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Kundenrezension

am 24. Mai 2011
In dieser Monographie wird der Versuch unternommen, die evolutionsbiologischen Grundlagen der menschlichen Kultur zu erarbeiten. Der Ansatz ist metatheoretisch und interdisziplinär. Eine der Leitthesen ist die Annahme der Interdependenz von genetischen Dispositionen und kultureller Umwelt.

Eibl erläutert zunächst die Unterschiede zwischen protokulturellen Phänomenen im Tierreich und der symbolisch-kommunikativen Menschenkultur, entkräftet einige Vorurteile gegen die Evolutionstheorie und beschreibt die Kernaufgaben und methodologischen Probleme von Ethologie, Soziobiologie, evolutionärer Psychologie und Erkenntnistheorie. Er definiert wichtige Fachbegriffe: 'proximat', 'ultimat', 'Intentionalität', 'Teleologie' und übt scharfe Kritik sowohl an der "Intelligent-Design-These" der Kreationisten als auch am "psychodydraulischen Triebmodell" Freuds. Zwischen Angeborenem und Erworbenem besteht grundlegende Interdependenz. Es gibt kein Jenseits des Genoms, aber dieses selbst hat Platz für kulturspezifische Variablen. Der Mensch besitzt offene Verhaltensprogramme, die nur aus einem Suchimpuls und einem kleinen Satz von Suchregeln bestehen, was einerseits die "kaskadierende" menschliche Kultur ermöglicht, andererseits aber auch die Konstruktion von Weltdeutungen und Verhaltensimperativen (Moral) erzwingt. Eibl kritisiert Anthropomorphisierungen und bringt Beispiele für "naturalistische Fehlschlüsse".

In den Fokus geraten: das Problem der menschlichen Aggressivität, die Abhängigkeit der Triebe von Umweltbedingungen, der spezifisch menschliche "Hiatus" zwischen Impuls und Handlung, das Problem der Instinkte, Willensfreiheit, Bewußtsein und 'Ich'. Anschließend ein Parforceritt durch die Anthropogenese, Problematisierung von Verwandtenbegünstigung, 'reziprokem Altruismus' und 'Gruppenselektion'. Menschliche 'Gesellschaft' wird erst durch konventionelle arbiträre 'Zeichen' möglich. Die inhaltliche Fixierung 'offener Programme' erfolgt durch Erzeugung von 'Disgregationsangst'. Unsere Anpassung an die Welt des Pleistozäns führt in der Moderne zum 'Unbehagen in der Kultur'. Eibl erforscht die Hintergründe und wendet sich dann der Entstehung der Sprachfähigkeit zu.

Wichtigstes Merkmal der propositionalen Symbolsprache ist die Ausdifferenzierung des Sachbezugs. Erst durch ihn wurde die technische Kultur möglich, ebenso die Vergegenständlichung von Gedanken, Emotionen und Begriffen. Eine Art "Sperrklingeneffekt" erlaubte kumulierende kulturelle Fortschritte, allerdings hauptsächlich im technischen Bereich und mit unerwarteten Folgekosten. Mit der Schrift entstehen 'exosomatische Wissensspeicher', die leider auch veraltetes und falsches Wissen enthalten, wodurch die Einführung von Gültigkeitskriterien nötig wurde. Kulturen entstehen auf der Basis von Erzählungen. Eibl untersucht die angeborenen Ganzheitserwartungen verschiedener Schemata und Plots und ihren Überlebensvorteil: Eine Gattung mit offenen Programmen muß im Bewußtsein zahlloser Alternativen Entscheidungen treffen, und dazu bedarf es eines Ichs. Das ich ist ein Aggregat von Geschichten, und Literatur/Dichtung ist eines der Scharniere, mittels derer das Ich sich auf die Gesellschaft einstellt.

Können Fiktionen evolutionär nützlich sein? Eibl meint, ja, denn vom Instinktdruck befreite Wesen, die große Planungsräume bewältigen müssen, benötigen Rituale und Spiele zur Rhythmisierung des Lebens. Deshalb entstand das Ästhetische als zusätzliche Sprachfunktion. Es dient der Kartierung der Welt, führt aber auch zu verhängnisvollen Täuschungen. Anschließend geht er der Frage nach, ob Kunst einen Vermehrungsnutzen hat. Vergangenheits-, Zukunfts- und Kontingenzbewußtsein haben beim Menschen einen verheerenden Dauerstreß erzeugt, der mit Kunst, Musik und Geschichten abgebaut werden konnte. Und Religionen befriedigen das menschliche Sicherheitsbedürfnis, indem sie Nichtwissen so kodieren, daß es wie Wissen aussieht. Eibl wendet seine Lusttheorie auf unsere zeitgenössische Medienlandschaft an, entwickelt die Bedeutung von Spielen und 'entpflichteter Sprache' für die menschliche Kultur und faßt abschließend seine literaturtheoretischen Überlegungen zusammen.

Von diesem gewaltigen, vielschichtigen Werk in einer Rezension auch nur einen oberflächlichen Eindruck zu vermitteln, ist ein Ding der Unmöglichkeit! Der Autor vermittelt seinen Lesern den vollständig erarbeiteten Forschungsstand zahlreicher Disziplinen kohärent und ausgezeichnet verständlich. Sein Stil ist angenehm und sogar unterhaltsam. Dies ist eines der ganz wenigen Bücher, von denen ich mir wünsche, daß jeder Mensch es gelesen haben möge!
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