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Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Und ich werde mich bis zum Tod weigern, diese Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden" (247)., 7. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Zuerst sind es nur die Ratten, die zu Hunderten auf offener Straße verrecken. Schon bald jedoch geht es den Menschen nicht anders. Jämmerlich und qualvoll sterben sie in ihren Wohnungen, was, soweit man dem Erzähler folgen möchte, auch schon den einzigen Unterschied zwischen Mensch und Tier ausmacht: "Die Ratten sterben eben auf der Straße und die Menschen in ihrem Zimmer" (44).

In den vierziger Jahren wird die in Algerien gelegene Stadt Oran von der Pest heimgesucht. Um ein Ausbreiten der Seuche zu verhindern, lässt die Stadtverwaltung die Stadt hermetisch abriegeln; keiner darf mehr rein oder raus. Tausende von Menschen befinden sich nun über Monate hinweg in einer Extremsituation und müssen um das fürchten, was sonst als gegeben hingenommen wird: Die eigene nackte Existenz. Wie verhalten sich Menschen in solch einer Extremsituation? Diese Frage bildet den Kern von Albert Camus Roman "Die Pest", welcher erstmals 1947 erschienen ist. Im Zentrum der Geschichte stehen der Arzt Bernard Rieux sowie der Einzelgänger Jean Tarrou. Von Berufs wegen hat Rieux mit vielen Pestopfern engen Kontakt und wird mit den unterschiedlichsten Verhaltensweisen konfrontiert ebenso wie Tarrou, der ihm zur Seite steht. Der Mensch, nur auf sich selbst zurückgeworfen, erkennt, daß das, was er meinte, das ihn ausmachen würde, doch nur ein Konstrukt, eine Illusion war: "Ehemänner und Liebhaber, die das größte Vertauen in ihre Gefährten hatten, entdeckten, daß sie eifersüchtig waren. Männer, die sich in ihrer Liebe für leichtfertig hielten, wurden beständig. Söhne, die bei ihrer Mutter gelebt und sie kaum angesehen hatten, lasen den Grund für ihre ganze Besorgnis und Reue aus einer Falte ihres Gesichts ab, die sie in ihrer Erinnerung verfolgte" (81).

In vielen von Camus Schriften und Romanen wird das Theodizeeproblem, also die Frage, wie ein gütiger und allmächtiger Gott Leid zulassen kann, angesprochen. "Die Pest" bildet da keine Ausnahme. Und der Erzähler bezieht bezüglicher dieser Frage klar Stellung. Im Angesicht eines sterbenden Kindes, welches stundenlang vor den Augen der eigenen Eltern und der machtlosen Ärzte verreckt, schließt er:
"Und natürlich hatte der Schmerz, den diese Unschuldigen erdulden mußten, nie aufgehört, ihnen als das zu erscheinen, was er in der Tat war, nämlich ein Skandal" (242). Es ist Bernard Rieux, der das Credo des Menschen in der Revolte auf den Punkt bringt: "Ich habe eine andere Vorstellung von der Liebe. Und ich werde mich bis zum Tod weigern, diese Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden" (247).

Camus ist nach Jean-Paul Sartre der einflussreichste Vertreter des Existentialismus. Camus prägte vor allem den Begriff der Absurdität der menschlichen Existenz. Damit umschreibt er das Missverhältnis zwischen dem menschlichen Verlangen nach Transzendenz sowie dem dröhnenden Schweigen des Universums auf dieses Verlangen. Und diese Absurdität wird auch im Roman verdeutlicht. Manche Menschen sterben, manche überleben und hinter diesem Fakttum verbirgt sich nichts anderes als die pure Gleichgültigkeit eines sinnentleerten Universums: "Aber was heißt das schon, die Pest? Es ist das Leben, sonst nichts" (348).

Fazit: "Die Pest" fasziniert ihre Leser seit mittlerweile mehr als 60 Jahren. Wie kaum jemand anderem gelang es den Existentialisten, ihre Philosophie packend und verständlich zu fiktionalisieren. Der Roman ist ein Muss für jeden, der an der abendländischen Philosophie des vergangenen Jahrhunderts interessiert ist.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.07.2008 22:06:11 GMT+02:00
kpoac meint:
Bravo!!, werde den Text nochmals lesen, habe ihn vor nahezu 30 jahren mal gelesen, die Sichtweisen heute sind andere. So wird er eine Bereicherung sein, Danke für den erneuten Aufruf.
Gruss
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