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Kundenrezension

am 24. April 2009
Kaum eine Bob Dylan-Platte ist mit größerer Nervosität erwartet worden als diese. Seine vorangegangen CDs haben das Hörerinteresse vervielfacht, die gegenwärtige Europa-Tournee treibt ihm Abend für Abend ein großes Publikum zu, Zeitungen und Magazine überbieten sich seit Wochen mit Interviews, Berichten und Rezensionen. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung zeigt sich Bob Dylan im Vollbesitz seiner künstlerischen Ausdruckskraft und überrascht zudem mit einer ungeahnten Vitalität.

Eines ist sicher: "Together Through Life" ist kein Konsensalbum, und es kann wohl auch nie eines geben. Viele unter Bob Dylans Hörern gewinnen seinen frühen Platten am meisten ab, andere schätzen besonders die Alben der zweiten Phase, beginnend mit "Subterranean Homesick Blues" bis zu "Blonde on Blonde". Manche lieben seine christlichen Platten, nicht wenige schätzen besonders die in den Neunzigern entstandenen Aufnahmen. Wiederum andere sprechen mehr der Hinwendung zur amerikanischen Roots-Music zu, die Dylan auf seinen jüngsten Alben vollzogen hat.

Insofern gibt es kein einheitliches Fan-Publikum, auch wenn viele seiner Stücke für -zig Millionen Menschen auf der Welt die Begleitmusik ihres halben Lebens sind. (Besonders bei Bob Dylans Konzerten zeigt sich, dass Popmusik inzwischen sehr viel weniger mit Jugendkultur zu tun hat als in den vergangenen Jahrzehnten.) Deshalb ist auch diese CD kein Album, auf welches sich alle verständigen können. Was Bob Dylans Hörer undessen gemeinsam haben, ist sicherlich ihr Sinn für Substanz und ihre Freiheit, sich immer wieder überraschen zu lassen.

In den Texten und der Musik dieser Platte spiegelt sich eine ungewöhnliche Fähigkeit zur Beobachtung und Beschreibung sowie ein lebhaftes, sehr präzises Gespür für jene spezielle Atmosphäre, die sich mit den Geschicken der (des?) Protagonisten seiner Songs verbindet. Man fängt an, gleichzeitig zu denken und zu fühlen - das erreicht längst nicht jeder, der sich hinter ein Mikrofon stellt. Musikalisch sind auf dieser CD keine Pioniertaten zu erwarten, neu ist nur, von wem sie kommen. Es ließe sich denken, Dylans neue CD knüpfe an den großen Erfolg des Vorgängers "Modern Times" an, doch nur der Impetus ist vergleichbar.

Statt dessen strebt "Together Through Life" in eine neue Richtung und gewinnt vermittels seiner Instrumentierung sehr viel an Wärme. Seine Spiritualität schimmert immer noch durch, wenngleich er weit weniger direkt ist, als auf den Alben der Achtzigerjahre. Auf der gegenwärtigen Dylan-Tournee hat mich der grandiose Multi-Instrumentalist Donnie Herron sehr beeindruckt, wenngleich seine Einsätze in Ermangelung tontechnischer Sorgfalt allzu leicht unterzugehen drohten. Neben seiner entzückenden Mandoline wird hier dem Akkordeon ein großer Stellenwert beigemessen. Kein Titel kommt ohne David Hidalgos farbenreich melodiöse Quetschkommode aus, die das Album auf ein angenehmes Latino-Feeling hebt.

Im Mittelpunkt dieser Platte steht denn auch jene etwas düstere Ballade "Life Is Hard", die Dylan für den Film "My Own Love Song" des französischen Regisseurs Oliver Dahan geschrieben hat. Das Coverfoto der CD stammt aus einer Serie von Aufnahmen von Bruce Davidson, mit der der Künstler in den späten Fünfzigerjahren die Zerrissenheit und Ziellosigkeit einer Brooklyner Jugendgang festgehalten hat. Einigen Literaturfreunden wird es vielleicht vom Umschlag der Paperback-Ausgabe des Buches "Big Bad Love" bekannt sein, einer Sammlung von Kurzgeschichten des 2004 verstorbenen Autors Larry Brown, von dem Dylan - wie er selbst sagt - "jedes Wort" gelesen hat, das dieser je veröffentlicht habe.

Die hier versammelten Bluesnummern und Balladen erzählen Geschichten, mit denen sich Dylan von seiner romantischen Seite zeigt. Die Stücke atmen die feuchte Hitze der Südstaaten, wo der gefühlswunde Grundton des Albums zu Hause ist. Der etwas schleppende Rhythmus, den Schlagzeuger George Reciles vorgibt und Tony Garniers druckvoller Standbass verpassen dem Zusammenspiel jenen unverkennbaren Tex-Mex/Cajun-Shuffle, der sich durch das ganze Album zieht. Etwas von der Ursprünglichkeit des lateinamerikanischen, leidgeprüften Kontinents und seiner unbändigen Hoffnung auf ein Leben in Würde scheint in dieser Musik auf.

Bob Dylan hat die meisten Texte dieses Albums gemeinsam mit Robert Hunter geschrieben, der sich neben seiner Arbeit als Übersetzer quasi als "Haustexter" für Grateful Dead einen Namen gemacht hat. Dylan hat den ausgesucht poetischen Worten ein angemessenes musikalisches Gewand gegeben. Man muss aber schon sehr fähige Musiker um sich haben, um eine solch wrappierende Dynamik und einen dermaßen geschlossenen Sound aufzubringen.

Bestimmt hätten die beiden genialen Tour-Gitarristen Denny Freeman und Stu Kimball hervorragend ins Konzept dieses Albums gepasst. Doch auch Mike Campbell von den "Heartbreakers" ist eine gute Wahl. Seine Lead-Gitarre mit einem alten Röhren-Amp zu verstärken, gehört zu den besten Ideen dieser Produktion. Indem er der Aufnahme einen gleichsam urbanen Charme verleiht, lässt Campbell den Hörer beinahe das 21. Jahrhundert vergessen.

Bob Dylan singt unverhofft tongenau und sieht - sehr im Sinne eines lebensnahen, authentischen Gesamtbildes - über manchen Verspieler hinweg. Unter dem Pseudonym Jack Frost hatte er bei dieser CD selbst die Finger an den Reglern. Seine disziplinierte Produktion vermittelt eine ganz intensive Präsenz. Es ist dabei ein Album entstanden, das einer großen Liebe zum amerikanischen Süden (nach eigenem Bekunden nicht so sehr als geografischem, sondern eher als einem empfundenen Ort) Ausdruck verleiht, ideenreich in jeder Hinsicht.

"Together Through Life" ist zweifellos eine sehr persönliche Platte, die den Schmerz und den Verlust, aber auch Güte, Ehrgefühl und Nächstenliebe als feste Bestandteile des Lebens zum Gegenstand hat. Wem die Auskopplung "Beyond Here Lies Nothing" gefällt, wird Titel wie "Forgetful Heart", "Life Is Hard" und "I Fell A Change Comin' On" mögen und geht kein Kaufrisiko ein. Eine sehr schöne CD, die ihre Zeit weit überragt und der man die Aufmerksamkeit vieler Hörerinnen und Hörer wünscht.
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