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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hochgefühl wie von unglaublich guten Neuigkeiten - Rezension zu G. K. Chesterton "Der Mann, der Donnerstag war", 17. Dezember 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der Donnerstag war: Ein Alptraum (Taschenbuch)
Für diese tadellos gute Neuausgabe von G. K. Chesterton "Der Mann der Donnerstag war" wurde die bewährte Übersetzung von Heinrich Lautensack aus dem Jahr 1924 wohltuend und sehr behutsam an Veränderungen in Sprachgeschmack, Orthographie und Zeichensetzung angepasst.

G. K. Chesterton, der begnadete Essayist, Romanautor der hinreißenden, tiefsinnigen Father Brown Detektivgeschichten und Verfasser philosophischer Werke christlicher Prägung, hat mit „Der Mann der Donnerstag war“ einen spannenden, fast surrealen Agententhriller verfasst, der in keine der gängigen Kategorien so ganz hineinpasst. Nach seiner Zielrichtung ist das Buch vielleicht eine Abhandlung über die Dialektik von Ordnung und Chaos, von Freud und Leid. Es könnte aber auch ein Traktat sein, über Wahrheit, Selbsttäuschung und Phantasie, über klares Bewusstsein, Traum und Vision - darüber, dass sich die Wirklichkeit traumhaft offenbart. Und dennoch kann man dieses spannende, sehr lebhaft und farbig geschriebene Buch ganz unbefangen als phantastischen Agententhriller lesen, bei dem es um die Weltverschwörung einer subversiven intellektuellen Geheimloge geht und deren Unterwanderung durch V-Leute und Agenten der guten Sache.

Die Geschichte, die im Untertitel als "nächtliche Dämonie" (nightmare: Alptraum, Nachtmahr, nächtlicher Dämon) charakterisiert wird, muss natürlich bei Sonnenuntergang beginnen - mit einer schon irgendwie infernalischen Vorahnung: Der Ort der Handlung "schaute auch grad so rot und genau so zerschlissen aus wie eine Wolke bei Sonnenuntergang". In genialer Manier stimmt uns Chesterton auf die Dunkelheit mit ihren alptraumhaften Erfahrungen ein, auf den Kampf zwischen Gut und Böse, Treue und Verrat, Wahrheit und Lüge:

Einstimmung auf einen Alptraum

„Der Vorort Saffron Park, der dort lag, wo über London die Sonne unterzugehen pflegt. Und schaute auch grad so rot und genau so zerschlissen aus wie eine Wolke bei Sonnenuntergang. Durchweg aus knallrotem Backstein erbaut, von einer schrullenhaften Silhouette und gleicherweise von einem ungebärdigen Grundriss. Die Emanation eines spekulativen Baumeisters, eine dilettantische Vorspiegelung von Kunst; … Saffron Park war mit einigem Recht als Künstlerkolonie verschrien, obschon hier niemals nach irgend einer Richtung hin Kunst produziert wurde. Dennoch: Waren Saffron Parks Prätentionen, ein geistiges Zentrum darzustellen, auch ein wenig vage, so war seine Anwartschaft, als ein ulkiger Platz zu gelten, unbestreitbar. Der Fremde, der diese affektiert roten Häuser zum ersten Mal sah, der dachte nur dieses: dass es schon ziemlich närrische Leute sein müssten, die es fertigbrächten, da drinnen zu wohnen. Aber selbst wenn er das Völkchen dann kennenlernte, selbst dann brauchte er in diesem seinem vorgefassten Respekt um nichts herunterzugehen. Der Ort war nicht nur ulkig, er war sogar vollendet, sobald du dich entschließen konntest, ihn nicht als eine Täuschung und einem Betrug, sondern als einen Traum anzusehen. …
Vorzüglich ums Abendwerden und den Einbruch der Nacht überfiel Saffron Park diese reizende Unwirklichkeit, wenn die Extravaganz der Dächer verschwamm im Nachtglühen und das ganze verrückte Dorf wie eine einsam treibende Wolke wurde. Und noch vorzüglicher war das der Fall in jenen Nächten, da man irgendwie Feste feierte im Ort; wenn die kleinen Gärten illuminiert waren und die mächtigen chinesischen Laternen in den zwergenhaften Bäumen erglühten wie viel manche wilde monströse Frucht.“

Die Widersacher: Der Poet von Blasphemie und der Dichter von Gesetz

Chesterton fährt fort, indem er nun die beiden Gegenspieler der Handlung einführt:
„Aber am allervorzüglichsten war das der Fall an jenem außergewöhnlichen Abend, an den etliche hierorts zurückdenken mögen wohl bis auf den heutigen Tag, an jenem außergewöhnlichen Abend, an dem der Dichter mit dem mehr roten als kastanienbrauen Haar der Held war. ... Und Mr. Lucian Gregory, der rothaarige Poet, war in der Tat (in vielem Betracht) ein Mann, dem zuzuhören sich’s wohl verlohnte, auch wenn einem letzten Endes nur ein Lachen blieb. Er sang die alte Leier wohl von der Gesetzlosigkeit der Kunst und der Kunst der Gesetzlosigkeit mit einer gewissen ausverschämten Neuheit, sodass du schließlich einen Augenblick Gefallen darin finden konntest. Und bis zu einem gewissen Grade kam ihm dabei die fesselnde Seltsamkeit seines Äußeren zugute – staffierte in quasi heraus. Sein wie nachgedunkeltes rotes und in der Mitte gescheiteltes Haar war buchstäblich wie das einer Frau und war so sterbenslangweilig gelockt, wie nur einer Jungfrau auf einem präraphaelitischen Sonett in Wasserfarben. Und war sein Oval auch ein noch so heiligenmäßiges – dieses Gesicht fuhr mit einem Male breit und brutal heraus und das Kinn schoss hervor und war plötzlich eitel Hochmut und echter Londoner Großstadtdünkel. Dies beides in einem, dieses kitzelte die Nerven eines neurotischen Publikums angenehm und peitschte sie im selbigen Augenblick schrecklich auf. Er war die menschgewordene Blasphemie – eine Mischung aus Engel und Affe.“

Dagegen steht der Poet Gabriel Syme, den Chesterton so beschreibt:
„Sagte ich nicht, dass da welche sein mögen, die sich dieses Abends nur um eines überwältigenden Himmels willen erinnern werden? Es sind aber auch andere, die sich erinnern, weil an diesem Abend erstmalig der zweite Dichter von Saffron Park auftrat. Eine lange Zeit hatte der rothaarige Revolutionär ohne einen Rivalen geherrscht. Aber in der Nacht jenes Sonnenuntergangs war es, dass seine Alleinherrschaft endete. Der neue Poet, der sich selbst einführte und als Gabriel Syme vorstellte, war ein sehr mild dreinschauender Sterblicher, mit lieblichem und zugespitzten Bart und wenigem gelben Haar. Aber es half ihm etwas, dass er etwas weniger sanfmütig erschien, als er mit den Augen dreinsah. Er machte sein Eintreten merkwürdig, indem er über die Dichtkunst überhaupt gerade der entgegengesetzten Meinung war als der eingesessene Poet Gregory. Er sagte, dass er (Syme) ein Dichter von Gesetz sei, ein Dichter von Ordnung; ja sogar, er sagte, er wäre ein respektierlicher Dichter. Also dass ihn die Saffron Parker all anstarrten, als ob er eben diesen Moment aus jenem unmöglichen Himmel herabgefallen sei. Und richtig, Mr. Lucian Gregory, der anarchistische Poet, brachte die beiden Geschehnisse sofort in einen Konnex."

Die Erlösung erfolgt durch eine zu wenig bedachte schreckliche Vision

Man darf das Buch sicherlich ein weiteres Mal lesen, um die auf den zweihundert folgenden Seiten so spannend erzählten alptraumhaften Erfahrungen des Gabriel Syme mit Lucian Gregory in all ihren Nuancen zu erfassen - um zu verstehen, warum gerade eine schreckliche visionäre Erscheinung mit einer Stimme, die einen christlichen Gemeinplatz sang, den "Dichter des Gesetzes" letztendlich aus einem (fiktiven und irgendwie sehr realen) Alptraum erlöste und ihn in eine sanfte und anmutige Wirklichkeit führte: "Eine Brise wehte so rein und süß, dass du nicht denken konntest, sie käme vom Himmel geweht. Sondern es war dir vielmehr, als ob sie in den Himmel wehte. ..." Für Chesterton ist nämlich der Schluss des Romans der eigentliche Anfang, der Ausgangspunkt seiner Wahrheitssuche: Nach seiner Vision erinnerte sich der Poet Syme nur "langsam und auf ganz natürliche Weise" an jene im Buch so ausführlich beschriebenen phantastischen und doch so realen Dinge. (Darauf weist Chesterton ausdrücklich hin.) In "Der Mann, der Donnerstag war" kulminiert also eine alptraumhafte Detektivgeschichte in einer visionären Offenbarung, die eigentlich nur ein "Gemeinplatz ist, den er irgendwo schon gehört hatte"; Syme wird in der Art eines sehr handfesten Alptraums erst nachträglich, allmählich und auf natürliche Weise die offenbarte Weisheit einer ihm bekannten Lehre verständlich: Es geht um die verzweifelte Anklage gegen einen vermeintlich untätigen Gott in einer schlechten Welt.

Und so beschreibt Chesterton die Vision des Gabriel Syme:
„Und er richtete seine Augen auf Sonntags großes Gesicht das seltsam lächelte.
„Hast Du“, schrie er mit schrecklichem Ton, "hast du jemals gelitten?“ Und wie er es anstarrte, wuchs das große Gesicht zu einer scheußlichen Größe an und wurde immer noch größer und größer – größer sogar als die kolossale Memnonmaske, die ihn als Kind aufschreien machte. Und wurde schließlich so groß, dass es den ganzen Himmel füllte und alles unter Dunkelheit setzte. Und gerade eh die Dunkelheit ihm die Augen und alles Gehirn aushackte, hörte er eine Stimme – fernher – und die sang einen Gemeinplatz, den er irgendwo schon gehört hatte: „Vermagst du den Kelch zu trinken, aus dem ich trinke?“
Wenn Menschen in Büchern aus einer Vision aufwachen, finden sie sich gewöhnlich an einem Ort, an dem sie eingeschlafen sind, gähnen in einem Stuhl oder stehen wie mit zerschlagenen Gliedern von einer Wiese auf. Die Erfahrung die Syme machen sollte, die war aber psychologisch viel seltsamer, wenn anders die Dinge all, die er erlebt hatte, irdisch genommen, irgendwie unreale waren. Denn während er sich später jederzeit genau erinnern konnte, dass er vor dem Gesicht Sonntags in Ohnmacht gefallen war, konnte er sich niemals erinnern, wie er in all das hineingeraten sein könnte. Er wusste nur (erfuhr es langsam und auf ganz natürliche Weise): Er war mit einem angenehmen und unterhaltlichen Kollegen einen ländlichen Weg entlang gegangen. Und der Kollege war selber ein Akteur in diesem soeben beendigten Drama gewesen – der rothaarige Dichter Gregory. Sie gingen wie zwei alte Freunde und waren vielleicht in der Mitte ihrer Unterhaltung ein wenig ins Triviale gekommen. Aber Syme fühlte eine unnatürliche Schwungkraft und Heiterkeit durch seinen ganzen Leib hindurch und sein Verstand war ihm kristallen klar: dass er sich über jedes Ding, das er sprach oder tat, unendlich erhaben fühlte. Ihm war, als wäre er im Besitz von einigen unglaublich guten Neuigkeiten, dass ihm jedes andere Ding an Trivialität, wenn auch eine anbetungswürdige Trivialität war.“
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