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Customer Review

on November 27, 2013
Nachdem ich bereits Jörg Diesters Erstwerk "Geheimakte Regierungsbunker: Tagebuch eines Staatsgeheimnisses" mit teilweise starkem Kopfschütteln aufgrund der ans Tageslicht geförderten Vorgänge in Marienthal und der damaligen Hauptstadt Bonn gelesen hatte, freute ich mich bereits auf das neue Buch.

Doch dieses Buch zeigt bereits schnell, dass ein Anschluss an die hochwertige, schon wissenschaftliche Arbeit des ersten Werkes nicht geschafft wird. Zwar hat das Buch eine andere Ausrichtung: es sollte ja gerade nicht nur der westdeutsche Bunker beleuchtet werden, sondern gerade eine Ost-West-Betrachtung erfolgen.

Das Buch beginnt dann auch mit einem relativ langem Interview zwischen Diester und den beiden ost- bzw. westdeutschen Bauplanern bzw. Architekten. Zwar bekommt man den Eindruck, dass das Interview unter den Beteiligten anhand der gegenseitig ausgetauschten Bewunderung hinsichtlich des "Werkes" des anderen in einer guten Atmosphäre erfolgte, doch wirklich viel Inhalt konnte man nicht wirklich dem Ganzen abgewinnen.

Es folgt ein Abschnitt der die Bunkeranlagen der DDR darstellt. Hier muss man allerdings feststellen, dass die Vielzahl der besprochenen Objekte für den Leser, der sich noch nicht mit den DDR-Anlagen auseinander gesetzt hat, nahezu unüberschaubar ist. Diester reiht ohne wirklich sichtbaren "roten Faden" ein Sammelsurium an Fakten aneinander. Hinzu kommt das Teils die Objekte im Laufe der Zeit durch die DDR-Führung umbenannt wurden. Das Chaos ist hier aufgrund der Kürze der Darstellung vorprogrammiert. Dennoch kann man hier einige interessante Details lesen. Mehr allerdings auch nicht.

Das scheint es dann zum Ost-West-Dialog auch gewesen zu sein. Es folgt ein Abschnitt der schon in überhasteter Weise den Kalten Krieg in seiner Gesamtheit darzustellen versucht (hier liest man besser John Lewis Gaddis', Der Kalte Krieg: Eine neue Geschichte). Schließlich wird noch der Ablauf einer der Fallex-Übungen dargestellt. Auch hier liest man besser Primärliteratur, etwa Wolfram Dorn, So heiß war der Kalte Krieg: Fallex 66. Die Kürze der Darstellung ist für beide Themen in keinster Weise angemessen, da viel für ein Gesamtverständnis wichtiges ausgelassen werden musste.

Das Ganze wird dann größtenteils mit einem ziemlich lieblos wirkenden Layout dargestellt: die linke Seite für Text, die rechte Seite für, immer im gleichen Schema angeordnete, Bilder verschiedener Bunkeranlagen, die allerdings keinen konkreten Bezug zum Text haben. Hinzu kommt, dass Teils Nebengeschichten im Text dargestellt werden. Dies geschieht durch farbliche Hervorhebung (gelbe Felder mit roten Linien, ähnlich dem Layout einer Karteikarte) und in der Regel immer, wenn man mitten im Thema ist, sodass man entweder vorblättern muss oder aus dem Thema aussteigen muss um der Nebengeschichte folgen zu können.

Zu guter letzt erfolgt ein Bericht über das in Marienthal eingerichtete Museum. Die Arbeit der Mitarbeiter kann man sicherlich nicht hoch genug loben, aber im Buch wirkte es ein wenig wie eine Werbeveranstaltung für das Museum. Ob dieses Buch dafür der richtige Ort ist, wage ich zu bezweifeln.

Im Ergebnis daher eine durchwachsene Bewertung: 2 Sterne für den Inhalt, 1 Stern für die - zugegebenermaßen - hochwertige Verarbeitung (Papier und Bindung).
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