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Kundenrezension

Ich bin ja ein ziemlicher Reisebericht-Junkie, aber über Nordkorea habe ich bisher noch nichts gelesen. Das mag daran liegen, dass dieses Land für Journalisten tabu ist und Reisen dorthin eher in die Kategorie "Katastrophentourismus" gehören. Irgendwo scheint dem perfekten Überwachungsstaat Nordkorea aber ein Fehler unterlaufen zu sein, denn Christian Eisert durfte mit seiner Kollegin und Freundin Sandra Schäfer (deren Name nicht auf ihre vietnamesische Herkunft schließen lässt) tatsächlich eine Privatreise antreten. Dass Kollegin Schäfer sich anfangs ziemlich pampig den Anweisungen ihrer "Reiseleiter" widersetzt, wenn ihr eine Entscheidung nicht passt, oder dass sie sich nicht an Absprachen bei der Tarnidentität hält, das schreibe ich mal Eiserts dichterischer Freiheit zu, denn so viel Dummheit täte fast schon weh. Nordkorea ist nun mal nicht Winzenbutzhausen und solche Fehler können schnell lebensgefährlich werden. Im Lauf der Reise entwickelt Eiserts Reisegenossin dann echte Zickenqualitäten und irgendwann verläuft die demilitarisierte Zone geradewegs zwischen den beiden. Nordkorea färbt ab.

Eisert ist mir bisher eher im Genre der Haudrauf-Komik aufgefallen, aber diesmal hält er sich angenehm zurück. Kein Schenkelklopfer-Humor, sondern die Zwischentöne dominieren. Er beschreibt pointiert seine Beobachtungen und vor den Augen des Lesers entstehen teilweise vollkommen surreale Situationen. Eisert braucht meist gar nicht zu erklären, welche Motivation hinter den jeweiligen staatlichen Aktionen steckt, das versteht auch der Tumbste. Die "Reiseleiter" stellen sich teilweise dermaßen naiv an und halten ihre Gäste offenbar für so grenzdebil, dass es schmerzt. Ein Land, das quasi keine Sehenswürdigkeiten hat, konstruiert ein Sightseeing-Programm der Extraklasse. Triumphbögen, Staatsmonumente, labyrinthische Geschenkesammlungen, Mustersiedlungen. Ein einziges, riesiges potemkinsches Dorf, errichtet nur für die Reisegäste und in der Hoffnung, damit "Vorurteile" und "Falschinformation" aus dem Westen zu widerlegen. Die staatlich kontrollierten "Reiseleiter" werden anfangs unterstützt von einem jovialen Deutschen, zweifellos ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter, der mittlerweile im Land lebt und als muttersprachlicher Geheimagent die Motivation und Gesinnung der Reisenden ausspioniert. Die beiden Reisenden müssen permanent auf der Hut sein. Ihr Hotelzimmer in Pjöngjang wird selbstverständlich auch 24 Stunden am Tag überwacht.

Ein anderer Rezensent hat den kindischen Titel "Kim und Struppi" als deplatziert kritisiert und dem schließe ich mich an. Die Reise war weder lustig, noch waren es ansatzweise "Ferien", wie der Untertitel suggeriert. Insofern erzeugt der Titel eine völlig falsche Erwartungshaltung beim Leser. Der Autor nutzt auch keine unangemessenen satirischen Mittel, um das menschenverachtende Regime vorzuführen. Es sind letztlich die absurden Situationen, die unfassbare Diskrepanz zwischen dem, was die Reiseleiter den Gästen ins Hirn zu trichtern versuchen und dem, was diese tatsächlich sehen und wissen, die eine Art Komik entwickeln. Nordkorea ist ein völlig ruiniertes Land, dessen Bewohner in einem Zustand permanenter Gehirnwäsche leben. Fragen, deren Antworten auch nur den Verdacht eines negativen Eindrucks begründen, ignorieren die "Reiseleiter" konsequent und reden stattdessen von völlig anderen Dingen. Alle Menschen, denen Eisert begegnet, haben ihre eigene Schere im Kopf. Sie achten peinlich genau darauf, was sie tun oder sagen, jeder überwacht jeden und alle haben vor Allen Angst. Sie funktionieren vollkommen willenlos, wie Ameisen in einer Kolonie. Das ist gruselig und gar nicht lustig. Aber in der Absurdität liegt eben immer auch etwas Komik. Sie ist meist unfreiwillig und Eisert macht nie Witze auf Kosten der Opfer. Letztlich blieb bei mir ein tiefes Entsetzen darüber, wie brutal ein System auch den allergeringsten Widerstand brechen kann und dass sich dieser Zustand über 60 Jahre aufrechterhalten lässt. Vordergründig mag Eiserts Bericht komisch sein, in Wirklichkeit ist dieses Absurdistan aber zutiefst abstoßend - und das Buch ein sehr ungewöhnlicher und spannender Reisebericht.
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