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Kundenrezension

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein imposanter Don Carlos, 21. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: The Originals - Don Carlos (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Was lange währt, wird endlich gut: Nun hat nach langem Warten diese großartige DON CARLOS-Aufnahme einen würdigen Platz in der repräsentativen Serie "Originals" gefunden.
Sir Georg Solti (1912-1997) war über Jahrzehnte, zumindest ab dem Jahr 1960, ein Dirigent von internationaler Bedeutung und Ausstrahlungskraft und in dieser Beziehung zu seiner Zeit nur mit Herbert von Karajan und Leonard Bernstein zu vergleichen. Mich persönlich hat er, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als Operndirigent stets mehr zu überzeugen gewusst als mit seinen zahlreichen Aufnahmen auf dem Gebiet von Symphonie, Konzert und Oratorium.
Wenn ich seine riesige Operndiskographie Revue passieren lasse, so ist die hier zur Diskussion stehende DON CARLOS-Aufnahme aus dem Jahr 1965 eine seiner beeindruckendsten überhaupt. Solti war übrigens m.W. der erste Dirigent, der das Werk völlig strichlos aufnehmen ließ. Man kann seine Version als eine wahre Sternstunde in der Rezeptionsgeschichte der Oper bezeichnen.
Nicht zuletzt stand ihm ein einzigartiges Sängerensemble zur Verfügung, in dem keine ernsthaften Einbußen zu verzeichnen sind, selbst wenn man bei Renata Tebaldi einige Probleme mit den hohen Tönen feststellen muss und vielleicht auch mit Dietrich Fischer-Dieskau als Marquis de Posa nicht ganz einverstanden ist, obgleich er eine stimmschöne und rollendeckende Gestaltung abliefert.
Die übrigen drei Hauptpersonen sind auf jeden Fall von erster Qualität. Zunächst ist Carlo Bergonzi in der Titelpartie zu rühmen. Er war, wie ich schon mehrfach angemerkt habe, unbestritten der geschmackvollste und stilreinste italienische Tenor der zweiten Jahrhunderthälfte, und hier übertrifft er auch Plácido Domingo deutlich, obgleich dieser in der Giulini-Aufnahme (EMI) eine seiner besten Leistungen in Gesamtaufnahmen abgeliefert hat. Bergonzi macht das jugendliche Feuer und die Tragik der Figur auf ganz unnachahmliche Weise deutlich. Eine wahre Traumbesetzung! Die Amerikanerin Grace Bumbry, uns allen vom Bayreuther Grünen Hügel wohlbekannt, singt eine großartige Eboli, die sich hinter keiner anderen zu verstecken braucht. Ihr "Lied vom Schleier" singt sie in feinster Abstufung, und ihre gewaltige Arie im 4. Akt wird mit Leidenschaft und Feuer dargeboten. Ein weiterer Höhepunkt ist der junge Nicolai Ghiaurov in der Rolle des Königs Philipp. Seine große Arie "Sie hat mich nie geliebt" ist wunderbar gestaltet und kann stimmlich den Vergleich mit seinem Landsmann Boris Christoff in jeder Beziehung aushalten, wenn ihm auch die psychologische Durchformung der Rolle nicht ganz so überzeugend gelingt wie seinem älteren Kollegen. Sehr erfreulich ist, dass er in dem Finnen Martti Talvela als Großinquisitor einen ebenbürtigen Partner hat. Ihre große Auseinandersetzung im 4. Akt wird zum wahren Duell der Giganten.
Die kleineren Partien sind ebenfalls bestens besetzt, hervorheben möchte ich noch Tugomir Frank als Mönch und Joan Carlyle als klangschöne Stimme vom Himmel.
Soltis Aufnahme ist eine hochklassige Alternative zu Carlo Maria Giulinis schon erwähnter Produktion von 1971, die gleichfalls mit den Kräften der Covent Garden Opera London aufwarten kann und auch die fünfaktige Fassung bietet. Vereinfachend könnte man sagen, dass Solti mehr Gewicht auf die dramatischen Aspekte des Werkes legt als sein italienischer Kollege, der dafür den lyrischen Momenten der Partitur mehr Raum gibt. Soltis Dirigat ist unopulent und dezent, erfüllt aber die großen Chorszenen, wie das berühmte Autodafé, mit einzigartiger Dramatik. Andererseits ist es ein Erlebnis für sich, wie feinsinnig und kammermusikalisch er das Vorspiel zur Gartenszene des zweiten Aktes ausformt.
Sehr zu begrüßen ist die ausgeglichene, ganz unspektakuläre Aufnahmetechnik, die für diese neue Ausgabe in der Serie "Originals" noch einmal mit bestem Erfolg digital aufgefrischt wurde. Das beigefügte Textheft enthält das italienische Libretto mit englischer Übersetzung sowie eine kurze dreisprachige Werkbeschreibung. Das ist zu begrüßen, aber leider nicht genug. Ich vermisse eine deutsche Übersetzung des Operntextes, die der alten LP-Ausgabe beilag, und einen Hinweis auf die interessante, sehr schwierige Entstehungsgeschichte des Werkes sucht man gleichfalls vergeblich. Da hätte sich Decca bei der EMI-Konkurrenz eine Scheibe abschneiden können, die ihre "Great Recordings of the Century" mit großzügigeren Textbüchern ausstattet. Das ändert nichts an der Tatsache, daß ich diese Neuauflage als eine der besten in der gesamten "Originals"-Reihe ansehe.
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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.03.2009, 01:42:33 GMT+1
Polarfuchs meint:
Herzlichen Dank für diese wundervolle Rezension!
Ich konnte nicht anders und habe mir heute diese Aufnahme besorgt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.03.2009, 20:10:50 GMT+1
K. Friedgen meint:
Hallo Polarfuchs,
es freut mich, dass ich Ihnen bei der Entscheidung zum Kauf eines "Don Carlos" behilflich sein konnte.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser hervorragenden Aufnahme!

Veröffentlicht am 02.04.2009, 15:51:31 GMT+2
Falstaff meint:
Hallo Herr Friedgen,

vielen Dank für diese ausführliche und informative Rezension einer zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Aufnahme. Ihrer positiven Bewertung kann ich mich nur anschließen. Leider hat sich ein kleiner Fehler in Ihre Rezension eingeschlichen. Das Textheft enthält das vollständige Libretto und nicht, wie Sie geschrieben haben, die vollständige Partitur.

Liebe Grüße
Falstaff

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.04.2009, 20:52:34 GMT+2
K. Friedgen meint:
Hallo Falstaff,
vielen Dank für Ihre freundliche Zuschrift.
Sie haben natürlich recht, es liegt nicht die Partitur, sondern das Libretto bei. War ein Denkfehler. Ich habe das sofort korrigiert und hoffe, dass amazon die Berichtigung schnell übernimmt. Danke für den Hinweis und
alles Gute
K.H. Friedgen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.06.2009, 16:25:44 GMT+2
Lieber Herr Friedgen,

vielen Dank für Ihre schöne Rezension. Wie so oft kann ich mich nur Ihrem Urteil anschließen.
Allerdings ist mir ein kleiner Fehler aufgefallen (falls ich mich irre, bitte nichts für ungut): Von Renata Tebaldi existiert meines Wissens nach keine frühere "Don Carlo"-Aufnahme unter Alberto Erede. Da sie die Partie auch niemals live gesungen hat, glaube ich, kann es sich auch um keinen Live-Mitschnitt handeln.
Falls doch, wäre ich um jeden Tip dankbar!

Liebe Grüße
Kunz Vogelgesang

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.06.2009, 20:00:16 GMT+2
K. Friedgen meint:
Lieber Herr Vogelgesang,

herzlichen Dank für Ihre Zustimmung.
Sie haben natürlich vollkommen recht: Es gibt keine ältere DON CARLO-Aufnahme mit Renata Tebaldi und Erede. Ich habe da einfach was durcheinander gebracht, hatte die ältere OTHELLO-Aufnahme gemeint. Werde meine Besprechung sofort ändern. Danke für Ihren Hinweis.
Herzlichen Gruß
Ihr K.H. Friedgen

Veröffentlicht am 25.03.2015, 20:01:13 GMT+1
Falstaff meint:
Vor kurzem habe ich diese Aufnahme erworben. Ihrer Bewertung der künstlerischen Leistungen stimme ich voll und ganz zu. Dagegen kann ich Ihre Einschätzung, dass die CD-Box ein "sehr ansprechendes Textheft" enthalten würde, überhaupt nicht teilen. Das Booklet enthält neben dem Libretto (italienischer Originaltext mit englischer Übersetzung) lediglich eine dreisprachige Inhaltsangabe. Gerade bei einem Werk wie dem "Don Carlo" mit seiner komplizierten Entstehungsgeschichte und seinen verschiedenen Fassungen wären Anmerkungen zur Werkgeschichte sehr hilfreich. Andere Decca-Operngesamtaufnahmen aus der Originals-Reihe sind übrigens viel informativer und opulenter ausgestattet (Salome, Elektra, Moses und Aaron, Guglielmo Tell, Boris Godunow oder mehrere Janacek-Opern mit Mackerras).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.03.2015, 14:44:07 GMT+1
K. Friedgen meint:
Hallo Falstaff,

danke für Ihre ausführliche Stellungnahme. Sie haben natürlich recht, wenn Sie das Booklet der CD-Ausgabe mit dem der originalen LP-Kassette vergleichen. Aber immerhin liegt der CD-Box das komplette italienische Libretto mit englischer Übersetzung bei, die Inhaltsangabe ist zwar knapp, aber doch immerhin dreisprachig. Die Entstehungsgeschichte bleibt leider außen vor, und das ist bedauerlich. Ich werde den Text der Rezension korrigieren, damit alle, die eine deutsche Übersetzung des Textbuchs erwarten, vorgewarnt sind.
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Ort: Burgbrohl, Rheinland

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