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Kundenrezension

41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erfahrungsbericht, 18. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Trekking in the Nepal Himalaya (Lonely Planet Trekking in the Nepal Himalaya) (Taschenbuch)
Da die beiden bisherigen Rezensionen keinerlei praktische Erfahrungen mit dem Produkt transportieren, habe ich mich, nach abgeschlossenem Trek, entschlossen, das nachzuholen.

Aber vorneweg. Ich war lediglich in der Langtang-Region trekken, d.h. moeglicherweise kommt der Lonely Planet in anderen beliebten Regionen (z.B. Annapurna, Everest) besser weg.

Zunaechst, was ist gut am Lonely Planet?

Das Kapitel zur Trek-Organisation ist sehr hilfreich. Man bekommt einen guten Ueberblick darueber, was auf Individual Trekker (sprich, nicht in einer Reisegruppe organisiert) an buerokratischen Huerden zu kommt (Wo kriege ich eine TIMS-Card, muss ich eine Park Entrance Fee bezahlen? Und wenn ja, was kostet der Spass? usw.).
Der Ausruestung und Equipment Teil enthaelt nuetzliche Packlisten. Das spart nicht nur Gewicht im Rucksack sondern auch Geld im Portemonnaie. Das sind nicht ganz unwichtige Punkte. Denn erfahrungsgemaess ist der Kaufrausch im Globetrotter vor Reiseantritt der wesentliche beeinflussbare Kostenfaktor (vor allem, wenn man weiss, was in Kathmandu deutlich guenstiger ist). Und ueberfluessiges Zeug im Rucksack ist spaetestens nach den ersten 1000 Hoehenmetern einfach aergerlich.
Das gleiche gilt fuer das Gesundheitkapitel. Niemand sollte losgehen, ohne sich vorher ueber Hoehenkrankheit, Durchfall und notwendige Versicherungen informiert zu haben (insb. Unfallversicherung).
Gut ist auch, dass der Lonely Planet auf oekologische Aspekte eines Treks hinweist (keine Plastikflaschen kaufen, nicht in Lodges essen, die mit Feuerholz kochen usw.).

Das Problem ist nur, dass das alles Informationen sind, die man guenstiger schneller und (nicht unwesentlich z.B. in Bezug auf Gebuehren und Kosten) aktueller im Internet bekommt.

Und das fuehrt uns dann auch schon zu den Schattenseiten.

Die Wegangaben sind teilweise einfach falsch. Besonders bloed: gleich bei der ersten Kreuzung sagte der Lonely Planet rechts, es ging aber eindeutig links. Jetzt muss aber keiner Angst haben, dass er verloren geht, denn jeder Einheimische kennt den Weg und zeigt, meistens schon vor der Frage, in die richtige Richtung.
Der Versuch Zeiten fuer bestimmte Wegstrecken anzugeben ist zwar gut gemeint, scheitert aber in der Praxis. Die Zeiten sind laut Autor fuer einen durchschnittlich trainierten Mann in den spaeten dreissigern mit mittelschwerem Gepaeck. Nach einigen Tagen auf der Strecke haette man dann einen ungefaehren Faktor und koenne die Zeiten an die eigene Geschwindigkeit anpassen. Tut mir leid lieber LP-Autor: das funktioniert so leider nicht. Als Beispiel: meine Freundin, die ihr Gepaeck (ca. 10kg sind ohne Porter realistisch), tapfer selbst getragen hat, baut gegen Ende eines langen Trekkingtages an einem steilen Anstieg leider nicht linear, sondern exponentiell ab. Wenn man dann fuer den letzten Tagesabschnitt statt einer drei Stunden braucht, muss man den Weg ins naechste Guestehouse leider im Dunklen finden (die Sonne geht um kurz nach 5 unter). Das ist manchmal einfach gefaehrlich. Ich wuerde fuer konservativere Geschwindigkeitsangaben plaedieren oder einfach alternative Tagesziele angeben.
Das fuehrt dann gleich zum naechsten Punkt. Alle machen, was im LP steht. Das ist ein altes Problem. Der Lonely Planet sagt, wie lange der Trekkingtag geht und wo er endet. Damit sind alle Lodges auf dem Weg aus dem Geschaeft, obwohl sie manchmal ebenbuertig oder besser sind, mit grosser Sicherheit aber zumindest guenstiger. Deswegen mein Tipp: trefft eure Entscheidungen unabhaengig vom Lonely Planet. Ihr seht mehr auf dem Weg und seit nicht mit fuer die Raubkultur vor Ort verantwortlich, die durch die Popularitaet des Lonely Planet in vielen Reiselaendern entstanden ist (das klingt zwar hart, aber ob man als Lodge im LP steht oder nicht, entscheidet ueber Existenzen).
Noch allgemeiner: Individualreisen sind mit dem Lonely Planet eigentlich nicht moeglich.

Am Ende steht also die Frage, braucht man den Lonely Planet zum Trekken in Nepal? Nein.
Macht er das Trekken angenehmer?
Nein.

Wer einer Reisegruppe angehoert braucht eigentlich nichts.
Wer eigenstaendig auf ausgetretenen Pfaden trekt, braucht eine gute Karte (die sind im LP uebrigens auch nicht toll) und darf sich nicht zu schade sein den Rat von Einheimischen zu befolgen.
Wer irgendwelche abgefahrenen Sachen machen will (abseits des ausgetretenen Pfads) sollte ohnehin Profis konsultieren.

Mein Fazit:
Wenn er euch Sicherheit gibt, dann leiht den LP zu Hause aus und kopiert die wesentlichen Seiten zur Organisation. Aber nochmal Geld dafuer ausgeben wuerde ich nicht.
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