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Kundenrezension

am 28. November 2013
Der Vergleich zwischen Harold Fry und Jonas Jonassons "Hundertjährigem" war für mich Grund genug, Rachel Joyce bisher gepflegt aus dem Weg zu gehen. Jetzt, wo ich “Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte” regelrecht verschlungen habe, musste ich jedoch feststellen, dass ich Mrs. Joyce unrecht getan habe. Diese wunderbare Schriftstellerin hat so viel mit Jonas Jonasson gemeinsam wie eine singende Säge mit einer Stradivari. Vielmehr steckt in ihr das sensible und phantasievolle Erzähltalent vom Format ihrer britischen Landsfrau J.K. Rowling.

1972 werden die Uhren um zwei Sekunden zurückgedreht, um Erdrotation und Zeitrechnung wieder in Einklang zu bringen. Aber was bedeutet es, wenn man an der Zeit, die doch die natürliche Ordnung der Dinge darstellt, einfach so rumschrauben kann? Diese beunruhigende Frage lässt den elfjährigen Byron nicht mehr los, nachdem sein bester Freund James ihm von der Sache erzählt hat. Byrons Welt gerät vollends aus den Fugen, als seine Mutter ausgerechnet in dem Moment, in dem die Extrasekunden hinzugefügt werden, einen Autounfall baut. Doch zu seinem Entsetzen fährt seine Mutter einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Hat er sich den Unfall nur eingebildet?

Vierzig Jahre später, am Rande einer Neubausiedlung, lebt ein stiller, einsamer Mann namens Jim in einem Wohnmobil. Sein halbes Leben hat Jim in der Psychiatrie Besley Hill verbracht. Jeden Morgen begrüßt Jim das komplette Hab und Gut in seinem Camper. Hallo Wasserhähne, hallo Rollmatratze, hallo, kleiner Kaktus, sagt er. Wenn er etwas vergisst, fängt er von vorne an. Die Objekte sind die einzigen Freunde, die Jim hat. “Seit der Schließung von Besley Hill hat er sich beides gewünscht, Freunde, Liebe, hat sich gewünscht, andere zu kennen und gekannt zu werden, aber wenn man immer ein- und aussteigt, unbelebte Gegenstände begrüßt und Öffnungen mit Isolierband verklebt, bleibt nicht viel Zeit.” Doch dann lernt Jim in dem kleinen Supermarkt-Café, in dem er die Tische abräumt, Eileen kennen. Ein Orkan von einer Frau, laut, aufbrausend, raumfüllend – Jim passiert etwas, dass er nicht mehr für möglich gehalten hat. Er verliebt sich.

Wenn man nach Zuklappen eines Romans Pipi in den Augen hat, ist das der beste Beweis, dass es ein guter Roman ist. Ich weiß gar nicht, welche Geschichte mich mehr bewegt hat – die von Byron oder Jim. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Erzählsträngen. Dennoch wird die Spannung um dieses Geheimnis bis zuletzt aufrechtgehalten. Überhaupt passiert in diesem Buch gar nicht so viel, aber es wird nie langweilig. Das liegt zum einen an dem Gefühl, dass jeden Moment etwas Furchtbares geschehen könnte und es zur Katastrophe kommt. Neben diesem Kloß im Hals steckt aber auch ganz viel Hoffnung und Humor zwischen den Seiten. Zum Beispiel, wenn Jim und Eileen nach imaginären Dingen auf dem Supermarkt-Parkplatz suchen, nur um sich nicht in die Augen schauen zu müssen: “So stehen sie Seite an Seite, berühren sich beinahe, aber nicht ganz, und suchen beide nach Dingen, die es vielleicht gibt, vielleicht auch nicht.”

Rachel Joyce eigentliches Geheimnis jedoch, um den Leser in ihren Bann zu ziehen und die Figuren für real zu halten, ist ihre unglaubliche Sprache. Sie ist sowohl schlicht in ihrem Satzbau, als auch verspielt in ihrem Bilderreichtum. Vor allem wirkt sie unverbraucht. Wenn sie schreibt, dass die Heide zartgelb wie Zitronensorbet leuchtet oder die Seligkeit in der Luft liegt als etwas Süßes, das man auf der Zunge schmecken und hinunterschlucken kann, dann wirkt das nicht wie klebriger Kitsch, sondern wie pure Magie. Weil es eine kindliche Welt ist, eine verzauberte Welt, in der solche Dinge möglich erscheinen.
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