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Kundenrezension

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine tolle Liebesgeschichte mit ein paar Längen, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Himmelsfern (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Noa spielt gerne mit dem Feuer. Ihre Leidenschaft ist der Tanz mit den brennenden Poi. Jedes Training und jeder Auftritt stellen ein enormes Risiko dar und die Angst scheint stets mitzuschwingen. Doch wenn sie sich einmal überwindet und sich ganz den Flammen überlässt, verschwindet die Welt um sie herum und sie wird eins mit dem Feuer. So ähnlich fühlen sich für Noa auch die Begegnungen mit Marlon an. Sie kennt das Risiko und sie weiß, dass ihnen nicht viel Zeit bleibt, dennoch lässt sie sich mit all ihrer Liebe auf ihn ein. In wenigen Wochen wird er sich verändern, er wird vergessen. Er wird sie vergessen! Oder ist Noa Marlons letzte Chance?

Meinung
Der Schreibstil ist ungewohnt anders. Ich ziehe nicht gerne Vergleiche zu anderen Büchern, da es aber hier um die selbe Autorin geht und es mir förmlich ins Auge gesprungen ist, muss ich es erwähnen. Hätte auf dem Buchdeckel nicht der Name „Jennifer Benkau“ gestanden, wäre ich jede Wette eingegangen, dass es nicht von ihr stammt. Der Schreibstil ist völlig untypisch für sie. Am Anfang hat mich das erschreckt, mittlerweile sehe ich das eher positiv. Denn was für ein Genie muss man sein, den Schreibstil so zu verändern, dass er derart konform mit der Geschichte geht? Sie schreibt hier sehr jugendlich, beinahe ein wenig kindlich mit einigen Kraftausdrücken. Es wirkt alles sehr einfach gehalten, dennoch mysteriös und geheimnisvoll oder gerade deshalb? Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich es, wie gesagt, sehr passend und es ließ sich flüssig lesen.

Die Geschichte ist seltsam. Die erste Hälfte fand ich grandios. Es war sehr geheimnisvoll und man wurde die ganze Zeit über im Dunkeln über Marlons Daseinsform gelassen. Ab und zu hat man einen unfertigen Brocken hingeworfen bekommen, der ein paar wenige Details preisgab, den Rest konnte man sich dazu dichten oder warten. Auch wenn der Handlungsverlauf im Grunde nicht spannend war, erzeugte diese mysteriöse Stimmung eine kribbelige Gänsehaut und eine vorerst unterschwellige Neugier nagte sich nach draußen. Bald schon war ich an dem Punkt angelangt, dass ich einfach nur noch die Wahrheit wissen wollte, was absolut mit den Gedanken der Protagonistin übereinstimmte. Als ich dann endlich erfuhr, was es mit dem geheimnisvollen „Fremden“ auf sich hat, war ich enttäuscht und empfand es als seltsam. Ich habe schon die ganze Zeit in die richtige Richtung gedacht und dennoch war es schließlich ernüchternd. Ab dann begannen einige Passagen, die sich sehr in die Länge gezogen haben und somit den Lesefluss ein wenig störten. Es gab die gesamte Zeit über einige unnötige Passagen, bei denen ich bis jetzt noch keinen Sinn sehe. Allerdings ist das reine Geschmackssache. Die Idee an sich ist schon originell, erinnert mich jedoch an eine andere Geschichte, die ich sehr mochte. Für mich persönlich war die ganze Entwicklung etwa nach der Hälfte einfach seltsam. Hinzu kommt, dass mir bis zum Schluss eine bestimmte Sache einfach nicht schlüssig erschien. Es wollte sich nicht in die Geschichte einfügen und war befremdlich, aber ich möchte nicht zuviel verraten, also lest es selbst. Absolut positiv zu erwähnen ist die Grundstimmung. Ein wenig düster und die Ausweglosigkeit ist ein ständiger Begleiter. Trotz allem leuchtet das helle Licht einer jungen Liebe. Ich war von Anfang an angetan von den vielen Gefühlen, ob positiv oder negativ, sie waren immer authentisch. Es beginnt alles so zögerlich und schroff, dennoch spürt man von Anfang an diese besondere Verbindung. Die Liebesgeschichte war für mich das Highlight des ganzen Buches. Frau Benkau versteht es einfach auch, die Gedanken und Gefühle der Liebenden wunderbar treffend zu beschreiben und ihnen einen besonderen Zauber zu verleihen. Ein wenig hat mich die knisternde Stimmung zwischen Noa und Marlon über die Längen hinweggetröstet.
Das Ende muss ich gesondert erwähnen, denn es war genial und wundervoll. Dieses wahnsinnig emotionale und tolle Ende tröstet ebenfalls über so manche Langatmigkeit hinweg und lässt mich zufrieden zurück. An dieser Stelle hat die Autorin mal wieder ihr Händchen für das perfekte Ende gezeigt.

Die Personen mochte ich fast von Anfang an. Noa ist ein intelligentes, starkes Mädchen mit einer unschönen Vergangenheit. Sie musste früh erfahren, was es bedeutet ohne Mutter aufzuwachsen, nicht weil sie keine hatte, sondern weil besonders tragische Umstände eine normale Mutter – Tochter – Beziehung nicht möglich machten. Sie lernte also zeitig verantwortungsbewusst zu handeln. Ihr Vater lässt ihr dabei, bis dato, auch viel Freiraum. Sie ist zielbewusst, risikofreudig und immer auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Ich mochte ihre sture Art den Dingen auf den Grund zu gehen. Jede Widerrede führte bei ihr ins Leere. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, wurde es auch so, wie sie es wollte. Sie wirkt stets überzeugend und hat immer einen frechen Spruch oder schlagende Argumente in petto. Sie ist sehr loyal und kippt in schwierigen Situationen nicht gleich. Selbst die ständige Ausweglosigkeit lässt sie nicht verzagen. Andere Menschen würden daran kaputt gehen, doch Noa, die das Risiko liebt, geht bewundernswert mit der Situation um. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Marlon’s Einstieg in die Geschichte ist ein wenig typisch. Der geheimnisvolle Typ erweckt sofort das Interesse des Mädchens. Er scheint perfekt zu sein, doch beim näheren Hinsehen ist das absolut nicht der Fall. Eigentlich will er nicht, dass sie ihm zu Nahe kommt und umgekehrt und dennoch lässt es die magische Anziehungskraft nicht zu, sich voneinander fernzuhalten. So langweilig beziehungsweise ausgeschöpft sich das jetzt anhören mag, hier hat mich die Neugier mit einer Geschwindigkeit überrannt, dass es mir einfach egal wurde. Es ist schlicht und ergreifend schön und Marlon nach kurzen Startschwierigkeiten recht liebenswert. Er hat einen unbändigen Beschützerinstinkt, eine starke Fassade, die er nahezu die ganze Zeit aufrecht erhält und trotzdem schlummert da ein Kern, auf den es sich lohnt zu schauen. Er betrachtet Noa auf eine Weise, die purer Faszination gleichkommt, dabei ist er eigentlich das Phänomen. Seine warmherzige Art, die er hinter einer tosenden Wand von Wut verbirgt ist durchaus interessant. Allerdings war der Umgang mit seinem Bruder in meinen Augen anfangs einfach nur nervig. Später werden diese Handlungsweisen aber recht gut erklärt.

Fazit
Himmelsfern von Jennifer Benkau ist ein Buch, was sich schwer beschreiben lässt. Es vereint viele Emotionen und zeigt eine fremde, für mich recht seltsame Begebenheit. Eine tolle, authentische Liebesgeschichte mit ein paar Längen im Handlungsverlauf, lässt mich trotzdem zufrieden zurück. Die Autorin ist einfach grandios und dieses Buch eine sehr gute Unterhaltung.
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