Kundenrezension

Rezension aus Deutschland vom 2. Oktober 2016
Der Autor Reuther steckt seit Wochen in einer Schaffenskrise. Seine Romanfigur Nora will sich einfach nicht von der verstaubten, nächtlichen Straße weiterbewegen, auf der sie sich gerade befindet. Immer mehr hat er das Gefühl, die fiktive Gestalt hat ihren eigenen Willen. Erst ein Partybesuch bringt eine Wende in sein Schaffen: Plötzlich wird er bedroht, falls er nicht weiterschreibt. Hin und hergerissen, das Ganze als Humbug abzutun, trifft er bald schon auf die Konsequenzen seiner Skepsis.

Das Buch beginnt mit dem Auszug aus dem Buch von Reuther und der Geschichte um Nora. Dann erst wird Reuther vorgestellt. Da er mit dem Roman nicht weiterkommt – als reicher Erbe aber sehr viel Zeit hat – widmet er sich in Gedanken immer mal wieder seiner Vergangenheit, sodass die ersten Kapitel dazu genutzt werden, seinen Charakter genau zu beschreiben. Unterbrochen werden diese Beschreibungen immer wieder von einigen Auszügen aus seinen Geschichten oder den Kurzgeschichten seines Freundes. Dabei ließen sich die Kapitel um Reuther für mich sehr flüssig und leicht lesen. Immer wieder traten überraschend sarkastische Szenen auf, bei denen ich mich köstlich amüsiert habe. Die abwechselnd niveauvolle Sprache im Wechsel mit einer Alltagssprache hat mir als Schreibstil gut gefallen. Neben den Geschichten, die die Erzählung um Reuther unterbrechen, übernimmt er selbst auch in manchen Kapiteln in Form eines Tagebuchs die Erzählerrolle. Langsam aber sicher geht die Geschichte vom Alltag des Autors über in einen sehr spannenden Thriller und das Cover erschien mir immer passender. Nicht nur sein Leben wird plötzlich von Angst beherrscht, auch Nora gerät von einer Gefahr in die nächste. Die Gefahr für sie schien aber konkreter, als die um Reuther. Der wird erst einmal „nur“ mit Drohemails belästigt. Doch schon bald taucht eine die unbekannte Frau auf, die ihre Drohungen umsetzt. Um wen es sich dabei handelt, ob sie tatsächlich existiert oder ob Reuther sich viele der Ereignisse nur einbildet, bleibt ungewiss. Zusammen einer Kurzgeschichte, die auf den ersten Moment aus dem Zusammenhang gerissen und in die Geschichte geworfen erscheint, bleibt viel Raum für Spekulationen. Von Verschwörungstheorien über psychische Erkrankungen oder übernatürliche Einflussnahme war ich hin- und hergerissen in meinen Theorien. Dadurch musste ich das Buch immer wieder zur Hand nehmen um weiterzulesen. Das Ende empfand dann auch ich als sehr passend.

Fazit: Der Thrill der Geschichte nahm erst langsam seinen Anlauf, war zuerst subtil, fast unscheinbar. Dann aber nahm die Geschichte an Fahrt auf und hat mich dazu gebracht immer mehr an Reuthers Erklärungen zu zweifeln und selbst nach ihnen zu suchen. Dadurch ist es der Erzählung gelungen, mich ganz und gar in ihren Bann zu ziehen und bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Von daher eine absolute Leseempfehlung an alle, die sich gerne von einem Buch fesseln lassen, bei dem die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Realität verschwimmen.
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