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Kundenrezension

am 26. April 2006
Das Thema der europäischen Hexenverfolgung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit genießt ungebrochene Popularität. Wolfgang Behringer, einer der Experten der zeitgenössischen Hexenforschung, versucht mit diesem Buch einen allgemeinen Überblick über die Materie zu geben.

Das Buch selbst gliedert sich in vier thematische Abschnitte: "Hexenglaube" (1) untersucht Vorstellungen von Hexerei, Magie und Zauber im interkulturellen Vergleich. Diese finden sich in nahezu allen Kulturen und sind mindestens seit der Antike überliefert, stellen also kein spezifisch europäisches, mittelalterliches Phänomen dar. Der Autor weist anhand verschiedener ethnologischer Arbeiten nach, dass mit diesem Phänomen in verschiedenen Gesellschaften ganz unterschiedlich umgegangen wurde. Großangelegte Hexenjagden sind außerhalb Europas jedoch relativ selten, auch wenn in jüngerer Zeit in Gegenden Afrikas dazu Negativbeispiele angeführt werden können.

"Hexenverfolgung" (2) gibt einen kurzen Überblick über die Herausbildung des Hexentopos ab etwa 1400. In dieser Zeit bildete sich aus Teilen antisemitischer Vorurteile, Ketzereivorstellungen und älterer Ideen von Zauberei und Magie das Bild der Hexe. Als fatal für diese Entwicklung erwies sich sicherlich, dass die Kirche, die lange Zeit dieser Vorstellung distanziert und skeptisch gegenüber gestanden hatte, nun ihre Ansichten änderte. Doch widerspricht es der Komplexität des Themas, hier eine einheitliche Meinung zu unterstellen. Hexereivorstellungen wurden innerkirchlich diskutiert und oft auch von Geistlichen bekämpft. Nur zu oft wurden die Prozesse vom Volk gefordert, und die Obrigkeit kam diesem Bedürfnis nach. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Verweis auf die kleine Eiszeit im 16. Jh., die ein Erklärungsmuster für vergleichbare überregionale Entwicklungen in der Verfolgungsgeschichte trotz bestehender kultureller Schranken bietet.

"Kampf gegen Hexenverfolgung" (3) hingegen beschäftigt sich mit dem Widerstand, den es zu allen Zeiten gegen die Verfolgung der Hexen und Zauberer gab. Interessant ist hierbei, dass sich die Positionen keinen Gruppen zuordnen lassen. Kritik und Befürwortung kamen von allen Seiten. Gerade die Relativierung der Verantwortung der Institutionen betone jedoch im Gegenzug die je individuelle Schuld oder Verdienste.

"Verwertung und Vermarktung" (4) schließlich zeichnet die erneute Veränderung der Vorstellungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart nach. Hexen wurden von Grimm als Bewahrerinnen des deutschen kulturellen Erbes romantisiert, von den Nazis als Opfer der jüdisch-christlichen Kultur postuliert und, daran anknüpfend, im Feminismus als "weise Frauen" zu Leitfiguren der Bewegung stilisiert.

Die Arbeit überzeugt durch Faktenreichtum, allgemeine Verständlichkeit und übersichtliche Gliederung. Angenehm fällt die Ausgewogenheit der Darstellung auf, mit der das Thema angegangen wird, ohne unnötig zu skandalisieren. Den Richtlinien der Reihe entsprechend finden sich im Text zwar keine Fußnoten; durch Nennung der Namen und unter Benutzung der sehr umfangreichen Literaturangabe sollte es allerdings kein Problem darstellen, entsprechende Fakten zu finden. Wer bereits andere Werke des Autors gelesen hat wird hier vermutlich wenig Neues entdecken (aber das ist ja auch nicht der Sinn). Der Empfehlung tut dies jedoch keinen Abbruch, denn hier bekommt man eine sehr gute Einführung in ein schwieriges Thema.
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