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Kundenrezension

42 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen HIV Rodeo, 10. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Dallas Buyers Club (DVD)
(Kinoversion)

Ich lerne das irgendwann noch…bestimmt. Nicht mehr auf die monströse Marketing-Maschinerie der Amerikaner hereinzufallen, die regelmäßig mittelmäßige bis gute Filme dermaßen über den grünen Klee lobt, dass man wahrlich meint, etwas elementar Grandioses zu verpassen, wenn man nicht sofort in das hochgelobte Werk rennt. Schauspieler, die sich runterhungern oder fett fressen, sich hinter plastischen Maskeraden verbergen oder auch nach Drehschluss "in der Rolle" bleiben. Doch was tatsächlich manchmal funktioniert ("Monster", "The Machinist"), klappt bei "Dallas Buyers Club" nur bedingt. Hauptdarsteller Matthew McConaughey gelingt es in dem 117minütigen Film kein einziges Mal, mit seiner Darstellung von seinem immensen Gewichtsverlust abzulenken, so dass man fortwährend nur von seiner abgemagerten Gestalt fasziniert ist, nicht aber von seinem (zweifelsohne guten) Spiel. Die fehlende Emotionalität oder auch die nur bedingt vorhandene Empathie mit den traurigen Gestalten tun ein Übriges, um aus "Dallas Buyers Club" zwar gutes, aber eben nicht herausragendes Schauspielkino zu machen.

Der Texaner Ron Woodroof (Matthew McConaughey, "Der Mandant", "Magic Mike") ist Elektriker, Rodeoreiter, Drogenkonsument und Weiberheld. Sein ungezügelter Lebenswandel bringt ihm anno 1985 die damals noch als "Schwulenkrankheit" verschriene Virusinfektion HIV ein. Der homophobe und konservative Woodroof ist schockiert, besonders, als ihm seine Ärzte nur noch 30 Tage Restleben prognostizieren. Er beginnt widerwillig, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen, was dazu führt, dass er sich weigert, das einzige damals verfügbare Medikament gegen die Immunschwäche, AZT, einzunehmen, da die Nebenwirkungen noch viel zu wenig erforscht sind. Er erfährt, dass es zum Beispiel in Mexiko alternative Medikamente zur HIV-Behandlung gibt, die aber in den USA nicht zugelassen sind. Verzweifelt und entschlossen macht Woodroof sich dennoch daran, diese Medikamente in die USA zu schmuggeln und dort an Aidskranke zu verteilen. Er gründet den "Dallas Buyers Club", dessen hochpreisige Mitgliedschaft es den Mitgliedern ermöglicht, diese Medikamente zu bekommen, ohne dass Clubbegründer Woodroof sich des illegalen Medikamentenverkaufs strafbar macht. Zusammen mit dem Transsexuellen Rayon (Jared Leto, "Lord of War"), der ebenfalls an HIV leidet, entwickelt sich der Dallas Buyers Club zum lukrativen, vor allem aber sozial engagierten Unternehmen, das Kranken wirklich helfen will. Allerdings hat die FDA (Arzneimittelzulassungsbehörde der USA) Woodroof schon auf dem Kieker und tut alles in ihrer Macht stehende, um sich von Einzelkämpfer Woodroof nicht die lukrative Butter vom Brot nehmen zu lassen, die ihnen durch die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie gewiss scheint. Schon bald geht es Woodroof nicht mehr nur um seine eigene Gesundheit und seinen Profit, sondern um eine gerechte und schnelle Zulassung lebenswichtiger Medikamente, die viele Menschenleben retten könnten…

Ron Woodroof gab es wirklich, und auch Regisseur Jean-Marc Vallée ("C.R.A.Z.Y.") hält sich in seinem siebten Langfilm verhältnismäßig dicht an die Fakten, die Woodroofs Leben vorgab. Vielleicht liegt es an seinen beiden noch relativ unerfahrenen Drehbuchautoren oder an Vallées Fähigkeiten selbst, dass "Dallas Buyers Club" kein hervorragendes und vor allem ergreifendes Drama geworden ist. Nüchtern und trocken wird der Zuschauer hier mit Woodroofs Leben konfrontiert, nur selten gelingt es dem Regisseur, eine Bindung zwischen Zuschauer und Protagonisten entstehen zu lassen, die zu Herzen geht. Sowohl Woodroofs ausschweifender Lebensstil als auch sein einsamer Kampf gegen Behördenwillkür und für Gerechtigkeit verlieren sich in dem recht stumpf abgefilmten Drama, das kaum wirkliche Nähe zulässt. Ergreifend wird es nur, wenn Vallée einige der wenigen Blicke hinter die Fassade des harten und aufbrausenden Texaners gewährt und ihn vor Wut schreien oder überwältigender Trauer weinen lässt. Doch solche Szenen sucht man fast immer vergebens, vielmehr konzentriert sich Vallée auf die illegalen Machenschaften und Tricks, derer sich Woodroof bedient, um dem System (in guter Absicht) ein Schnippchen zu schlagen. Das wird in 117 Minuten Filmdauer leider irgendwann ermüdend und auch langweilig, da es Vallée leider ebenso wenig gelingt, echte Spannung zu erzeugen.

So wendet man sich zwangsläufig dem Spiel der beiden Hauptdarsteller zu, bei deren Auswahl Vallée ein ausgesprochen gutes Händchen bewiesen hat. Man mag von dem eitlen Fatzke McConaughey halten, was man will, er ist ein guter Schauspieler, und das stellt er in "Dallas Buyers Club" auch erneut souverän unter Beweis. Sein facettenreiches Spiel zwischen Wut, Verzweiflung, Angst, Mut, Hoffnung und Kampfgeist überzeugt jederzeit, dennoch ist sein Woodroof nicht dazu geeignet, große Sympathien zu generieren. Das mag zum Teil auch an der erschreckend ausgemergelten Statur liegen, für die McConaughey satte 24 kg abgenommen hat. Immer wieder lenkt die grausam dünne Physis vom eigentlichen Thema des Films ab und lässt die Gedanken dort verweilen, anstatt sich auf Spiel und Inhalt zu konzentrieren. Ähnlich geht es einem bei Nebendarsteller Jared Leto, der vier Jahre verstreichen ließ, bevor er sich nach "Mr. Nobody" wieder in Hollywood blicken ließ. In der Zwischenzeit hat Leto lieber seine Sangeskarriere als charismatischer Frontmann der Band 30 Seconds to Mars vorangetrieben, und zwar mit Erfolg. Für den Film hat Leto ebenfalls stark abgenommen, 18 kg insgesamt (erschreckend, wenn man bedenkt, dass er sich bereits 2007 satte 30 kg angefressen hat, um seine Rolle in "Chapter 27" perfekt verkörpern zu können). Sein Spiel als drogenabhängige, einsame Transsexuelle Rayon ist ebenfalls zutiefst überzeugend und manchmal auch anrührend, doch auch hier bleibt Vallée viel zu weit an der Oberfläche, um den Zuschauer nachhaltig beeindrucken zu können. Leto kann hier nicht alles zeigen, was er zweifellos kann, unter anderem auch deswegen, weil ihm viel zu wenig Screentime vergönnt ist. In weiteren Nebenrollen finden sich die wie immer mausgrau agierende Jennifer Garner und der wunderbare Steve Zahn.

Doch zwei anorektische Darsteller allein machen eben noch keinen guten Film. Und auch die von der Presse so frenetisch bejubelten Darstellungen von McConaughey und Leto (beide bereits Golden-Globe-geadelt und als Oscarkandidaten nominiert) reichen nicht an vergleichbare Leistungen von z. B. Charlize Theron in "Monster" oder Christian Bale in "The Machinist" heran. Bale hat sich nicht nur unfassliche 29 kg abgehungert, er kann eben auch darstellerisch voll und ganz überzeugen und hatte das Glück, auf einen fähigen Regisseur und hervorragende Drehbuchautoren zu treffen. Dieses Glück war McConaughey und Leto leider nicht hold, zumindest nicht durchgängig.

"Dallas Buyers Club" ist ein teilweise interessantes und manchmal sogar berührendes Drama, bleibt aber leider über weite Strecken unzugänglich und leider auch langweilig. Die zähe und wenig empathische Inszenierung verhindert eine emotionale Bindung des Zuschauers an die Protagonisten und kann somit nur phasenweise Interesse für ihr Schicksal wecken. Ein mal wieder maßlos überschätzter Film mit krankhaft runtergehungerten Darstellern, die sich bis heute nicht von der Tour de Force erholt haben, die sie ihren Körpern zugemutet haben. Darüber hinaus lenkt die Ausgezehrtheit ihrer bedauernswerten Körper (leider) nachhaltig vom unbedingt guten Spiel und (zum Glück) von der oft belanglos inszenierten Story ab. Der echte Ron Woodroof starb 1992, sechs Jahre nach seiner Diagnose und der ihm prognostizierten sechsmonatigen Lebensdauer. Durch seine Bemühungen wurde ein Medikament, das HIV-Kranken helfen konnte, von den Behörden zugelassen und somit aus der Illegalität geholt. Für die Verfilmung von Woodroofs Leben aber leider nicht mehr als durchschnittliche drei von fünf Kämpfen, die zumindest nicht an allen Fronten aussichtslos waren.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.04.2014, 23:55:52 GMT+2
christine meint:
Eine der interessantesten Rezen, die ich zu diesem Film gelesen habe. Allerdings habe ich einen Ihrer Einwände, die fehlende Emotionalität, nicht als Mangel empfunden. Vielleicht habe ich einfach genug von diesen Filmen, die mich emotional erdrücken wollen. Da haben wir einen Hauptdarsteller, der es einem zunächst einmal recht schwer macht, ihn zu mögen. Und er entwickelt aus der Verzweiflung so viel Energie, die für mich den Film durchaus trägt. Ich war sogar ganz froh, dass es keine "Beichte" von Rayon gab, die kurze Szene mit seinem Filmvater verdeutlicht doch genug, woran er leidet. Auch über den Arzt in Mexiko können wir nur spekulieren. Auch keine unnötige Romanze, aber eine sich langsam entwickelnde Menschenfreundlichkeit bei Woodroof. Auch die gelegentliche Absurdität (wie er sich beim Aussteigen aus dem Auto an seinem Tropf verheddert) wusste ich zu schätzen. Zum Ende wurde es mir gelegentlich etwas zu platt (muss die Ärztin bei ihrem Rauswurf das F-Wort benutzen?), aber insgesamt ein angenehmer Nichttränenzieher.
LG, Christine

Veröffentlicht am 25.04.2014, 10:36:22 GMT+2
Ich habe den Film noch nicht gesehen und kann daher nicht beurteilen, ob ich Ihre Sicht teile.
Auf jeden Fall aber war ich von Ihrer Rezension sehr beeindruckt. Typisch für die Rezensionen hier bei Amazon, dass Sie gnadenlos abgeklickt wurden, weil Sie nicht die Mainstreammeinung vertreten.
Lassen Sie sich bitte dadurch nicht davon abbringen, Ihre Meinung klar und mit Fakten unterfüttert zur Kenntnis zur bringen.
Vielen Dank!!!

Veröffentlicht am 24.05.2014, 22:35:38 GMT+2
JLB meint:
So lang die Rezension sein mag und viele Details enthält, aber haben Sie denselben Film gesehen?! Aus welcher Intention haben Sie den Film gesehen? Sicher nicht um sich mit der Thematik zu befassen, offensichtlich nicht.

Veröffentlicht am 23.07.2014, 22:12:33 GMT+2
Interessant zu sehen ist auch, dass, wenn sich einer die Mühe gemacht hat, eine Rezension auch vernünftig zu schreiben, sich dann auch kein Penner traut, hier irgendeinen Scheiß zu kommentieren, um die Rezension runterzumachen. Da traut sich halt keiner.

Gute Rezension!
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