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Kundenrezension

am 21. Juni 2012
Selbstverständlich ist der Ablauf immer der gleiche: eine Band, die ihre größten Erfolge vor Jahrzehnten gefeiert hat, findet sich wieder zusammen, um im Alter nochmals ein Album zu produzieren.
Das ruft nun verschiedene Fan-Arten auf den Plan.
Den langjährigen, alten "Hardcore Fan", der die Band schon bei ihrem ersten Auftritt gesehen und über die Jahre mitverfolgt und seit Anfang der 80er auf dieses Album gewartet hat. Dieser fühlt sich, aufgrund seines langjährigen Fandaseins hinsichtlich seines Urteils privilegiert, hebt den moralischen Zeigefinger und lehnt das Album strikt ab, da es keinesfalls an die alten Erfolge anschließen kann und bei weitem nicht so genial ist wie "Pet Sounds" oder "Smiley Smile". Unter diesen "Hardcore Fans" gibt es einige seltene Exemplare, die dem Album gerne eine Chance geben würden, sich aber nicht ganz trauen, das zuzugeben. Das Album wird dann heimlich gekauft und mit maximal drei "Mitleids-Sternen" bewertet.
Ein weiteres Exemplar ist der "Gelegenheits-Fan". Dieser ist oftmals jüngeren Alters (kann sich also nicht an den Tag erinnern, an dem die Beach Boys um 13.47 Uhr gegründet wurden). Dieser findet das Album eigentlich ziemlich gut, viele schöne Melodien, sehr gute Harmonien, Lieder die an einen warmen Sommerabend erinnern, etwas melancholisch angehaucht sind und ein Gefühl von Nostalgie, aber auch Zufriedenheit verbreiten. Das Problem des "Gelegenheits-Fans" ist nur, dass seine Meinung gerne vom privilegierten "Hardcore-Fan" im Keim erstickt wird. Man sei zu jung, zu wenig erfahren und überhaupt zu wenig von allem, was einen echten Beach Boys Fan ausmacht. Man wisse ja nicht, wovon man eigentlich spricht, wenn man nicht vor 50 Jahren in Kalifornien dabei und ein Fan der ersten Stunde war.
Und dann gibt es noch den unbedarften Hörer, der eigentlich nur zufällig über das Album gestolpert ist, welches nun nonstop in seinem CD Player rotiert. Dieser existiert in allen Altersklassen und hat eigentlich gar keinen echten Bezug zu den Beach Boys (irgendeine Band, die mal Surfin' U.S.A. geschrieben hat). Diese Art von Hörer macht gar keine große Wissenschaft aus dem Album oder seiner Bewertung, sondern findet einfach, dass die Lieder gut ins Ohr gehen und an einem Sommertag gut auf der Terrasse oder beim Autofahren gehört werden können. Dieser Hörer ist nach Meinung des "Hardcore-Fans" und in geringerem Maße auch nach Meinung des "Gelegenheits-Fans" (hier ist man oft solidarisch) eigentlich zu gar keiner Meinung berechtigt, weil ihm der nötige musikalische Hintergrund fehlt, um sich ein Urteil zu erlauben. Gerne wird hier auch darauf verwiesen, der unbedarfte Hörer solle doch weiter Charts hören und bitte die Finger von den Beach Boys lassen.

In welche Fan-Kategorie würde ich mich selbst einordnen?
Ich würde sagen, ich falle zwischen die Stühle: ein junger "Hardcore Fan".
Als 82er Jahrgang gab es die Band schon 20 Jahre, als ich geboren wurde. Zum ersten Mal bewusst gehört habe ich die Beach Boys Mitte der 90er Jahre. Und intensiv nachverfolgt (die Alben gekauft, mich durch ihren Katalog gearbeitet) habe ich die Beach Boys seit etwa 1998. Ich kann mich also nicht an den Gründungstag oder an das allererste Konzert erinnern und ich war auch noch nie in Kalifornien. Aber ich weiß das Genie von Alben wie "Pet Sounds", "Smiley Smile" oder "The Smile Sessions" zu würdigen.
Und ich weiß auch, dass "That's Why God Made The Radio" niemals an diese Werke heranreichen kann.
Und dennoch habe ich fünf Sterne vergeben?
Warum? Aus Solidarität zu den Beach Boys? Aus Trotz?

Weil es einfach ein verdammt gutes Album ist!
Man lasse für einen Moment außer Acht, dass hier ein paar alte Herren zusammengekommen sind, welche die Großväter von vielen von uns sein könnten. Man lasse außer Acht, dass diese Herren eine bewegte Geschichte hinter sich haben mit mittlerweile mehr Tiefen als Höhen. Und man lasse außer Acht, dass sich das Album gegen uneinholbare Meisterwerke wie 'Pet Sounds' beweisen muss (muss es das?).
Machen wir doch einfach mal die Augen zu und vergessen, dass es sich um die Beach Boys handelt.

Was dann bleibt ist ein fantastisches Album voller großartiger Melodien und Harmonien. Ein Album, das unter die Haut geht und den Hörer mit seinen Rock, Blues und Doo Wop Einflüssen direkt an einen warmen Sommerabend und an ein Strandlagerfeuer versetzt. Sei es nun das vom Blues getriebene 'Spring Vacation', das in bester Doo Wop Manier gesungene 'The Private Life of Bill and Sue' oder 'Daybreak Over The Ocean' mit karibischen Einflüssen, welches entfernt an 'Kokomo' erinnert. 'Beaches in Mind' wäre das perfekte Lied, um im Cabrio mit offenem Verdeck die Strandpromenade entlang zu fahren.
Dennoch handelt es sich um kein schönfärberisches Album, das nur die guten Seiten des Lebens behandelt. Über dem gesamten Album liegt auch eine Aura des Nostalgischen und Melancholischen. Das Gefühl vergangener, vielleicht besserer Tage, die man nie mehr zurückholen kann. Besonders kommt das in den letzten drei Liedern das Albums, 'From There To Back Again', 'Pacific Coast Highway' und dem großartigen 'Summer's Gone' zum Ausdruck. Eigentlich kann man hier kaum von drei einzelnen Liedern sprechen, sondern am ehesten von einer...Taschen-Symphonie. Und da hat nun der 'junge Naseweis-Fan' einen geheiligten Ausdruck aus der Beach Boys Vergangenheit benutzt. Das erntet nun Unverständnis beim 'Hardcore Fan' und beim unbedarften Hörer gleichermaßen. Im ersteren Fall, weil gerade eine heilige Kuh geschlachtet wurde, im letzteren Fall, weil man nicht genau weiß, worum es geht.
Aber das ist die beste Beschreibung für dieses Lieder-Triumvirat.
Eine Hommage an den Sommer, der zu Ende geht. Und vielleicht auch ein Leben, das dem Ende zugeht. Mit allen Höhen und Tiefen.
Aber zu bereuen gibt es nichts.
Insbesondere nicht, dass sich die Beach Boys nochmal aufgerafft und dieses Album für uns erschaffen haben.

Der langen Rede kurzer Sinn: unbedingt anhören
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