schlicht endet die Geschichte mit "Lonliest Person", einer kleinen Akustiknummer. Damit wäre dieser Trip eigentlich zuende, aber zum Glück bietet die remasterte Version von "S.F.Sorrow" noch vier hervorragende Bonustracks, die mit zu den besten Songs der Band zählen. Es handelt sich dabei um die A- und B-Seiten zweier zu Promotionzwecken veröffentlichten Singles, die sozusagen ohnehin auf der Platte hätten sein sollen. In "Defecting Grey" schmeißen die Jungs eigentlich alles rein, was ihre Musik ausmacht: bunte, kinderliedartige Melodien, gepaart mit absoluten Mörderriffs und verspielten Soundexperimenten. "Mr. Evasion" ist etwas eingängiger, aber wirkliches Mitsingpotential hat vor allem das geniale "Talkin About The Good Times". "Walking Through My Dreams" ist ähnlich gut, aber hört es euch einfach an.

Fazit: Das Album ist an sich schon genial, und wird dank der unbändig sprudelnden Ideen und der verspielten Energie der Band nie langweilig. Zusammen mit den Bonustracks, dem umfangreichen Booklet und der schönen Papersleeve-Aufmachung ist das Ganze aber ein absolutes Muss, nicht nur für Fans der Band (ist sowieso ihr bestes Album) sondern für alle, die bestes Psych-Beatfutter suchen oder für die Musik der späten Sechziger ein Ohr offen haben. Die vorliegende Version ist zwar nur in Mono, aber das vergällt einem allenfalls den Hörgenuss mit Kopfhörer, ansonsten passt der rohe, unverfälschte Sound genau zur expressiven Kraft der Musik.

(Erik Wenk)
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