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Kundenrezension

am 9. August 2008
Mit seiner inzwischen neunten Platte beweist Queensbridge-MC Nas, dass man ihn nicht nur auf seinen 94er Meilenstein "Illmatic" reduzieren sollte. Noch auf seinem letzten Album warnte er die HipHop-Szene vor dem Verfall ihrer Kultur und heimste dafür mächtig Kritik und Aufmerksamkeit ein. "Untitled" ist nicht weniger diskussionswürdig - sondern sogar mehr: Die Idee von Nas a.k.a. Nasir Jones, sein nächstes Album schlicht "Nigger" zu nennen, ließ Journalisten, Blogger, Plattenbosse und Forentyper ausrasten. Nach einem Hin und Her einigte man sich auf ein "namenloses" Album. Doch wer sich das Cover vor Augen führt, ahnt, welches Wort einen da anschreit.
Untitled" ist ein Konzeptalbum, das Fragen aufwerfen soll, warum dieses Wort denn so berüchtigt sei. In den Songs geht es um schwarze Kultur und Geschichte, Rassismus, Diskriminierung und ähnliche Themen. Ich beschreibe die 15 Stücke im Einzelnen:

1. Queens Get The Money: Die Platte beginnt mit einer auf-den-Punkt-bringenden Ansage Nas' gegen Hater und Zweifler, die ihm Relevanz absprachen. Er geht auf seine "HipHop is dead"- Phase ein mit den Worten: "HipHop was aborted, so Nas breathes life back into the embryo". Einzig Klavierklänge ohne Percussion untermalen diese wütende, rechtfertigende Aussage. Großartig!

2. You Can't Stop Us Now: Die allseits bekannte Melodie von Barrett Strong und Norman Whitfield's "Message from a black man" ertönt auf einem dreckigen mit Schallplatten-Crackles belegten Beat von Salaam Remi. Aussage ist, niemand kann die afroamerikanische Kultur verdrängen. Blues und Spoken Word sind auch noch in den Song eingeflossen. Passt perfekt, der Refrain klingt fast wie eine Weisheit. Ist er ja auch: "No matter how hard you try, you can't stop us now"!

3. Breathe: J. Myers & Dustin Moore schusterten dieses wunderbare Instrumental, dass die einfache Erkenntnis unterstreicht, dass es schwierig ist, doch einfach das Wesentliche zu sehen, zwischen all dem Trouble in der Welt eines Hustlers.

4. Make The World Go Round: Ein eher poppiger Song über das Hustlen von Nord bis Süd, von Ost bis West. Nas sagt hier, dass er nichts dagegen hat, wenn andere Rapper durch Ringtones reich werden, und gratuliert ihnen für solch einen Erfolg. Das Instrumental kommt von Cool & Dre, und ist modern, aber unkitschig gehalten. Als ich Anfangs Chris Brown las, dachte ich an nichts Gutes, doch der Gesang des "nächsten Michael Jackson" fügt sich perfekt und absolut grandios in den Song ein. The Game hat einen gewohnten soliden Part.

5. Hero: Die perfekte Single für ein solches Album wächst von mal zu mal hören. Der Beat ist wie der des Songs davor, ziemlich trendorientiert gehalten - stammt ja von Polow Da Don, der mit 808 Drums und klimpernden Keys einen druckvollen Beat zauberte, der auch zu T.I. oder Lil' Wayne passen würde. Nas sagt unter Anderem, dass er seinen Block aus alten Zeiten nicht vergessen hat und auch immer noch der Selbe ist wie damals.

6. America: Dies ist ein absolut melancholischer, melodiöser Song über ein zerfallenes Amerika, das gar nicht Jenes glänzendes Paradies ist, was Ikonen wie Marilyn Monroe usw. verkörpern. Nas sieht stattdessen strenge Gesetze und korrupte Cops. Hört man diesen Song öfters, kann es sein, dass er zum Ohrwurm wird. Nices Ding!

7. Sly Fox: Im Frühjahr 2008 berichtete der US-Nachrichtensender "FOX-News" über Nas im Rahmen eines Autritts bei einer christlichen Verantstaltung und stellte ihn als gewaltverherrlichenden Gangsta-Rapper dar. Der Sprecher Bill O'Reilly griff ihn besonders hart an. Nas antwortet mit dem Song "Sly Fox" (dt.: schleichender Fuchs) auf die Vorwürfe. Hier geht er auf die allgemeine Manipulation der Medien (speziell FOX) auf den Betrachter ein und warnt vor einer totalen Verdummung. "The eye in the sky, number five on the dial", spricht die Big-Brother-is-watching-you-Rolle von FOX an. Zu den Vorwürfen, er würde, offensichtlich Gewalt propagieren und Waffen verherrlichen fragt er sich, was denn mit "Kill Bill" sei, das doch viel deutlicher Gewalt verherrlicht aber nicht als gefählich betrachtet wird, da es ein ausgezeichneter Film ist. Die Raps werden begleitet von wütenden Gitarren-Riffs aus der Hand von Dead Prez' stic.man. Sehenswert ist auch das offizielle Video (Regie: Rik Cordero) dazu!

8. Testify: Ein smoother, langsamer Song, der mit einer gesungenen Hook über Pianos auffährt, wobei sich die Hook ziemlich oft wiederholt. Fast sprechend fügt hier Nas seine Stimme ein, ein paar sanfte Lacher sind auch dabei. Bluesgesänge begleiten das Instrumental so gut wie von Anfang bis Ende. Im Song fragt er u.a. seine Fans, ob sie auch persönlich zu ihm halten würden, anstatt nur alleine die Musik zu hören.

9. N.I.G.G.E.R. (The Slave And The Master): Das Knochenmark des Albums! "Sie sagen N***** zu uns, doch wir sind viel mehr als das" , ist die Hauptaussage dieses, ja, Bretts, das vor allem Nas' Menschlichkeit zeigt. Das Instrumental erinnert von Aufbau und Tempo etwas an Kanye West's Can't tell me nothing" - kein Wunder, ist es doch ebenfalls von DJ Toomp produziert. Die Melodie setzt sich aus einem Sample der Gruppe The Persuaders" zusammen: Die Streicher-Klänge wirken sehr stabil und erwachsen. Wahnsinns Ding!

10. Untitled: They did not have the power, to stop Louis Farrakhan" ertönt Anfangs, bis ein schneller, düsterer und basslastiger Beat einsetzt.
Untitled" ist ein stark politischer Song, der das Thema "Revolution" intelligent anspricht. Hierbei wird auch weiterhin im Refrain der Nation of Islam-Führer Louis Farrakhan erwähnt, der eine stark rassistisch geprägte Ideologie propagiert. Die Athmosphäre, die dabei aufkommt, erinnert mich fast an einen Science Fiction-Film, da Beat und Lyrik hier ziemlich heftig in die eher düstere Ecke gehen.

11. Fried Chicken: Mark Ronson bringt hier eine traurige Melodie und militärische Snares. Nas und Busta Rhymes bringen die Raps und rollen zum Einen das Klischee eines hühnchenfressenden Schwarzen auf, zum Anderen sprechen sie mit etwas Wortwitz die Massenkäfighaltung von Hühnern an. Genüsslich beschreibt Nas die Geflügelspeise, die wir zwar essen, doch dabei nicht bedenken, was das Tier alles schon erleben musste, um auf dem Teller zu landen... oder womöglich gar kein Hühnchen ist... Busta sagt: "Wir fressen alles in uns rein, ohne nachzudenken, bis wir schließlich daran krepieren". Brillianter Song!

12. Projekt Roach: Eban Thomas, ein Lyriker, spricht im Intro und Outro dieses kurzen Stückes ein für diese Platte typisches Thema an. Das böse N-Wort müsse man gar nicht beerdigen, den täglich geht die Scheiße, die man als Schwarzer erleben muss weiter. Nas rappt hier über Wertlosigkeit. Die Musik ist Lounge-mäßig gehalten.

13. Y'all My Niggas: J. Myers bringt hier einen gute Laune Beat, der mit Trompeten-Synthies im Refrain aufwartet, worüber Nas rappt, dass im letzten Jahrhundert zwar Ghettos entstanden, dies aber auch positiv zu sehen sei. Aus all den Nachteilen, die die Schwarzen in den USA hatten/haben entstanden Schönheiten und Einzigartigkeiten wie die Coolness und eine eigene Sprache. Daher will heute jeder ein "N*****" sein. Nas würde dies akzeptieren.

14. We're Not Alone: Dieser Song ist geprägt von Hoffnung, der dem Zuhörer fast Tränen in die Augen treibt, wenn er über den Text nachdent. Die Hauptaussage: "Wir sind nicht alleine, überall werden Menschen gequält bzw. diskriminiert. Doch wir müssen uns nur anschauen um zu sehen, was wir sind, wir sind die schönste Kultur". Der Refrain, absolut wunderbar gesungen von Mykel, unterstreicht diese Aussage. Die Afro-Kultur von Afrika bis in die USA wird erläutert. Stic.man von den Dead Prez zeigt auf dem Song seine Klasse als Produzent. Am Ende des Songs macht Nas klar, dass Rassismuss beendet werden müsse und er Liebe für jeden Mensch, jeder Nation verpüre. Wahre Worte.

15. Black President: Der Song, der mit nachgesprochenen Martin Luther King-Zitaten aufwartet und die Präsidentschaftskandidatur von Barack Obama thematisiert, ist der krönende Abschluss des Albums. Wie ein "Bam!" beginnt der Song, der die berühmten 2Pac-Zeilen "And though it seems heaven sent, we ain't ready to see a black President" interpretiert. Nas rapt hier hungrig wie lange nicht mehr und, ja, alles abreisst, wie man so schön sagt. Bam!

Fazit: Das Konzeptalbum "Untitled" ist für viele nicht umsonst das beste Nas-Album seit "Illmatic". Es weist einen roten Faden auf. Nas bringt auf fast jeden der 15 Songs pure Hitze. Wer das Album noch nicht illegal aus dem Internet hat, sollte es sich käuflich erwerben, es lohnt sich, denn es ist vielseitig und abwechslungsreich. Ich kann noch nicht sagen, wie Untitled" in 5 Jahren dasteht, deswegen lasse ich den Begriff "Klassiker" ersteinmal liegen.
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