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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 21. Juni 2012
Der Prolog des Buches erwischt den Leser kalt. Zumindest sofern er sich die wertig gestaltete Lektüre zur Hand nimmt, um sich unvoreingenommen dem Menschen Mick Jagger ein wenig zu nähern, der Person hinter dem Superstar.
Autor Marc Spitz konfrontiert den Leser nämlich zunächst mit einer Frage, die mehrheitlich gleich beantwortet wird und vermutet darin den Schlüssel zum Phänomen Mick Jagger. Eine Frage, die sich die meisten bewusst wahrscheinlich nie gestellt und demzufolge auch nicht bewusst beantwortet haben:

"Wer würdest Du lieber sein? Mick oder Keith?"

Nun mag die Frage im ersten Moment etwas infantil wirken, aber in ihrer Antwort, oder in der Antwort die weit mehrheitlich gegeben wird, liegt eine bemerkenswerte Erkenntnis. Formulieren wir die Frage etwas erwachsener - "Wenn Du die Möglichkeit hättest mit einem von beiden einen Abend lang um die Häuser zu ziehen und ihn während dessen nach Herzenslust ausfragen könntest, wen würdest du wählen?" - die Antwort fiele gleich aus. Und da hat der Autor auch mich ertappt. Meine spontane Antwort wäre tatsächlich Keith Richards. So wie bei fast jedem. Doch warum ist das so? Warum lieben wir die Rolling Stones als ganzes, die ohne Jagger absolut undenkbar wären, begegnen ihm als Individuum aber oft übermäßig kritisch, während wir Keith Richards jede Schrulligkeit und Eskapade als Rock'n'roll-Immanenz nachsehen oder ihn gerade dafür besonders lieben.
Marc Spitz verfaßte mit "Mick Jagger - Rebell und Rockstar" kein Anti-Keith-Buch, er hebt das auch selbst ausdrücklich hervor, sondern versucht zu ergründen warum Jaggers persönliche Beliebtheitswerte ungewöhnlich schlecht ausfallen, dafür das er der Frontmann einer der einflussreichsten und beliebtesten Bands der Musikgeschichte ist.

Doch unmittelbar hinter dieser Neugier weckenden Einführung, beginnt das Buch dann leider auch schon um den Kern seiner Idee herumzuschlingern und verharrt in diesem Modus, meist mehr, manchmal weniger, durch alle 21 Kapitel hindurch, um es sich im Epilog dann zwischen den Zeilen selbst auch einzugestehen.
Der Mick Jagger Biographie von Marc Spitz haftet derselbe Makel an, der allen mir bekannten Mick Jagger Biographien anhaftet - es ist keine Mick Jagger Biographie!

Es ist ein Rolling Stones Buch mit besonderem Fokus auf Jagger, nicht mehr. Nähert man sich dem Buch mit dieser Erwartung, hat man 320 wunderbar bedruckte Seiten vor sich. Spitz' Musik-Journalisten-Duktus liest sich angenehm, er schreitet den Lebensweg chronologisch ab und hat mit vielen Weggefährten des Biographierten gesprochen, zitiert aus zahlreichen Artikeln vieler Jahrzehnte und kennt offenbar alle Platten die er erwähnt, auch rare Bootlegs und Gastspiele oder oft auch weniger breit bekannte Alben, die irgendeine Rolle im Jagger-Kosmos spielen. Und er hat offenbar auch all seine Filme mehrmals gesehen, was nun wirklich die wenigsten von sich behaupten können.
Kurz, der Autor hat gründlich recherchiert und vermittelt seine Erkenntnisse und Erfahrungen interessant. Daß einem nicht jeder Fakt neu ist, zumal als Fan, kann man Spitz nicht vorhalten, die Art wie er die Fakten serviert und vermittelt ist gut und sympathisch, die Aufmachung des Bandes hochwertig und liebevoll. Aus diesem Blickwinkel auch vier Sterne in der Bewertung für das Buch.

Doch eine wirkliche Jagger-Biographie, die einem das Gefühl vermittelt, nachdem man sie gelesen hat, diesen Kerl etwas besser zu kennen oder ein wenig zu durchschauen, ist es nicht.
"Und wer zum Teufel ist dieser Mick Jagger eigentlich und was hat er als nächstes vor?" Mit dieser Frage endet das letzte Kapitel bevor der Autor das Buch mit einem Epilog, wo er die Unergründlichkeit Jaggers noch einmal Revue passieren lässt, abschließt. Und damit schließt sich auch der Kreis, denn bereits im Prolog sinniert Spitz über ein Foto (was im Buch enthalten ist) auf dem der junge Jagger in den frühen 1970ern zu sehen ist und neben ihm ein Typ, auf dessen T-Shirt der Aufdruck "Who the f... is Mick Jagger?" prangt. Jagger schaut direkt in die Kamera, mitten hinein, und dennoch ist es unmöglich seinen Blick zu entschlüsseln, zu deuten was er darüber denkt, was in ihm vorgeht. Unergründlich eben.

Vermutlich ist es das, was ihn so überlebensgroß, aber auch distanziert erscheinen lässt. Und was uns ganz instinktiv Keith Richards sympathischer macht, der unverstellt drauflos erzählt, dem herzlich egal ist was ein Journalist aus seinen Worten für eine Schlagzeile konstruiert, der deutlich erkennen läßt worüber er lachen kann und was ihn stinksauer macht, der seine Einschüsse in der Seele zeigt, aber auch wie man damit lebt und trotzdem ein Schelm und gelassen bleibt.
Jagger entschied sich für den anderen Weg. Abgesehen von den ersten paar Jahren im Rampenlicht, wo Person und Star noch eine Einheit bildeten, ist er in Interviews seither zwar stets höflich, aber distanziert und gewährt sie immer seltener, schottet sein Privatleben ab und kommentiert seit langem kaum noch irgendetwas, was über ihn verbreitet wird, sei es auch noch so falsch. Er nimmt es hin und schafft so einen Mythos, wahrscheinlich nicht einmal gewollt. Denn vergleicht man Jagger beispielsweise mit Michael Jackson oder Madonna, die beharrlich selbst ihre Ikonisierung forcierten, ist er zwar genauso unergründlich, lässt seine Seele genauso wenig durchblicken, aber wirkt doch bei weitem geerdeter.

Marc Spitz spricht im Buch etwas pathetisch von Mick Jagger als den vielleicht meist missverstandensten Rockstar. Nun, das will mir dann doch etwas arg mitleidig klingen, was Jagger mit Sicherheit nicht benötigt. Dennoch liegt Spitz vermutlich ganz richtig.
Die Ambivalenz, zwischen dreckigem Rock und mit den Jahren immer bürgerlicherem Habitus, zwischen auch über die Jahrzehnte nicht nachlassender extremer Präsenz und Offenheit auf der Bühne und in den Liedtexten und absoluter Verschlossenheit jenseits davon, zwischen leidenschaftlicher Verankerung im Blues (Elemente die fälschlicherweise gemeinhin nur Keith zugeschrieben werden) und Experimenten mit modischen Trend-Sounds in seinen Projekten ohne die Stones etc. etc. - führt in der flüchtigen Wahrnehmung zu unterbewusstem Argwohn beim Betrachter.
Dabei ist Jagger letztlich wohl einfach nur extrem vielseitig interessiert, stets auf der Suche nach neuem (ein Schelm, wer da böses denkt), aber wiederum auch extrem daran interessiert, sein Privatleben nicht zu einem öffentlichen Ereignis werden zu lassen.
Dass das auch etliche Stones-Fans irritiert, darf einen vermutlich wirklich nicht interessieren, wenn man Mick Jagger ist.
Ebenso wenig wie, dass dadurch Biographen in schöner Regelmäßigkeit scheitern und letztlich nur hilflos an der Oberfläche kratzen und aus subjektiver Sicht mal mehr, mal weniger schlüssig spekulieren und um am Ende doch auf eine eines Buches würdige Seitenzahl zu gelangen, halt die Geschichte der Rolling Stones immer wieder neu erzählen. Ein zulässiger Kunstgriff, denn die Biographie eines jeden Rolling Stone ist ganz und gar untrennbar verwoben mit der langen, ereignisreichen Geschichte der Band.
Von allen mir bekannten Schriften über die Stones, eine der besseren - und das ist ja auch schon mal was - wenn auch immer noch nicht die ultimative Mick Jagger Biographie.
Aber im Herbst 2012 erscheint ja schon die nächste, dann versucht sich Philip Norman auf 560 Seiten (Englische Ausgabe sogar 620 Seiten) dem Mythos Mick Jagger zu nähern.
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