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Kundenrezension

am 22. Juli 2014
Seit der Rückkehr von Sänger Rob Halford im Jahr 2003 haben Judas Priest nicht gerade durch ununterbrochenen Materialauswurf geglänzt. Im Gegenteil, lediglich zwei Alben sind in diesem Zeitraum erschienen - das bei den Fans weitgehend akzeptierte "Angel of Retribution" (2005) und das kontrovers diskutierte "Nostradamus" (2008). Seitdem ist es etwas ruhiger geworden um die NWOBHM-Legende. Zumindest was Studioaktivitäten angeht. Denn 2011 gibt es einen Bandinternen Paukenschlag: Gitarrist K.K. Downing steigt aus. Ausgerechnet der Mann, der so maßgeblich mitverantwortlich ist für den filigranen Sound von Priest. Sein Nachfolger wird der damals 31-Jährige Richie Faulkner. Ein Greenhorn, das allerdings auf der finalen "Epitaph"-Welttournee sofort überzeugt. Folgerichtig ist der Londoner auch dabei, als man sich 2014 an die Aufnahmen zum 17. Album "Redeemer of Souls" macht.

Nach sechs Jahren also endlich wieder neue Songs der vermeintlichen Metal-Opas. Und zwar (in der Deluxe-Edition) gleich 18 davon. Faulkner verleiht der Truppe einen Kreativitätsschub und brilliert mit intelligenten Riffs und Soli. Und was Rob Halford betrifft - gibt der von extremen Rückenproblemen geplagte Ausnahmesänger in den letzten Jahren immer wieder Grund zur Sorge (teilweise wird er sogar im Rollstuhl durch die Gegend gefahren), so klingt er auf "Redeemer of Souls" umso vitaler und lebendiger.

Wird direkt deutlich im knackigen Opener "Dragonaut". Zwar bemüht man umgehend sämtliche Metal-Klischees, aber immerhin rockt er amtlich und bietet alles, was von Priest erwartet wird. "Father of Sin, I'll drag you all in". Mehr bleibt nicht zu sagen.

Die Vorab-Single "Redeemer of Souls" kommt im Vergleich dazu recht harmlos daher, die Doublebass rollt etwas zu dezent. Der Chorus bleibt durchaus hängen, so richtig zünden will die Nummer jedoch nicht. Liegt vor allem am gewöhnungsbedürftigen Sound. Obwohl nach modernen Standards produziert klingt die gesamte Platte dünn und zahnlos. Die Drums rasseln ohne jeglichen Druck im Hintergrund und bleiben seltsam Identitätslos, Ian Hill's Bass ist kaum zu hören und auch die Gitarren wirken eingepfercht, ohne Luft zum atmen, nahezu stromlinienförmig. Bedauerlich, sogar fast ein Fiasko. Auf diese Weise nimmt man den Kompositionen die Seele. Hört sich an wie Musik, die am Computer zusammen gesetzt wurde, ohne dass jemals ein echter Mensch ein Instrument gespielt hat. Verdammt schade, das.

Denn die Stücke an sich sind weitgehend überzeugend, wenngleich größtenteils aus dem traditionellen Melodic (Power-) Metal-Lehrbuch entlehnt. Zum Beispiel die Mythologie-Hymne "Halls of Valhalla". Wenn man den erneut klischeetriefenden Text ausblenden kann (Manowar hätten ihre helle Freude), zeigt sich hier die brachialste Nummer der CD. Hat ordentlich Power im Allerwertesten und einen fetten Refrain. So muss das sein.

Auch "Sword of Damocles" ist gelungen. Die Gitarren wiegen sich im Takt hin und her, die Hook ist ultratrue und Halford singt wie in seinen besten Tagen. Diese außergewöhnliche Mischung aus Melancholie, Wut und Selbstbewusstsein bekommt nur er hin. Der Metal-God steht in einer Reihe mit den ganz großen wie Ronnie James Dio, Ian Gillan oder Bruce Dickinson. Ausdruck und Technik gepaart mit Emotion und Charakter - hier erklingt eine der unwiderstehlichsten Metal-Stimmen aller Zeiten. Auch mit fast 63 immer noch ein Garant für allerhöchste Qualität.

Im vergleichsweise simplen Stampfer "March of the damned" präsentiert sich Halford als näselnder Ozzy-Klon. Nicht spektakulär, funktioniert live wohl besser. Die Verdammten können hier einerseits eine Horde Zombies, oder eben die eigenen Fans sein, die sich zu einem Konzert zusammenrotten. Ähm, ja. Grenzt fast an lyrische Hilflosigkeit.

Bevor es zu einfältig wird, lässt "Down in Flames" aufhorchen. Hübsches Oldschool-Riff im Hardrock-Stil und ein extrem dynamischer Refrain. Ein echtes Juwel, das man wieder und wieder hören will. Es wirkt, als fange die LP jetzt erst so richtig an.

"Hell & Back" bietet nämlich anschließend schweren Stampf-Metal mit einer gehörigen Portion Dramatik - klassische Trademarks, die nun endlich vollumfänglich zur Geltung kommen. Zudem sticht das Solo hervor.

"Cold Blooded" beginnt mit verträumt-glasigen Gitarren und entwickelt sich anschließend zur pathetischen Hymne im Sile von "Out in the Cold" oder "A touch of Evil". Zwischenzeitlich wird das Tempo sogar richtig angezogen. Gefällt mir wahnsinnig gut. Hier glänzt die gesamte Band. Hochemotional und packend. Spätestens jetzt dürften auch Nicht-Fans die Faszination, die von dieser Truppe ausgeht, verstehen können.

"Metalizer" liefert hingegen gewohnte Power-Kost. Peitschendes Stakkato und ein schreiender Halford. Wirkt etwas gezwungen und aufgesetzt.

Das bluesige "Crossfire" ist ebenfalls kein Meisterwerk, besteht aber problemlos als Albumtrack.

"Secrets of the dead" entpuppt sich als hypnotisches Epos mit leicht orientalischem Touch. Mit Atmosphäre kennt sich diese Band bestens aus. Ein wundervolles Solo obendrauf und ein Spoken Word-Teil - beeindruckend!

Wem bis dahin die Härte etwas zu kurz gekommen ist, der wird mit "Battle Cry" bestens bedient. Wildes Riff und ein schweißtreibender Refrain - wird auf der Bühne bestens zur Geltung kommen. Der unfassbar dämliche Kriegsheldentext erzeugt bei mir nichts als verständnisloses Kopfschütteln. Meine Herren, das muss nun wirklich nicht sein. Klar sollte beim Metal nicht über legendäre Halmasiege oder Mikado-Großtaten gesungen werden. Aber das hier ist dann doch eine Spur zu unreflektiert. So nicht!

Immerhin entschädigt die Abschlussballade "Beginning of the end" für alles. Ich als Priest-Interessierter aber nicht unbedingt Fan finde seit jeher, dass Rob Halfords Stimme in den ruhigeren Momenten ihre volle Pracht am besten entfalten kann. Und wie sie das hier tut! Tieftraurig, optimistisch und gleichzeitig zerrissen - eine solche Bandbreite bekommt nur dieser einzigartige Sänger hin. Für mich einer der besten Songs des Jahres. Kommt fast an das übergeniale "Angel" (2005) heran. Bewegend.

Die fünf Bonustracks der Deluxe Edition hätten tatsächlich alle nicht in den Kontext des regulären Albums gepasst. Als stringente EP sind sie aber bestens geeignet. Keine Ausschussware, sondern durchgehend starkes Material. Besonders die druckvolle Hardrock-Nummer "Snakebite" hat es mir angetan. Die Ballade "Never forget" sorgt ein letztes Mal für ein Aha-Erlebnis. Verabschieden sich Judas Priest hier etwa für immer? Die Zeile "We thank you for it all - we will never forget" lässt diesbezüglich kaum Spielraum. Vielleicht ist es tatsächlich Zeit, so langsam tschüß zu sagen. Immerhin hat man die Fans nach dem vielkritisierten (aber meines Erachtens bärenstarken) Konzeptwerk "Nostradamus" mit "Redeemer of Souls" wieder etwas versöhnt.

Die Interviews auf youtube machen klar, dass die Band ein klassisches Metalalbum schreiben wollte und das ist ihr auch gelungen. Manches klingt etwas zu souverän und nach Schema-F, der Gesamteindruck gerät aber durchaus positiv. Allerdings raubt der hochtechnisierte, seelenlose Klang vielen Titeln ihr Charisma und die meisten Texte sind kruder Krampf. Stellt man dem die abwechslungsreiche Gitarrenarbeit, Halfords erstaunlich gute Stimmperformance und das gelungene Cover entgegen, kommt man am Ende auf verdiente drei Sterne. Der große Wurf sieht anders aus, jedoch hatten viele das Ganze im Vorfeld wesentlich schlechter erwartet. Rob Halford (Gesang), Glenn Tipton (Gitarre), Richie Faulkner (Gitarre), Ian Hill (Bass) und Scott Travis (Schlagzeug) holen das Maximum aus sich heraus. Resultat: Ein mittelprächtiges Album mit einigen Höhepunkten. Das ist für eine Band diesen Kalibers und Alters durchaus ein Kompliment.
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