Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos Learn More Mehr dazu HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Jetzt bestellen PrimeMusic AmazonMusicUnlimited BundesligaLive longss17

Kundenrezension

am 9. April 2012
Es überrascht nicht, dass Alice Schwarzers neuestes Buch polarisiert. Die spektakulärste (aber keineswegs neue) Forderung der Herausgeberin dürfte wohl die nach einem Kopftuchverbot für Schülerinnen sein. Doch Die große Verschleierung" enthält wesentlich mehr.

Außer Schwarzer selbst kommen in dem Buch weitere elf EMMA-Autorinnen zu Wort sowie drei anonyme Schreiberinnen. Einige wenige Beiträge (die zuvor bereits entweder in der EMMA oder - seltener - in anderen Printmedien erschienen waren) weisen bereits ein beträchtliches Alter auf und sind daher inhaltlich nicht auf dem neuesten Stand. Auch kommt es gelegentlich zu Wiederholungen einiger Aussagen, was aber bei einem Sammelband nicht weiter überraschen dürfte.

Schwarzer thematisiert mit viel Sachkenntnis die oftmals zweifelhafte Rolle der großen Islamverbände. Problematisch sei vor allem, dass diese Verbände, die nur eine Minderheit der Muslime repräsentierten, den öffentlichen Dialog stark dominierten. In der Unterstützung der islamischen Verbände für Eltern, die ihre Töchter vom Schwimm- oder Sportunterricht befreien wollen, erkennt Schwarzer eine Gefährdung für eine geschlechtergerechte Erziehung. Es ist der Autorin uneingeschränkt zuzustimmen, wenn sie das Prinzip der Koedukation als Grundstein der Gleichberechtigung" bezeichnet. Und hier droht in der Tat eine nicht zu unterschätzende Gefahr, wenn das Innenministerium eines deutschen Bundeslandes befindet, Religionsfreiheit habe Vorrang vor dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag.

In diesem Zusammenhang ist auch das Kopftuchverbot für Schülerinnen zu nennen. Schwarzer und auch andere Autorinnen verweisen immer wieder auf die Erfolgsgeschichte, die ein solches Verbot in Frankreich darstelle. Tatsächlich ist der große gesellschaftliche Konsens, der in unserem Nachbarland in dieser Frage erreicht wurde, beeindruckend, und das Zusammenleben der Schülerinnen und Schüler gestalte sich zudem weniger problematisch. Rita Breuer zeigt außerdem auf, wie an deutschen Schulen muslimische Schülerinnen, die kein Kopftuch tragen, von der Mehrheit der Verschleierten gemobbt und schikaniert werden. Und Cornelia Filter konstatiert schließlich für die Situation in Deutschland: Die Konservativen scheinen auch das Spiel mit der falschen Toleranz klarer durchschaut zu haben als die Linken."

Weiterhin verweist Rita Breuer in einem ihrer Beiträge auf eindeutig frauenfeindliche Passagen, die sich auf der Website des Zentralrats der Muslime finden lassen. Zudem kritisiert sie, dass deutsche Notare islamisches Erbrecht mit deutlicher Benachteiligung der Mädchen" und deutsche Gerichte islamisches Scheidungs- und Sorgerecht - wieder zum Nachteil der Frauen - anwendeten. Erschütternd wirken die Berichte der anonymen Musliminnen, die in Schwarzers Buch ihre persönlichen Erfahrungen mit Gewalt und Intoleranz in einem religiös dominierten Milieu schildern.

Bei so viel Offenheit erfahren Schwarzer und ihre Mitstreiterinnen natürlich nicht nur Zuspruch. Partick Bahners in der FAZ und Özlem Topcu in der ZEIT haben auch schon reichlich Schaum vor dem Mund und fahren die ganz schweren Geschütze auf. Für Bahners ist Schwarzer zu den Jakobinern unserer Zeit zu zählen (zu Bahners fällt dem Rezensenten wirklich nur noch wenig ein); der siegreiche Feminismus" schere sich nicht mehr länger um Minderheiten. Topcu räsoniert darüber, warum die verschleierte Gestalt auf dem Buchcover gesichtslos bleibe und sieht darin ein Wahrnehmungsdefizit Schwarzers. Auf die Idee, dass Schwarzer mit dem Cover die Unsichtbarmachung von Frauen durch die Islamisten thematisiert, kommt Topcu hingegen nicht. Das selbstgerechte Wir", dass Topcu bei Schwarzer ausgemacht haben will, will sich in diesem Buch auch bei genauester Analyse nicht finden lassen: Zu ausgewogen, zu nachdenklich und zu differenziert sind die Aussagen der zwölf Autorinnen, als dass der Vorwurf der Engstirnigkeit verfangen würde. Es wird sehr schnell deutlich, dass die beiden Rezensenten von FAZ und ZEIT Schwarzers Buch allenfalls angelesen, mit Sicherheit aber nicht durchgelesen haben. Denn die Autorinnen unterlassen es niemals, zwischen Islamismus und Islam zu unterscheiden; auch wird die Rolle der liberalen Alevitischen Gemeinde und ihres zweiten Bundesvorsitzenden Toprak gewürdigt. Ebenfalls wird der oftmals erhobenen Behauptung, Deutschland würde systematisch islamisiert, in Schwarzers Buch eher skeptisch begegnet. Für solche Feinheiten ist jedoch in den Rezensionen von Bahners und Topcu ganz offensichtlich kein Platz.

Das Buch richtet seinen Blick sowohl auf Einzelschicksale wie auch auf das große Ganze: Im Zusammenhang mit einem möglichen EU-Beitritt der Türkei wird die Rolle Erdogans thematisiert, die Situation in Afghanistan, dem Irak und dem Iran wird eindrücklich geschildert. Necla Keleks Beitrag zeigt, dass in der Türkei ebenfalls Parallelgesellschaften - hier die Westlich-Liberalen, dort die Reaktionär-Religiösen - nebeneinander existieren. Auch für die Toleranz, die christliche Vertreter gegenüber den problematischen Auswüchsen des Islam zeigen, wird in dem Buch eine plausible Erklärung gefunden: Neben der üblichen weit verbreiteten Verblendetheit scheinen in der Tat christliche Hardliner auf eine Renaissance der gesellschaftlichen Stellung ihrer eigenen Religion zu hoffen, die wohl nicht ausbleiben würde, wenn man erstmal dem Islam unzählige Sonderrechte eingestanden hätte.

Letztlich sollte dem Leser eine Aussage von Schwarzers Mistreiterin Khalida Messaoudi-Toumi nach der Lektüre des Buches im Gedächtnis bleiben: dass es zwar viele Kulturen gebe, aber nur eine Zivilisation. Die menschliche.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden| Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.