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Kundenrezension

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Roms Straßen - Die Lebensadern des Imperiums, 21. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Lebensadern des Imperiums: Straßen im Römischen Reich (Gebundene Ausgabe)
Noch mehr als der Bau der Aquädukte oder erste Fußbodenheizungen gilt der römische Straßenbau als Inbegriff der zivilisatorischen Leistungen des Imperium Romanum, schließlich waren die Straßen für alle zugänglich und erstreckten bis in die entlegensten Winkel der römischen Provinzen wie Britannien. Natürlich haben die Römer den Straßenbau nicht erfunden und in Babylon wurden schon 2600 Jahre vor Christus Asphaltbelege verwendet, doch Roms Straßennetz hat von diesen über Griechenland verbreiteten Erfahrungen profitiert und schließlich ein auf drei Kontinenten fußendes Imperium verbunden. Den sprichwörtlichen "Lebensadern des Imperiums" hat Archäologin Margot Klee nun ein Denkmal gesetzt. In ihrem Werk beschäftigt sie sich mit allem was der römische Straßenbau so mit sich brachte, den Bau ebenso wie die Nutzung, Erhaltung und das Reisen darauf.

Schon Eingangs findet sich in "Lebensadern des Imperiums" eine doppelseitige Karte, die das damalige Europa in 6 Quadranten samt fett hervorgehobener prominenter Straßen unterteilt. Diese sechs Quadranten, welche Spanien und Griechenland größtenteils aussparen, sind es die Klee genauer untersuchen wird und die im jeweiligen Quadranten gelegenen besonders gekennzeichneten Straßen (z.B. Stanegate nahe des Hadrianwalls in Großbritannien, die Straße Alle-Porrentuy in Frankreich, die Via Claudia Augusta und natürlich die altehrwürdige Via Appia) werden in eigenen sehr detailreichen Steckbriefen vorgestellt (mit Vermerken über Bauherr und Straßenname, Baudatum, juristischen Status, historische Bedeutung, Quellen, Streckenverlauf, Bauarbeiten/Reparaturen, Meilensteine, wichtige Fundstellen, Weiternutzung, Reisebeschreibung und die Toponymie). Die auf der Übersichtskarte angegebenen Seitenzahlen verweisen allerdings nur auf die jeweilige Detailkarte des Quadranten, welche als Kapiteleinleitung fungieren.

Ohne Straßen gäbe es keine Geschichte, stellt Margot Klee schon eingangs fest, denn ohne Straßen hätte es nie zu Handel, Krieg und auch Kommunikation kommen können. Roms Straßenbauprojekte, die zum Teil auch militärischen Zwecken dienten (ein bedeutendes Beispiel dafür ist Stanegate) haben somit die europäische Geschichte auf entscheidende Weise mitgeprägt. Es überrascht nicht dass die Römer auch die ersten bekannten Versuche unternahmen den Straßenbau zu normieren und bereits eine dreigliedrige Unterteilung schufen, in:
iter - Straßen nur für Fußgänger und Träger von Sänften
actus - Straßen auf denen das Führen von Gespannen und Benutzen von Wagen bereits gestattet ist
viae - Öffentliche oder private Straßen auf denen außerdem das Schleifen schwerer Lasten erlaubt ist

Wobei diese Unterteilung unter dem Makel litt, dass Verbesserungen der Straßenverhältnisse nur selten mit einer entsprechenden Umbenennung einhergingen. Obwohl die römischen Straßen als außenpolitisches Werkzeug und Möglichkeit der Verewigung von Familien dienten, überrascht es dass es zumindest zu Zeiten der Republik noch keine eigenen Behörden gab die sich mit dem Bau und vor allem der Erhaltung der Straßen beschäftigten. Stattdessen war Straßenbau und -erhaltung eine Aufgabe die nur bei Bedarf von den Magistraten in Angriff genommen wurde. Während nur Prätoren und Konsuln (daher auch die Bezeichnung der Hauptstraßen als konsularische oder prätorische Straßen) zu den notwendigen Enteigungen für den Straßenbau ermächtigt waren, wurden für gewöhnlich Ädile und Quästoren mit dem Straßenerhalt beauftragt. Doch gerade im alten Rom kosteten politische Karrieren ein Vermögen, das etwa Ädile lieber in prunkvolle Spiele investierten, um sich einen bei der Plebs Urbana einen guten Ruf und damit bessere Chancen auf einen Aufstieg in höhere Würden zu verschaffen. Verständlicherweise wurde die Straßenerhaltung daher wenig energischer verfolgt.

Die Nachlässigkeit beim Erhalt der doch so bedeutenden römischen Straßen hat sich dafür in zahlreichen Beschwerden der Zeitgenossen niedergeschlagen. Bei Bedarf und wohl auch genügend politischem Druck erfolgte zwar die Ernennung von Kuratoren für die Reparatur von Straßenabschnitten, doch ein solches Amt wurde meist nebenher ausgeübt und wiederum nur in den seltensten Fällen enthusiastisch. Bezeichnenderweise trat erst unter dem Prinzeps Augustus ein für Italien fungierendes curatores viarum zusammen, während unter dessen Nachfolger Tiberius wohl das Aufkommen vorwiegend ritterlicher curatores festgestellt werden kann.

Eine interessante Frage ist allerdings auch wer für den Straßenbau zu bezahlen hatte und wer öffentlich als Bauherr in Erscheinung trat. Wie Margot Klee anmerkt war es nämlich alles andere als selbstverständlich dass der Bauherr nämlich in die eigene Schatulle griff. Neben öffentlichen Mitteln und den Schatullen der Kaisern wurden nämlich oft auch die Bewohner einer Provinz zur Kasse gebeten. Und selbst Fernstraßen wurden oft nur in Stadtnähe gepflastert, woraus sich die folgende Einteilung ergab:
via terrena - unbefestigte Erdstraße
via glarea strata - Straße mit Schotterung oder Kiesdecke
via lapide strata - Straßen mit einem Belag aus Steinplatten oder Pflasterung

Klee beschäftigt sich allerdings nicht nur mit den bürokratischen, politischen und geschichtlichen Details des römischen Straßenbaus, sondern versucht auch Besonderheiten wie Brücken- und Tunnelbau (in den Alpen) einen Platz einzuräumen. Welche Bedeutung Straßen im römischen Alltag hatten sind eine Frage auf die sie vor allem gegen Ende des Werks einzugehen beginnt und dabei neben der Frage wie man sich auf Roms Straßen überhaupt zurechtfand, auch klärt mit welchen Transportmitteln die Römer so unterwegs waren und auch wie Stationen am Wegesrand aussehen konnten.

Als historische Dokumentation an der Schnittstelle von Altertumswissenschaften und Archäologie zeigt "Lebensadern des Imperiums" durch die zahlreichen Fotografien exemplarisch gut erhaltener Straßenabschnitte auch wie diese wohl zu Zeiten des alten Roms ausgesehen haben mögen. Mangelnde Quellenkritik, die für Rom-Fans und die meisten Laien wohl weniger eine Rolle spielen dürfte, kann man Klee allerdings kaum verwerfen, denn sie verweist stets auch darauf dass gerade in Hinsicht auf die bürokratischen Zuständigkeiten in Sachen Straßenbau/erhaltung im alten Rom die Quellen fehlen und so hat die Archäologin die gebotene Vorsicht walten lassen, wodurch sie sich beim "Ausschmücken" der geschichtlichen Hintergründe eher zurückgenommen hat. Gelungen ist Klee auch ihr Werk verständlich zu halten, selbst in den Erläuterungen zum Straßenbau. Wer es technischer und komplizierter mag, dem sei Brigitte Cechs "Technik in der Antike" ans Herz gelegt.

Fazit:
Verständlich und übersichtlich, eine gelungene Porträtierung der Straßen im römischen Imperium.
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Rezensentin / Rezensent

Mario Pf.
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 1000 REZENSENT)   

Ort: Oberösterreich

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