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Kundenrezension

Wie ich schon in einer anderen Rezension schrieb: Eigentlich hasse ich Physik. Ich bin also möglicherweise genau die Leserin, die mit solchen Büchern erreicht werden soll. Brian Greene ist das mit seinem ganz hervorragenden Buch tatsächlich gelungen.

Entschieden hatte ich mich für die etwas teurere und von den Ausmaßen her größere Taschenbuch-Ausgabe aus dem Pantheon-Verlag, da andere Rezensenten die Schriftgröße der Goldmann-Ausgabe bemängelten. Und ja: Viel kleiner dürfte die Schrift auch hier nicht sein. Man wühlt sich folglich durch 600 eng bedruckte Seiten hindurch.

Bei "Der Stoff aus dem der Kosmos ist" handelt es sich gewissermaßen um einen Gegenentwurf zu Hawkings Eine kurze Geschichte der Zeit. Und ich finde, er hat es besser gemacht, viel besser sogar. Das liegt meiner Meinung nach wesentlich daran, dass Greene nicht nur den aktuellen Stand der Physik und Kosmologie und dessen historische Vorläufer eingehend darzustellen weiß, sondern sich dabei auch stets bemüht, die zugrunde liegenden Fragen zu stellen und zu beantworten, wobei er oftmals sehr anschauliche Beispiele und Analogien verwendet.

Außerdem hat er sich einen großartigen Schwafelstil zugelegt. Normalerweise mag ich redundante Ausführungen eigentlich eher weniger, hier passen sie aber perfekt, weil sie wirklich zum Verständnis beitragen. Textprobe (86): "Wenn wir uns ausmalen, dass Barney aus seinem Fenster in einen großen Schacht spränge, aus dem wir alle Luft gepumpt hätten, wäre nicht nur der Luftwiderstand aufgehoben; da jedes Atom seines Körpers mit exakt dem gleichen Tempo fiele, wären auch alle äußeren Belastungen, die normalerweise auf ihn einwirken - der Druck, den seine Füße auf seine Knöchel und seine Beine auf seine Hüften ausübten, der Zug seiner Arme an seinen Schultern und so fort -, null und nichtig. Würde Barney seine Augen während des Sturzes schließen, empfände er exakt das, was er fühlte, würde er durch die Dunkelheit des Alls schweben. (Oder falls Ihnen nichtmenschliche Beispiele lieber sind: Wenn Sie zwei mit einem Seil zusammengebundene Steine in den luftleeren Schacht fallen ließen, bliebe das Seil schlaff, genauso wie in dem Fall, wenn die beiden Steine im All schwebten.)"

Solche Wiederholungen und Einschübe könnte man eigentlich weglassen. Allerdings verlöre das Buch dann einen Großteil seines Reizes.

Ferner merkt man dem Autor an, wie sehr ihn das Thema begeistert, was regelrecht ansteckend wirkt. Fast wie ein Kind scheint er sich ständig selbst klarmachen zu wollen, warum das alles so ist, wie es ist, und welche Einwände es vielleicht noch dagegen geben könnte. Mehrmals dachte ich für einen Moment: "Das erklärt jetzt aber eigentlich noch nicht, warum..." Und schon setzt Brian Greene an, um genau das zu erklären. Was gleichzeitig eine wunderbare Bestätigung für den bemühten Leser ist, dass er nämlich den munter daher erzählenden Autor noch nicht ganz verloren hat.

Ich gebe zu, dass dies bei mir dann irgendwann doch geschah. Die Nichtlokalität des Raumes überstieg meine Vorstellungsfähigkeit, die springenden Frösche zur Erläuterung der "nichtverschwindenden" Higgsfelder (bzw. der Higgs-Ozeane) und die sich daraus ergebende Notwendigkeit der Higgs-Bosonen (für deren Nachweis man riesengroße Beschleuniger gebaut hat) trafen bei mir den entscheidenden Punkt nicht (mehrmals dachte ich nur: du brauchst es mir nicht zu erklären: ich werde es eh nicht kapieren). Gleichfalls konnte ich seine Begeisterung für die Inflationsmodelle (die Universen im Hinterhof) nicht teilen und von der Stringtheorie ist dann fast gar nichts mehr bei mir angekommen. Allerdings vermute ich, dass die in seinem Buch Das elegante Universum: Superstrings, verborgene Dimensionen und die Suche nach der Weltformel ohnehin viel eingehender erläutert wird. Mir machte das aber im Grunde nichts aus, da es sich bei dem größten Teil davon um noch nicht gesichertes Wissen handelt, was man stellenweise bereits der Darstellung im Buch anmerkt. Dafür hatte ich aber auf den ersten 300 Seiten des Buches so viel und so nachhaltig gelernt und verstanden, dass sich dies leicht verschmerzen ließ.

Selten hat mir das Buch eines Naturwissenschaftlers so sehr vor Augen geführt, dass die Zeit der klassischen Philosophen zu Ende ist und nun die sog. dritte Kultur die intellektuelle Führung bei Letztfragen übernommen hat. Gott, Sinn, Leben, Zeit etc., bei all diesen Fragen mischen nun munter die Physiker und andere Naturwissenschaftler mit und das zum Teil auf einem ganz anderen Niveau. Brian Greene weiß das auch. Ich konnte mich mitunter nicht des Eindrucks erwehren, er spiele gar damit. Beispiel (155): "So lehrt uns unsere Erfahrung zwei grundsätzliche Dinge über die Zeit. Erstens: Die Zeit scheint zu fließen. Es ist, als stünden wir am Ufer der Zeit, während der mächtige Strom vorbeirauscht, die Zukunft heranführt, die zum Jetzt wird in dem Augenblick, da sie uns erreicht, und an uns vorbei weiter stromabwärts getragen wird, um in der Vergangenheit zu entschwinden. Sie können diese Metapher auch umdrehen, falls sie Ihnen zu passiv ist. Dann treiben wir im Strom der Zeit, während er unaufhaltsam vorwärts rauscht, uns von einem Jetzt zum nächsten trägt, die Uferlandschaften der Vergangenheit hinter uns zurückbleiben und uns flussabwärts die Zukunft immer aufs Neue erwartet. (Unsere Erfahrung hat uns auch gelehrt, dass die Zeit uns zu einigen der blumigsten Metaphern hinreißen kann.)"

Will sagen: Wir Physiker können uns mindestens genauso geschwollen ausdrücken wie echte Philosophen und Literaten, wenn wir denn nur wollen. Meistens wollen wir nicht. In bestem Derrida-Stil wird dann auch noch das Kapitel 10 (311) mit dem Titel "Die Dekonstruktion des Knalls" überschrieben, um darunter fast provokativ den Untertitel zu setzen: "Was knallte?"

Ja, was knallte da eigentlich? Brian Greene legt munter los: "Der Urknall ist eine Theorie, die (...) die kosmische Entwicklung schildert und dabei einen Sekundenbruchteil nach jenem Ereignis beginnt - was immer es gewesen sein mag -, bei dem das Universum entstand. Die Theorie sagt aber nicht das Geringste über den Zeitpunkt null selbst aus. Da nach der Urknalltheorie der Knall am Anfang gestanden haben soll, lässt der Urknall den Knall aus. Er teilt uns nicht mit, was geknallt, warum es geknallt, wie es geknallt und, um ehrlich zu sein, ob es überhaupt geknallt hat."

Das ist einerseits respektlos (immerhin redet hier jemand vom Beginn unseres Universums), andererseits großartig.

5 Sterne auch für die ausgezeichnete Übersetzungsarbeit.
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