saul bellow, der 1976 den literatur-nobel-preis erhielt, war eigentlich zunächst universitäts-dozent für anthropologie und soziologie, wandte sich dann aber zunehmend der literatur zu, weil sie seiner meinung nach eine sensiblere erfassung von wirklichkeit ermögliche. die verstaubten schubladen-erklärungen seiner amerikanischen anthropologen-kollegen beflügelten seinen geist weniger als die schar französischer schriftsteller und existentialisten, unter denen er sich während seiner europa-reisen lieber aufhielt. in der kindheit zunächst eingetunkt in eine recht orthodoxe jüdische erziehung, mutierte er als student zum marxistisch gefärbten gesellschaftskritiker, war dann aber bald der meinung, "dass schriftsteller sich nur so weit mit der politik einlassen sollten, um sich vor ihr zu schützen." diesen entwicklungsweg kann gut nachzeichnen, wer sich vertieft in diese essay-sammlung "wie es war, wie es ist" (original: it all adds up. from the dim past to the uncertain future). das buch schließt mit zwei sehr ergiebigen lang-interviews, die mit saul bellow geführt wurden, und die sehr viel autobiographische hintergründe nach oben spülen. dort bemerkt er u.a.: "ich gehörte nirgendwo hin. ich schloss mich keiner gruppe an. ich war institutionell mit keinem dieser leute je verbunden. ich war die katze, die ihrer wege ging." im mittelteil des sammelwerkes finden sich u.a. viele amüsante reise-skizzen: PARIS: "wie gott in frankreich: ... in frankreich wäre gott vollkommen glücklich, weil man ihn dort nicht mit gebeten ... belästigen würde. umgeben von ungläubigen könnte auch er sich, wie tausende von parisern, abends in seinem lieblingscafe' entspannen." CHICAGO: "die züge, die chicago verließen, transportierten dichter wie auch schweinefleisch und die stadt versank alsbald in provinzialismus." NEW YORK: "in der nähe von times square ist ein blinder überfallen, sein blindenhund gestohlen worden, der mann blutet und weint. ein polizist murmelt: sowas kann nur in new york passieren." LANDLEBEN (vermont): "nicholson war gekommen, um mit mir über die verfilmung eines meiner romane zu sprechen. seine lange weiße limousine konnte nicht zwischen den beiden torpfosten hindurch in meine einfahrt einbiegen. aus einiger entfernung beobachteten die nachbarn schweigend, wie der chauffeur den langgestreckten wagen mit der moslemischen halbmond-antenne an der kühlerhaube hin und hersteuerte." dieses buch ist eine fundgrube ...