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Kundenrezension

am 22. August 2012
Erwartungen und Altersgruppe

Die Erwartungen an das neue Buch "Solange die Nachtigall singt" werden vom Verlag selbst hoch angesetzt, wenn dieser "Das Meisterwerk einer Märchenerzählerin" schreibt. Die "Nachtigall" soll der Nachfolger des erfolgreichen Märchenerzählers werden. Der "Märchenerzähler" wurde 2011 mit der "Segeberger Feder" ausgezeichnet und ist in 2012 gleich für zwei wichtige Jugendbuchpreise (Buxtehuder Bulle, Deutscher Jugendliteraturpreis) nominiert.

Die "Nachtigall" wird von der Autorin, ebenso wie der "Märchenerzähler", für Leser ab 16 Jahre empfohlen. Wegen einiger finsteren, manchmal auch brutalen und spannender Stellen nachvollziehbar. Berührungsängste, was leicht skurrile Sexszenen angeht, sollte der Leser besser nicht haben.

Auch in diesem Buch werden wieder Tabus gebrochen. Bücher von Antonia Michaelis geben einem nie vor, was man zu denken hat, sie sind immer auch unbequem.

Also ungeeignet für 15-jährige? Oder 14-jährige? Schwer zu sagen, denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene lassen sich nicht so leicht eingruppieren wie es Verlage oder Rezensenten gerne hätten. Die "Nachtigall" lässt sich, sofern man Kategorisierungen mag, am besten als Crossover oder All-Age-Literatur beschreiben. Bei Antonia Michaelis ist das sicher kein Kalkül, denn auch die mir bekannten Kinderbücher der Autorin (zb. die Kreuzberg 007 Serie oder Oliver und Twist) enthalten immer Komponenten die sich in zwei Ebenen an ältere und auch jüngere Leser richten, die bei mehreren Altersgruppen funktionieren, aber eben auf verschiedenen Bedeutungsebenen und das schon zu Zeiten als Crossover als Marketingbegriff noch bei keinem Verlag in den Mund genommen wurde.

Ist die "Nachtigall" ein neuer "Märchenerzähler"? Ja, weil die Leser die den "Märchenerzähler" liebten vermutlich auch die "Nachtigall" lieben werden. Nein, denn der "Märchenerzähler" war viel verträumter, mehr Märchen und viel einfacher gestrickt.

Zum Inhalt

Der 18-jährige Jari hat soeben seine Lehrer als Tischler abgeschlossen, da beschließt er alleine auf Wanderschaft zu gehen, nur für zwei oder drei Wochen, um, etwas zu erleben, ein Abenteuer, er möchte etwas zu erzählen haben und die Natur und seine Freiheit genießen. Irgendwo hinter Zittau, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Der Einstieg ins Buch geschieht sanft, leise und wunderschön. Jari befindet sich in einem Wald, so scheint es. In einem bunten, geheimnisvollen und grünleuchtenden Wald. Aber er ist nicht tatsächlich dort, er betrachtet ein Gemälde in einer Galerie und er ist unterwegs auf seiner Reise die ihn wenige später genau dorthin führen wird, in diesen geheimnisvollen und wunderschönen Wald, in dem es fast ausschließlich spielt.
Ein Buch das im Wald spielt? Kann das spannend sein? Ja, es kann. Und zwar sehr. Gerade die Abgeschiedenheit, die Abgeschlossenheit von der Außenwelt geben der Geschichte einen Rahmen der wunderbar passt und der auch später sehr beklemmend sein kann.

Die "Nachtigall" nimmt einen von Anbeginn an in ihren Bann. Alleine wegen der wunderbaren Sprache und den Details in den Beschreibungen versinkt man geradezu im Buch und würde sich am liebsten für ein verlängertes Wochenende einschließen, und nur das eine tun: Lesen.

Jari begegnet in der Galerie der geheimnisvollen Jascha. Sie hat sich verkleidet und sie verstellt sich, sie malt wunderbare Gemälde. Sie lebt von diesen Gemälden und alleine im Wald, einem Wald in den sich kaum ein Mensch verirrt und in dem immer wieder Menschen verschwinden.

Erst als Jari mit Jascha den Weg in den Wald aufgenommen hat, entledigt sie sich ihrer Maskerade und er sieht das schönste und bezauberndste Mädchen dem er je begegnet ist. Sie führt ihn zu einem alten Haus mitten im Wald in die sie allein zu leben scheint. Doch Jari verwandelt sich im Laufe der Geschichte immer mehr. Die Welt die er wahrnimmt, verschwimmt, er weiß nicht mehr welchen Eindrücken er glauben kann und welchen nicht, er verliere das Gefühl für Raum und Zeit. Aus dem unbefangenen und lebenslustigen Jari wird ein Jäger.

Das Buch beginnt so gar nicht mit einem Knall, aber es deutet auf den ersten 4-5 Seiten bereits so vieles an, so vieles könnte geschehen, dass man es nicht mehr weglegen möchte, nicht mehr weglegen kann. Das Buch verzaubert.

Der Verlauf

In einer zweiten und anfänglich sehr mystischen Ebene der Geschichte, wunderbar poetisch geschrieben, werden drei Mädchen eingeflochten, die sich im Trailer und auf einem Photo im Buch schon angedeutet haben. Was es mit diesen auf sich hat, diese Frage wird die Leser das ganze Buch über begleiten. Sind das drei Mädchen? Sind es zwei? Oder doch nur eines? Was ist Einbildung und was ist Realität? Woher kommen Sie? Wer hat sie hier her gebracht? Und wohin? Im Wald? Im Keller? Und woher? Eine Entführung? Eine Flucht? Warum eigentlich? Es empfiehlt sich genau zu lesen, es steht alles im Text man darf sich nicht blenden lassen. Diese Ebene hat zu Beginn etwas sehr märchenhaftes, schönes, aber zugleich auch Grausames. Sehr viel Grausames.

Es dauert nicht lange, da beginnt Jari mit Jascha zu flirten. Jari ist alleine, alleine mit Jascha, dem schönsten Mädchen. Jari lässt sich von Jaschas Leichtigkeit geradezu einfangen. Immer wieder taucht die "Nachtigall" auf "Still, still, meine Nachtigall sei still." Er schläft in ihrem Haus, einem perfekten Haus das nur voller Schönheit ist.

Je weiter die Geschichte voranschreitet umso unschärfer wird die Wirklichkeit. Zuerst sind es die Spiegel im Badezimmer, die eine Unendlichkeit und eine Scheinwelt voller glitzernder Wassertropfen erschaffen. Jari ist vollkommen gebannt von Jascha, aber auf seine Fragen weicht sie immerzu mit einem Lächeln aus. Und es geschehen Dinge, kleine Begebenheiten, die Jari sich nicht wirklich erklären kann. Jascha taucht zu schnell an unterschiedlichen Orten auf, er hört unheimliche Geräusche in der Nacht. Narben erscheinen und verschwinden. Und er bleibt. Er will sich Jascha nähern, aber im Wald entschwindet sie ihm. Er verirrt sich, lernt ganz leise die Gefahren des Waldes kennen, die drei Mädchen tauchen erneut auf, geben wieder Rätsel auf, er begegnet einem Wolf, findet eine Anhäufung von Vogelfedern, muss unter freiem Himmel übernachten und beginnt zu träumen. Was wird aus der Liebe zwischen Jari und Jascha? Wird sie unerfüllt bleiben wie in der ersten Nacht? Wird Jascha Antworten geben? Was hat es mit den Narben auf sich die plötzlich verschwinden, genauso wie Jascha verschwindet und wieder auftaucht, sich auffällig häufig umzieht. Jari entdeckt immer mehr geheimnisvolles und was Realität ist und was nicht, diese zentrale Frage wird sich der Leser immer und wieder stellen, bis es am Ende zu einer großartigen Auflösung kommt.

Schau genau hin, lies genau und achte auf die Namen. Aber es nützt alles nichts, man lässt sich auf das Spiel ein, so wie es Jari auch die ganze Zeit getan hat, man lässt sich verführen. Es gibt mehrere Stellen im Buch an denen man denkt, das war es jetzt. Man denkt, na ja, etwas enttäuschend, man erwartet mehr. Auch auf den letzten Seiten glaubt man, es wäre nun alles geschehen und aufgelöst. Vielleicht liegt man mit seinen Ahnungen am Ende richtig, aber überrascht wird jeder sein. Das Finale ist einfach nur unbeschreiblich. Verraten? Nein, um keinen Preis. Das Buch endet auf der letzten Seite. Nicht früher.

Die Sprache

Die Sprache Antonia Michaelis ist auch in der "Nachtigall" wieder wunderschön und zugleich atemberaubend. Sie ist genauso poetisch wie im "Märchenerzähler" oder in "Die Worte der weißen Königin", aber sie hat noch mehr Feinheiten dazu gewonnen. Sie ist vielfältiger, hat so viel unterschiedliche Facettierungen. Es gibt Stellen da wähnt man sich in einem Märchen, es wird kitschig, manchmal habe ich befürchtet Antoni Michaelis sei in das Lager von Fantasy-Autoren gewechselt und es regnet gleich rosane Einhörner vom Himmel, dann wird man geradezu in die Realität zurück katapultiert. Sowie wie mit Jari in der Handlung gespielt wird, so gerät man als Leser immer wieder zum Spielball der Erzählerin.
Die Sprache umhüllt die Geschichte, sie ist einfach nur einzigartig. Sie wandelt sich mit der Geschichte und den Wandlungen ihrer Charaktere. Sie passt immer, zu jeder der verschiedenen Ebenen im Buch. Mal ist sie prägnant und direkt, dann wieder sehr leicht, mal auch sehr poetisch wie in einem Märchen, aber sie kann genauso brutal sein, Tempo vorgeben und Spannung erzeugen, alles in allem ist sie sehr vielfältig. Das Buch ist voller kleiner Nebengeschichten und Andeutungen, es kann durchaus komisch und ganz leicht sein.

Fazit

Mit liebevollen Details in einer gewohnt wundervollen Sprache verfasst, taucht man als Leser in die unwirklich erscheinende Welt ein, die mehr und mehr verschwindet, irreale Züge bekommt die erst ganz am Ende aufgelöst wird und wohl nahezu jeden Leser überraschen wird. Die Sprache ist vielfältiger und bunter als im "Märchenerzähler". Die "Nachtigall" ist kein Märchen, kein Kinderbuch und keine leichte Kost. Sie ist vieles. Die Beschreibungen sind so bunt wie in von der Autorin gewohnt, sie übertreffen auch "Die Worte der weißen Königin". Das Buch durchläuft sehr viele Genres in seinen verschiedenen Ebenen, es ist sehr spannend, und bietet ein grandioses Finale. Was kann man mehr wollen von einem Buch?

Klare Leseempfehlung und vielleicht mein Lieblingsbuch des Jahres 2012.
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