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Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Objektiv bleiben!, 15. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Gtr (Audio CD)
Wenn ich mir so die heutigen Meinungen von Menschen in den Genesis- und Yes-Fan-Clubs durchlese,
schüttele ich zumeist mit Unverständnis den Kopf; oder werde gar wütend. Da mir mein Arzt letzteres
strengstens untersagt hat (falls ich noch eine Weile hier verweilen will), mache ich mir etwas
Luft und bespreche dieses gar nicht einmal schlechte Album hier als Selbstgespräch (Kommentare
dazu lese ich mir auch nie durch, sonst muß mein Arzt nur wieder Medikamente verschreiben). Res ipsa
loquitor, dachte ich mir, als ich die Scheibe im Sommer 1989 endlich in einem Schallplattengeschäft
in Budapest entdeckte; in einer Art Vinylwand unter transparenter Folie. Der Verkäufer konnte mich
gerade noch abhalten, durch die Herausnahme der GTR-Scheibe das ganze Gebilde zum Einsturz zu bringen.
Allein; ich war ausgehungert: bereits im Vorjahr hatte ich die Scheibe dort entdeckt, jedoch nur als
compact-disc (ich wußte bislang gar nicht, was das sein sollte, vermutlich die erste, die ich je sah;
und die DDR hatte keine Abspielgeräte zu bieten). Aber auch diesmal konnte ich die Scheibe nicht kaufen;
die 750 Forint, die man dort (statt der üblichen 500) diesmal für das Vinyl wollte, sah ich nicht ein,
zu berappen. Wieder zuhause, und selten blöd, weil ich nicht kapiert hatte, was es mit dem Zeltlager
für DDR-Bürger in den Budaer Bergen auf sich hatte (der ungarische Pfarrer sagte mir nur, keiner müsste
in die "Zone" zurück)- lief ich dann eine Weile um den Leipziger Innenstadtring; und siehe da, alle
Probleme lösten sich von selbst. Schwupp-di-wupp-und-hast-du-nicht-gesehen, befand ich mich am Ku-Damm
und kaufte die GTR-Scheibe.

Res ipsa Gitarre, dachte ich, als sie sich dann endlich auf dem heimischen Plattenteller drehte, aber nicht
also (wie Herr Lanelot sagen würde) - was ich hörte, befremdete mich zunächst auch (okay, die beiden Hits
"The Hunter" und "When The Heart rules the mind" kannte ich aus dem BRD-Funk und Fernsehen vbereits seit
ihrem Erscheinen). Aber von der Kombination dieser beiden Gitarren-Heroen hätte ich mir doch etwas anderes
erwartet - wahre Gitarren-Schlachten und Kugelblitze, durchwachsen mit zweistimmigen Meisterwerken des
akustischen Duos auf Nylon und Stahl, aber vordergründig war da (zunächst) nichts, oder nur sehr wenig.
Keine Keyboards wären zu hören auf dieser Produktion, las ich 1987 in der DDR- "Fachschrift" "Melodie und
Rhythmus" - okay, stimmt; aber zunächst schien es auch so, als wären die Gitarren synthetisch, oder bis zur
Unkenntlichkeit durch Equalizer verdorben. Und die Musik selbst? Kurze Stücke im Stil von "ASIA"; eher
Hardrock-orientiert (der furchtbare Begriff "AOR" war damals noch nicht in), als das mich etwas an die
Glanzzeiten von Yes oder Genesis erinnern würde. In meiner Imagination waren Howe und Hackett Helden, die
dazu prädestiniert wären, meine Träume zu erfüllen, und endlich wieder Musik im Stile von "Awaken" oder
"Blood On The Rooftops" in diesen dümmlichen, niveaulosen und geistfeindlichen 80er Jahren zu produzieren.
Nun ja; dass beide weit davon entfernt waren, weiß ich ja nun. Einzig das "Anderson Bruford Wakman & Howe"
Album enttäuschte mich damals nicht; nebst "Momentum" und "Bay Of Kings" von Steve Hackett.

Aber ist das Album deswegen schlecht, flach, unerträglich, niveaulos? Keineswegs! Und die, die das behaupten,
hören oft grässliches Zeug, nur weil sie auf die Uniformierungs-Schublade "Prog" hereinfallen. Nun ja, nix für
ungut. "When The Heart Rules The Mind" ist einfach ein großartiges Lied, und nämliches gilt für das vom ASIA-
keyboarder und Produzenten der Scheibe, dem Ex Trevor-Horn-Partner Geoff Downes geschriebene "The Hunter".
"Here I Wait" ist mein Lieblingsstück auf GTR, und hier kommt tatsächlich etwas wie eine Kommunikation der
beiden Gitarrenmeister auf ihren Instrumenten als call and response zum Ausdruck. Ohrwürmer alle drei, aber
Ohrwürmer mit Stil und Gehalt. Und das wunderbare, von Steve Howe geschriebene "Sketches In The Sun"
wäre ein Highlight eines jeden Yes-Albums; wie auch "Hackett To Bits" so mancher Hackett-Scheibe mehr drive
verliehen hätte. Vom Rest sticht dann noch "Imagining" deutlich positiv heraus. Zugegeben ist Max Bacons
heavy-orientierter Lead-Gesang nicht jedermanns Sache (meine auch nicht), aber er ist auch nicht daneben,
und bewahre uns Gott davor, dass Hackett - oder gar Howe - die Songs selbst gesungen hätten. Ex-Marillion-
drummer Jonathan Mover trommelt ordentlich; Phil Spalding ist solide am Bass (ich kannte ihn bereits von
einigen Arbeiten für Mike Oldfield). Mein Fazit wäre, dass keine spätere Rock-Produktion von Hackett (schon
gar nicht "Guitar Noir",und auch nicht das (für mich enttäuschende) hochgejubelte Spätwerk des Meisters an
diese Platte heranreichen. Von Steve Howe kann man ja solistisch sowieso nur hardcore-Fan-taugliches erwarten.
Auch diese Scheibe ist meines Erachtens um Lichtjahre besser, als ihr Ruf. Quod erat protestantum!
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Polter, Rainer
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