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Kundenrezension

am 25. Dezember 2011
Ich habe dieses Buch gelesen, da ich erwog, es im Bekanntenkreis zu verschenken an Menschen, denen Prokrastination zu schaffen macht. So habe ich die einzelnen Abschnitte immer wieder mit dem inneren Dialog abgeglichen: "Was würde Frau X und Herr Y dazu sagen, wenn sie oder er das liest oder geraten bekommt?". Fazit bei fast jedem Kapitel: "Nett. Aber was hat das mit mir zu tun? Nichts! Diese Autoren sind scheint's noch nie in komplexere soziale Zusammenhänge eingebunden gewesen."

Das Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo ist sehr amüsant zu lesen, wenn man es als Kabarettbeitrag zur Arbeitsmoral und zu den Phänomenen moderner Technik liest. Oder auch als Satire auf sonst gängige Ratgeberliteratur. Wären sie dabei geblieben und hätten sie es so vermarktet, so wäre es ein prima Buch geworden. Und auch der Anfang ist vielversprechend, solange es darum geht, die gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge zu beleuchten, unter denen das Phänomen Prokrastination auftritt oder möglicherweise verstärkt wird. Wären die Autoren auf dieser Ebene geblieben und von dort aus in die Tiefe gegangen, so hätte es auch ein gutes Buch werden können. Aber das ist ja eben eines der Probleme des Prokrastinierens, nämlich dass kein Tiefgang und keine echte Analyse oder Hilfestellung erreicht wird. Und so wird diese anfängliche Ebene im Buch ganz schnell wieder verlassen. Dort, wo vielleicht wirklich etwas in den Arbeits- und Sozialstukturen im Argen liegt und geändert werden könnte, reißen die Autoren das Thema nur an, um es dann sofort abzuhaken.

Stattdessen geht's dann in die Welt des vermeintlich Ratgebenden und Individuellen. Die sogenannten Erfolgsbeispiele sind aber derart individuell und begrenzt, dass es nur für äußerst wenige Menschen, die tatsächlich unter Prokrastination leiden, etwas aussagen dürfte. Der Adressatenkreis beschränkt sich eindeutig auf die Welt der Studenten, die Hausarbeiten schreiben müssen, auf Wissenschaftler, Autoren oder Künstler, die individuell Texte schreiben o.ä..

Der sehr viel häufigere Fall der wechselseitigen Abhängigkeit mehrerer Menschen (nicht nur des Prokrastinierers) von den Ergebnissen des eigenen Tuns oder Lassens wird weitestgehend ausgeblendet. Ich gebe den Autoren Recht, dass sehr viel Unnötiges getan wird und auch, dass viele Menschen zu wenig auf ihre seelischen Bedürfnisse Acht geben, sobald es ums Arbeiten und Erledigen von scheinbar Dringendem geht. Doch es gibt in dem Buch keine sinnvollen Hinweise, wie man lernt, das Nötige vom Unnötigen zu trennen, wie man am Erforderlichen Spaß haben kann und wie man die Lust- und Unlustsignale der Psyche nutzt, anstatt sie nur einfach hinzunehmen. Und so reduzieren sich die gegebenen Ratschläge im Kern auf das Ausblenden der Tatsache, dass Menschen in sozialen Zusammenhängen leben und arbeiten und darauf, dass kein Versäumnis so schlimm ist, als dass man seine Konsequenzen nicht auch irgendwie überstehen könnte.

Sieht man sich konkrete Arbeitsbeispiele an, so fallen die luftigen Gebäude des Buches in sich zusammen. Wie ist das z.B. mit dem behandelnden Arzt, vielleicht ein Chirurg, der am OP-Tisch nach dem LOBO-Prinzip feststellt: "Es ist für mich gerade nicht der richtige Moment." Oder: "Ist ja nicht so schlimm, wenn ich die ersten 20 Minuten nochmal was anderes mache und beim Zusammennähen etwas hudele."? Oder im technischen Bereich: Ein Programmierer, der die Deadline für hochsensible Software nicht einhält, weil für ihn noch nicht die richtige Zeit war, verhindert, dass diese Software getestet wird und programmiert indirekt Störfälle.

Als Beispiele für erforlgreiche Übersprungreaktionen nennt das Buch vorzugsweise das Schreiben von Blog-Artikeln. Was aber, wenn am anderen Ende des Netzes die Betreiber gerade der Meinung sind, es sei der richtige Zeitpunkt für Wartungsarbeiten, der Verantwortliche für die Online-Verfügbarkeit müsste jetzt eben mal ein paar Tage prokrastinieren und der Blogger eben solange warten?
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