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Kundenrezension

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender, düsterer und unheimlicher, 27. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Grischa, Band 2: Eisige Wellen (Gebundene Ausgabe)
„Grischa – Eisige Wellen“ ist nach „Goldene Flammen“ der zweite Band einer High-Fantasy-Trilogie mit russisch angehauchter Szenerie. Die Reihe, offiziell aus dem Jugendbuchbereich aber uneingeschränkt All-Age-geeignet, wird geschrieben von der in Amerika lebenden Autorin Leigh Bardugo und konnte mich jetzt ein zweites Mal begeistern.

Zunächst ein paar Worte zum Inhalt:
Alina und Maljen sind nach ihrem Sieg über den Dunklen auf der Flucht und versuchen jenseits der Wahren See ihre Identität zu verschleiern. Denn die Unsicherheit bleibt. Sollte der Dunkle den Schattenflur überlebt haben? Selbst weit entfernt von ihrer Heimat Rawka kann sich Alina nicht sicher fühlen. Ihre Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten, denn die Gerüchte über den Dunklen nehmen zu und er könnte mächtiger sein als jemals zuvor. Rawka ist in Gefahr und Alina auch, denn um seine Pläne in die Tat umzusetzen, braucht der Dunkle ihre Kräfte….

Die „Grischa“-Trilogie hebt sich nicht nur durch die in zarten Farben gestalteten Cover von anderen Reihen im Jugendbuchbereich ab. Zunächst einmal ist sie eine der wenigen High-Fantasy-Reihen, denn unter den Jugendbüchern ist die Welt des Über- und Unnatürlichen deutlich stärker - wenn nicht gar fast ausschließlich - durch die Urban- und Contemporary-Fantasy repräsentiert, also durch ein Genre, in dem Fantasy-Elemente in unsere (in der Regel moderne) Welt eingebunden werden. In der „Grischa“-Trilogie befinden wir uns in einem Reich mit mittelalterlichen Strukturen, das nicht Teil unserer Welt ist. Was „Grischa“ jedoch auch hier aus dem üblichen High-Fantasy-Setting herausstechen lässt, sind Anlehnungen an die russische Geschichte und Sprache, die sich sowohl in der Herrschaftsform Rawkas selbst finden (es ist ein Zarenreich) als auch in zahlreichen Namen von Personen und Orten. Es handelt sich also zwar um High-Fantasy, dennoch gibt es aber Wiedererkennungspunkte mit einer historischen, russisch beeinflussten Welt, was ich als Grundkonzept auch beim zweiten Band sehr gelungen und immer wieder spannend finde.

Auch durch den sprachlich sehr gelungenen Aufbau der Reihe schafft die Autorin es, sich von der Masse abzuheben. So beginnt und endet auch der zweite Band, wie schon der erste, mit einem Prolog und einem Epilog, die in einem neutralen, fast märchenhaften Stil gehalten werden und ganz distanziert von einem Jungen und einem Mädchen erzählen. Diese Kapitel runden den Roman ab und sorgen sowohl am Anfang wie auch am Ende für eine besondere Atmosphäre, die dazwischen von Alina als starker Ich-Erzählerin aufgenommen wird. Diese kleinen Elemente, die Berührungspunkte zu einem russischen Zarenreich oder die ungewöhnlichen Kapitel im Märchenstil, sind das, was „Grischa“ als Reihe zu etwas Besonderem macht, und zusammen mit einer sehr erwachsenen Sprache, gespickt mit eindrucksvollen Beschreibungen in bildgewaltigen Momenten, wird „Grischa“ dadurch auch für Fantasy-Fans jeden Alters zum absoluten Lesevergnügen.

Dennoch kann ich nicht abstreiten, dass ich mit einer gewissen Skepsis an die Fortsetzung herangegangen bin. „Goldene Flammen“ ließ sicherlich einige Fragen offen, war aber insgesamt mit seinem offenen Ende sehr rund und hätte wundervoll als Einzelband funktionieren können. Musste die Frage nach dem Schicksal des Dunklen also wirklich noch einmal aufgerollt werden? Sie musste vielleicht nicht, aber ich bin froh, dass Bardugo es getan hat. Was ich im ersten Band noch kritisiert hatte – mein einziger Kritikpunkt in einem ansonsten nahezu perfekten Roman - , war die teilweise etwas unvollständige Versorgung des Lesers bezüglich der Informationen über die Magie und Struktur der Grischa als Gemeinschaft verschiedener Orden mit mannigfaltigen Eigenschaften und Kombinationen von Aufgaben und Farbcodes, die zu überblicken für mich als Leser schwierig war. Davon ist in „Eisige Wellen“ kaum noch etwas zu spüren, was zum Einen auch daran liegen mag, dass das Leben im Kleinen Palast unter den Grischa nicht mehr die größte Rolle spielt, allerdings taucht die Autorin auch noch einmal viel tiefer in die Welt Rawkas ein.

Alina und Maljen bereisen viele Orte und treffen auf magische Wesen und politische Intrigen. An wessen Seite das alles passiert, soll hier nicht näher beschrieben werden, denn sowohl die Rolle des Dunklen als auch die weiterer Personen ist ein unverzichtbarer Teil des Spannungsaufbaus innerhalb der Geschichte. Nur so viel sei verraten: Der Dunkle macht seinem Namen noch einmal alle Ehre. Unheimlicherer, düsterer und erschreckender war „Grischa“ bisher nie. Ansonsten geht es um Politik, religiöse Kulte, die Macht im Zarenreich und die Herrschaft über die Grischa im Kleinen Palast. Die wunderschöne, zarte Liebesgeschichte zwischen Alina und Maljen wird konfliktreicher werden und leiden – gleich an mehreren Stellen geht diese Fortsetzung emotional gewaltig unter die Haut.

Insgesamt machen die Charaktere einen sehr ausgereiften Eindruck und sind für ein Jugendbuch in ihrem Verhalten bereits sehr Erwachsen. Niemand, der sich nicht mehr zu den Teens zählen kann, sollte aufgrund der Altersempfehlung „ab 14 Jahren“ davor zurückschrecken, dieses Buch in die Hand zu nehmen, denn strenge Differenzierungen zwischen der Eignung für Jugendliche oder Erwachsene müssen gerade bei dieser Trilogie aufgrund der exzellenten Sprache und der Vielschichtigkeit der Charaktere an sich nicht gezogen werden.
Was den Spannungsverlauf angeht, so steigert sich „Eisige Wellen“ mit jeder Seite und gipfelt in einem unglaublichen Finale, das beinahe atemlos werden lässt. Mit großer Spannung erwarte ich jetzt den dritten Band, denn am Ende des zweiten ist es nicht mehr wie nach dem ersten Band: Hier muss definitiv noch eine Geschichte zu Ende erzählt werden.

Fazit: „Eisige Wellen“ kann sich im Vergleich zu seinem Vorgänger „Goldene Flammen“ noch einmal steigern. Es wird spannender, düsterer und unheimlicher. Insgesamt ist „Grischa“ eine Trilogie, die sich sowohl durch die Reife ihrer Charaktere wie auch durch stilistische, sprachliche Elemente und den Aufbau ihrer Welt als High-Fantasy mit Berührungspunkten zum historischen russischen Zarenreich deutlich von anderen abhebt. Sehr empfehlenswert. 5 Sterne
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Sarah O.
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