Kundenrezension

Rezension aus Deutschland vom 4. November 2002
Die erste Weltumseglung, beschrieben von Stefan Zweig - sie ist nicht nur ein Leckerbissen für Freunde der Geographie, sondern (so wie Zweig das Thema in den Griff nimmt) ein ebenso großes Fundfeld für Anthropologen (das Schicksal der Patagonier), Politik-Wissenschaftler und: Psychologen!! Mit faszinierender Akribie schält Zweig die gewisse abnorme Zwanghaftigkeit des ersten Weltumseglers heraus - jedoch: hätte jener diesen zementenen Charakter nicht besessen: aus einer Weltumseglung wäre eine zeitlang noch nichts geworden. Das erste Drittel des Zweigschen Buches wäre für Bürokratie-Analytiker interessant - und ohne große Änderung auf heutige Zustände übertragbar: an jeder Ecke Neider, Hofschranzen, Hämische, Schnell-Aufgebende oder nur Egozentrische, die eine kreativen, von einer Sach-Idee faszinierten Menschen zu Fall bringen wollen. Als die fünf spanischen Schiffe endlich ausgelaufen sind, ist die Reise aber weiterhin weniger durch widrige Winde, geschrumpften Proviant oder die endlose Sucherei entlang der Küste Südamerikas gebrandmarkt als vielmehr durch andauernde Umsturzversuche und Rechthabereien unter den fünf Kapitänen. Nur eine fast psychopathologische Durchtriebenheit Magellans, eine unzerbrechliche Selbstüberschätzung und ein beneidenswert treuer Glaube an die Umsegelbarkeit der Erde als Kugel in alle Richtungen lässt alle Stockungen und Rückschläge letztendlich alle überstehen. Derselbe Charakterzug, diese gewisse machtlüsterne, revanche-freudige Selbstüberschätzung - sie ist es aber auch, die Magellan den Tod beschert, - in einem Augenblick, in dem er sich glücklichst hätte auf einem goldenen philippinischen Thron zurücklehnen können, nachdem er den Durchschlupf in den Pazifischen Ozean gefunden hatte: Irgendeiner kleinen unwichtigen Insel mit aufgebrachten Speerschwingern wollte er partout beweisen, dass er sie mit einer nur kleinen Anzahl gepanzerter Weltumsegler zur Ehrfurcht werde zwingen können: Aus diesem Hamsterrad des Siegens nicht aussteigen könnend, wurde er jämmerlich im Wasser watend hingemetzelt. Das Ende war nicht gerade von päpstlicher Würde - der Anfang der Unternehmung durchaus; ein bis zur letzten Buchseite spannender Bericht - der eigentlich zum Pflicht- und Basiskurs eines jeden Geschichtsunterrichts werden sollte ...
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