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Kundenrezension

am 23. Juli 2010
In Wong Kar-Wais Film über ein Liebespaar, das keines sein darf, gibt es eine Schlüsselszene, die in einer traumähnlichen Sequenz den Magnetismus einer verborgenen Leidenschaft und die Erotik der Andeutung und Verweigerung in einem Bild des Sichverpassens zweier Menschen inmitten eines Augenblicks unerträglicher Nähe aufspürt: Auf einer schmalen Treppe kreuzen sich in nahezu tänzerischer Choreografie die Wege der Nachbarn Su (Maggie Cheung) und Chow (Tony Leung) in einer ambivalenten Atmosphäre aus sehnsüchtiger Hingabe und unüberwindbarer Distanz, weil die gesellschaftlichen Konventionen im Hongkong der 60er Jahre das Verlieben zweier verheirateter Menschen unmöglich machen. Was für den Betrachter zunächst belanglos erscheinen mag, wird von Wong Kar-Wai kaleidoskopartig in einem hochstilisierenden Slow-Motion-Verfahren fokussiert. Untermalt wird diese Szene von einem Violinsolo (Yumeji's Theme) dessen Pizzicato im gemäßigten Walzertempo des 6/8-Taktes die schmale Engführung der grazil aneinander vorbei gleitenden Körper nachzeichnet und in Moll-Akkorden die Melancholie der unerfüllbaren Liebe beschreibt. Es ist die für das Schaffen des Autorenfilmers Wong Kar-Wai so typische "Erotik der Enttäuschung", die hier einzigartig visualisiert wird.

Im Jahr 1962 lernen sich Su und Chow in Hongkong als Mieter im gleichen Haus kennen. Dass der Einzug am gleichen Tag stattfindet, verleiht ihrer Begegnung von Anfang an etwas Schicksalhaftes. Beide sind von Einsamkeit befallen, da ihre Ehepartner permanent abwesend sind. Diese Verlassenheit im Alltag beginnt die zwei wie Seelenverwandte miteinander zu verbinden. Sie entwickeln füreinander unausgesprochene Gefühle, halten aber trotz der Sehnsucht nach Liebe, die sie ständig umgibt, an den gefassten Prinzipien des Anstandes fest, ohne sich in bedachter Gefühlskontrolle auch nur einen Hauch an körperlicher Nähe zu gestatten. Und das obwohl sowohl Chow als auch Su in Wahrheit Betrügende und Betrogene zugleich sind. Denn sie finden heraus, dass ihre beiden Ehepartner, die im Film kaum zu sehen sind, aber dennoch immer wie ein Schatten über der Handlung liegen, eine Liaison miteinander eingegangen sind. Die Liebe von Chow und Su bleibt jenseits der Bilder und Worte im Film im Ungesagten und Ungezeigten zurück und wird so der Suggestivkraft des Betrachters überlassen. Das Begehren des Zuschauers mehr zu sehen, steht im engen Kontext mit der unerfüllbaren Sehnsucht der beiden Protagonisten füreinander.

"In The Mood For Love" dringt mit einer unglaublichen Sogkraft tief ins von Traditionen geprägte chinesische Milieu dieser Zeit ein. Die Enge des dicht besiedelten Raumes des Mietshauses gründet Beziehungen und verhindert diese zugleich. Nachbarn bilden ein soziales Umfeld der Kontrolle, das streng über die Einhaltung der Sitten wacht. So muss Su unfreiwillig bei Chow übernachten, weil sie dessen Zimmer nicht unbemerkt verlassen darf. Die Kameraarbeit von Pin Bing Lee inszeniert dieses Milieu mit einer herausragenden Bildästhetik. Er arbeitet mit einer Kadrierung, die das Wesentliche ausblendet bzw. nur andeutet. Raumdekorationen, Vorhänge und Unschärfen verstellen regelmäßig die Sicht. Der Blick in die Gesichter wird verweigert und richtet sich stattdessen auf Nebensächlichkeiten. Kryptische Parallelfahrten durch die Räume erzählen vom Zerfließen der Zeit. Zigarettenqualm steigt empor, Regen bricht diffus das Licht der Straßenlaternen, Bewegungen in Zeitlupe gefrieren zu Standbildern, Figuren können nur indirekt über Spiegel fokussiert werden, Perspektiven blicken von außen durch Fensterscheiben in komplex verschachtelte Interieurs - all das scheint in einer melancholischen Stimmung der Nostalgie durch ein Prisma der Erinnerungen fotografiert. Bis ins kleinste Detail rekonstruiert der Film in der Ausstattung diese Epoche und ihr soziales Dekorum. So reflektiert sich an der Oberfläche von Teetassen, Lampenschirmen und Wanddekorationen die chinesische Gesellschaft der 60er Jahre. Die Kostümierung von Maggie Cheung fügt sich dem nahtlos ein. Gleich mal über 20 verschiedene Kleider verpassen die Ausstatter ihr in diesem Film. Alle nach individuellen Stoffen gemustert, aber typisierend nach dem gleichen Schnitt angefertigt: Hochgeschlossen mit einem Stehkragen, ärmellos, knielang und einer Körper betonten Passform, die eine elegante Haltung erfordert. Eine schwarz glänzende Hochsteckfrisur rundet das Erscheinungsbild der Su ab, die sowohl feminine Reize als auch sexuelle Repression in sich verkörpert. Der Soundtrack verstärkt die Sogkraft von Sehnsucht und Verlust. Sieben mal wird Umebayashis "Yumeji's Theme" wiederholt und bildet so gewissermaßen den Refrain des Films. Neben klassischen asiatischen Motiven umgarnen auch westliche und lateinamerikanische Einflüsse die Musik und zollen so dem Seelenleben der Hauptfiguren Tribut. So unterstreicht Nat King Cole mit "Quisas Quisas Quisas" die ungewisse und unbestimmte Zukunft.
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